Mit gutem Gewissen genießen:
Fairtrade Kaffee

Kaffee ist in Deutschland der Spitzenreiter unter den Lieblingsgetränken. Neben Kaffeebohnen und -pulver aus klassischem Handel ist auch sogenannter Fairtrade Kaffee erhältlich. Diese Produkte unterliegen verschiedenen Handelsrichtlinien.

1. Was ist Fairtrade Kaffee?

Unter dem Begriff Fairtrade Kaffee werden Kaffeebohnen und -spezialitäten verstanden, die unter gerechten Bedingungen gehandelt wurden. Im Fokus stehen dabei eine faire Bezahlung sowie langfristige Ziele wie zum Beispiel im Bereich Umweltschutz.

Frau beim Kaffeepflücken
Eine gerechte Bezahlung ermöglicht es den Kaffeebauern, ihre Kinder in die Schule zu schicken, statt sie auf dem Feld einzusetzen.

Ein Großteil des Kaffees wird in den Kaffeeregionen von Kleinbauern angebaut, die nur wenige Hektar Land ihr Eigen nennen. Für sie ist es häufig schwierig, mit dem Kaffeeanbau ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und nicht in eine Armutsspirale zu geraten. Auch die Arbeiter und Arbeiterinnen auf den Plantagen leiden häufig unter geringen Löhnen oder schlechten Arbeitsbedingungen.

Gründe für die vielfältigen Probleme von Kaffeebauern und Plantagenarbeitern sind unter anderem:

  • Schwankende Weltmarktpreise
  • Klimatische Herausforderungen
  • Unausgeglichene Machtverhältnisse im Kaffeehandel

Fairtrade-Initiativen geben als Außenstehende verschiedene Bedingungen, wie einen Mindestpreis, vor, um die Situation in den Produktionsländern und entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu verändern. Die Regelungen können neben dem Anbau der Kaffeepflanzen und der Ernte zum Beispiel auch das Röstverfahren betreffen. Eine weitere Möglichkeit, fair bezahlten Kaffee zu erhalten, ist der Direkthandel: Hier verkaufen die Bauern ihre Ernte ohne Zwischenhändler an die Abnehmer, zum Beispiel Röstereien. So können die Einkäufer durch einen fairen Einkaufspreis sicherstellen, dass Kaffeebauern und Arbeiter einen ausreichenden Lohn erhalten.

Kaffee als traditionsreiches Kolonialprodukt, das allein im globalen Süden wächst, nimmt eine Pionierrolle im Bereich des fairen Handels ein. Heute sind die fairen Bohnen nicht mehr nur in Weltläden, sondern auch in Bioläden, Supermärkten und Discountern erhältlich.

Wo kommt Fairtrade Kaffee her?

Die Kaffeepflanze benötigt ein mildes Klima, das keine Temperaturextreme kennt. Hitze und intensive Sonneneinstrahlung sowie Frost verträgt die Pflanze nicht. Daher liegen die Anbaugebiete der fair gehandelten Bohne in Äquatornähe zwischen den Wendekreisen. Unter anderem gehören Kolumbien, Kenia und Indonesien zu den Kaffeeproduzenten.

Anzahl der Anbaugebiete von Produzenten mit Fairtrade-Zertifikat im Überblick (Stand 2015)

Für mehr Informationen zu den einzelnen Ländern die Zahlen anklicken


2. Die Fairtrade-Standards

Tasse Kaffee mit Kaffeebohnen
Kaffeegenuss mit gutem Gewissen: Kaffeebohnen aus fairem Handel.

Der Begriff „fair“ unterliegt bei der Verwendung keinen Bedingungen, er ist nicht rechtlich geschützt. Somit kann theoretisch jedes Unternehmen angeben, sein Produkt sei „fair“, ohne dass dadurch deutlich wird, welche Richtlinien konkret eingehalten wurden.

Verschiedene Siegel-Initiativen wollen dies ändern: Jedes Produkt, das das jeweilige Logo trägt, wurde nach bestimmten Regeln gehandelt, die transparent und damit für den Kunden nachvollziehbar sind.

Im Fall von Direkthandel (Direct Trade) existiert kein übergeordnetes Siegel, hier hängen die einzelnen Richtlinien und der Mindestpreis vom jeweiligen Abnehmer ab. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Kaffee aus direktem Handel nicht mindestens so fair sein kann wie ein zertifiziertes Produkt.

Aufgrund der möglichen Unterschiede ist es wichtig, sich mit den Standards der einzelnen Beteiligten zu befassen. Die Bedingungen, die an die Vergabe des Fairtrade-Siegels geknüpft sind, sowie die Auflagen der GEPA gehören dabei zu den umfassendsten der Branche im Bereich Kaffee.

Enthalten Fairtrade-Produkte immer 100 Prozent fair gehandelte Zutaten?

Wie hoch der Anteil fair gehandelter Rohstoffe in einem Produkt ist, hängt von den Standards des jeweiligen Siegels ab. Für die Auszeichnung von Fairtrade International muss ein Produkt, das aus einer einzelnen Zutat besteht, einen zu 100 Prozent fair gehandelte Rohstoff enthalten. Bei Mischprodukten sind es dagegen nur 20 Prozent. Enthält ein Produkt also neben Kaffee noch weitere Zutaten, müssen diese nicht aus fairem Handel stammen.

Meist lässt sich das Regelwerk für den Kaffeeanbau in drei Bereiche einteilen:

  1. Soziale Aspekte
  2. Ökonomische Punkte
  3. Ökologische Aspekte

Die jeweiligen Bereiche umfassen eine Reihe von Richtlinien, an die sich die Kaffeebauern und Betriebe halten müssen, um mit einem Siegel zertifiziert zu werden oder – im Fall von Direct Trade – als Handelspartner in Frage zu kommen.

Die verschiedenen Siegel oder Abmachungen können folgende Gesichtspunkte enthalten.

Soziale Aspekte Ökologische Standards Ökonomische Aspekte
  • Verbesserung der Arbeitsbedingungen auf den Plantagen
  • Verbot von Kinderarbeit
  • Förderung demokratischer Gemeinschaften oder gewerkschaftlicher Organisationen
  • Umweltschonender Anbau
  • Verbot gefährlicher Pestizide
  • Keine Verwendung von gentechnisch verändertem Saatgut
  • Schutz von Ressourcen
  • Fixer Mindestpreis
  • Zahlung einer zusätzlichen Sozialprämie
  • Langfristige Abkommen zwischen den Vertragspartnern
  • Faire Verträge
  • Vorschussfinanzierungen, um Investitionen zu ermöglichen

Zusätzlich zu den ökologischen Richtlinien kann ein Aufschlag Anreiz für die Bauern sein, Bio-Anbau zu betreiben.
Der festgelegte Kaffeepreis deckt immer mindestens die durchschnittlichen Produktionskosten und liegt in der Regel über dem Weltmarktniveau. Steigt dieses über den Mindestpreis, erhalten die Bauern eine Entlohnung auf Niveau des weltweiten Kaffeemarktes. Die gezahlte Prämie ist dazu bestimmt, in verschiedene soziale, ökologische oder ökonomische Projekte investiert zu werden. So sollen Kleinbauern und Arbeiter unterstützt, ihre Produktivität sowie die örtliche Infrastruktur verbessert und nicht zuletzt die Position der Kaffeebauern auf dem Weltmarkt gestärkt werden.

Ist Fairtrade Kaffee gleich Bio-Kaffee?

Fairtrade-Kaffee stammt nicht automatisch aus biologischem Anbau, sondern aus fairem Handel. Wenn der Importeur oder die Organisation, die die jeweiligen Standards überwacht, einen Anbau nach ökologischen Prinzipien jedoch vorschreibt, dann vereint der Kaffee beide Eigenschaften. Richtlinien gemäß Bio-Anbau sind zum Beispiel das Verbot von Pestiziden oder die Vermeidung von Monokulturen.

3. Infografik: Bio- und Fairtrade-Kaffee

Infografik zu Bio- und Fairtrade-Kaffee

4. Siegel und Importeure

Um es Ihnen als Kunden einfacher zu gestalten, Kaffeebohnen aus fairem Handel direkt zu erkennen, existieren verschiedene Siegel, die das Fairtrade Produkt auf der Verpackung auszeichnen. Die jeweiligen Richtlinien und ihr Nutzen sind von Siegel zu Siegel unterschiedlich, sodass es sinnvoll ist, sich mit den einzelnen Initiativen auseinanderzusetzen.

real bio Röstkaffee
Der real BIO-Röstkaffee verfügt auch über das Fairtrade-Siegel.

Sehr bekannt ist das Fairtrade-Siegel von Fairtrade International. Die Organisation wird in Deutschland vom Verein TransFair vertreten. Sie vertreibt selbst keinen Kaffee, sondern zertifiziert Bauern und Betriebe in den Kaffeeregionen. Alle Beteiligten müssen zum Zeitpunkt der Zertifizierung die Standards einhalten und sich zudem verpflichten, verschiedene Entwicklungsanforderungen zu erfüllen. Der Schwerpunkt von Fairtrade International liegt auf fairen Handelsbeziehungen mit dem globalen Süden.

Die GEPA ist kein Siegel, sondern ein Importeur fair gehandelter Waren, zu denen auch Kaffee gehört. Sie ist Mitglied der World Fair Trade Organization (WFTO) und richtet sich nach den Standards der Organisation Fairtrade International. Auch bei GEPA-Produkten gehören daher Gesichtspunkte wie die Vorfinanzierung, die Förderung des Anbaus nach ökologischen Aspekten und die Zahlung fairer Einkaufspreise zu den Richtlinien.

Ein weiteres Siegel ist Naturland Fair, das faire Handelsbeziehungen sowohl im globalen Süden als auch im Norden anstrebt und zertifiziert. Es arbeitet darüber hinaus nur mit Bauern, die Anbau nach ökologischen Richtlinien betreiben. Zu dem umfangreichen zertifizierten Angebot gehört auch Kaffee.

Weitere Siegel für Kaffee sind zum Beispiel Rapunzel Hand in Hand oder UTZ.

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Redakteur Imke Ohlendorf
Redaktionshinweise
Redaktion: Imke Ohlendorf

Imke Ohlendorf lebt und arbeitet in Köln. Während ihrer Studienzeit sammelte sie erste redaktionelle Erfahrungen beim Radio und einem Magazin für den Vintage-Lebensstil. Seit dem Abschluss ihres Volontariats in der real.de-Redaktion ist sie fester Bestandteil des Teams.