Die Geschichte des Kaffees

Bereits seit dem 11. Jahrhundert wird Kaffee in Getränkeform konsumiert. Die Kaffeebohne blieb jedoch bis ins 17. Jahrhundert hinein für Europäer unbekannt, entwickelte sich dann aber schnell zum beliebtesten Handelsgut der westlichen Welt.

Infografik: Kaffee Geschichte

1. Frühe Geschichte des Kaffees

Legende Kaffee Ziegen
Entdeckung der Kaffeepflanze.

Es ranken sich einige Legenden um die Geschichte der Kaffeebohne. Die bekannteste besagt, dass die Pflanze nicht von Menschen, sondern von einer Ziegenherde entdeckt wurde. Diese soll im 9. Jahrhundert beim Grasen auf einer Weide in der Region Kaffa in Abessinien, dem heutigen Äthiopien, die Früchte der Kaffeepflanze gefressen haben. Der Hirte stellte anschließend ein ungewöhnliches Verhalten bei den Tieren fest. Er sah die roten Früchte, die die Ziegen gefressen hatten, und brachte sie in ein nahe gelegenes Maronitenkloster.

Die Mönche des Klosters entdeckten durch Experimente die Wirkung der Früchte.

Woher stammt der Name Kaffee?

Zwar ist vielen unterschiedlichen Legenden zu entnehmen, dass die Kaffeebohne in der abessinischen Region Kaffa gefunden wurde und daher ihren Namen trägt, dies ist jedoch nicht wissenschaftlich bestätigt. Wahrscheinlicher ist die Wortherkunft vom arabischen Begriff Qahwah, der „das Anregende“ bedeutet. Eigentlich war mit Qahwah jedoch Wein gemeint. Da im muslimischen Glauben jedoch ein Alkoholverbot besteht, nannte man Kaffee schon bald den „Wein des Islams“.

Wann und wie genau der Kaffee entdeckt wurde, bleibt unklar. Die erste Erwähnung der Pflanze ist in einer arabischen Quelle aus dem Jahr 940 n. Chr. zu finden, in welcher sie als Heilmittel charakterisiert wird. Man trank damals in der Regel eine Art Tee, für welchen die rohen Kaffeebohnen mit heißem Wasser aufgegossen wurden.

Seit wann werden Kaffeebohnen geröstet?

Durch den Sklavenhandel kam die Bohne vermutlich von Äthiopien in den arabischen Raum. Im frühen Mittelalter – etwa ab dem 11. Jahrhundert – besaß der Jemen das Kaffeemonopol. Dort wurde die Kaffeebohne großflächig angebaut und in gerösteter Form konsumiert. Nach dem Rösten wurden die Bohnen gemahlen und mit Zucker sowie heißem Wasser in dem Jabana (Tonkrug) aufgegossen. Das Getränk benannte man dort nach der damals gleichnamigen Hafenstadt Mokka.

Türkischer Mokka
Türkischer Mokka, traditionell zubereitet.

Im 16. Jahrhundert verbreitete sich der Kaffee schließlich im gesamten osmanischen Reich, von Syrien bis nach Ägypten. Der türkische Sultan Selim I. war ein großer Liebhaber des Heißgetränks und brachte es in die Städte Mekka und Medina, wo schon bald Kaffeehäuser entstanden. Auch in Istanbul, dem damaligen Konstantinopel, wurde 1554 das erste Kaffeehaus eröffnet. Die Wirkung des Kaffees wurde in der Türkei sehr kontrovers wahrgenommen. Dort wurde kurze Zeit nach der Öffnung der Kaffeehäuser ein Verbot für den Verzehr des Getränks ausgesprochen und bei Missachtung mit Verfolgung gedroht. Tatsächlich wurde Kaffee erst 1839 wieder in der Türkei legalisiert, doch schon davor in vielen geheimen Kaffeestuben konsumiert.

Kleiner Überblick über die ersten Entwicklungen der Kaffeekultur:

9. Jahrhundert Entdeckung der Kaffeepflanze und ihrer Wirkung in Äthiopien.
11. Jahrhundert Durch Sklavenhandel gelangt Kaffee in den Orient. Der Jemen wird Hauptanbaugebiet der Kaffeepflanze.
16. Jahrhundert Verbreitung des Kaffees im gesamten Orient. Eröffnung von Kaffeehäusern in Mekka, Medina und Konstantinopel.
Verbot des Kaffees in vielen Teilen des osmanischen Reichs.
17. Jahrhundert Kaffee kommt durch Kaufleute nach Europa.
1839 Aufhebung des Kaffeeverbots in der Türkei.

2. Vom Orient nach Europa

Zwar sollte die Wirkung des Kaffees ein Geheimnis bleiben, doch auch den Europäern wurde diese zunächst durch Reisende und später durch Kaufleute offenbar. Der Erste, der das koffeinhaltige Heißgetränk in Aleppo probierte, war der Arzt und Wissenschaftler Leonhard Rauwolf aus Augsburg. Er erwähnte bereits 1582 in einem Reisebericht das „schwarze Getränk“ und die Wirkung der Kaffeebohne.

Italienische Kaufleute brachten den Kaffee 1615 nach Venedig, wo 30 Jahre später auch das erste Kaffeehaus eröffnet wurde. Das Kaffeemonopol des arabischen Raums wurde jedoch durch die Niederländer gebrochen. Sie brachten die Pflanze in ihre Kolonien, wo sie beispielsweise in Sri Lanka, auf Java, Sumatra sowie Bali Kaffeeplantagen errichteten. Die Bekanntheit und Beliebtheit des Getränks stieg an und schon bald florierten der Kaffeeanbau und Handel mit der Arabica Kaffeebohne.

Venedig Kaffee
Das erste europäische Kaffeehaus stand in Venedig.

Die ersten Kaffeehäuser in Europa:

  • 1645 in Venedig
  • 1650 in Oxford
  • 1652 in London
  • 1659 in Marseille
  • 1663 in Amsterdam und Den Haag
  • 1672 in Paris
  • 1673 in Bremen
  • 1685 in Wien

Wie kam es zur Entwicklung der Wiener Kaffeehauskultur?

In Österreich kam der Kaffee nicht wie oft angenommen während der Belagerung Wiens durch die Türken ins Land. Die Legenden rund um Georg Franz Kolschitzky, der die Türken überlistet und mit den Kaffeebohnen ersten Handel betrieben haben soll, können nicht historisch belegt werden. Tatsächlich bekam der Armenier Johannes Theodat 1685 die einzige Lizenz des Landes, mit Kaffee handeln zu dürfen und eröffnete das erste Kaffeehaus der Stadt, womit er auf großen Anklang in der Bevölkerung stieß. Der Grundstein der Wiener Kaffeehauskultur war gelegt und florierte seit dem 18. Jahrhundert.

3. Kaffee als Handels- und Luxusgut

Kaffeeplantage
Arbeit auf der Kaffeeplantage.

Mit der Kolonialisierung der Welt setze sich die Erfolgsgeschichte des Kaffees fort. Durch die europäischen Kolonien wurde die Kaffeepflanze an zahlreiche neue Standorte der Erde gebracht, insbesondere in die Tropengebiete, in welchen optimale Bedingungen für den Kaffeeanbau herrschten. Überall als Genussmittel geschätzt, galt die Bohne bald als eines der wichtigsten Handelsgüter. Während die Niederländer die Pflanze in Indonesien großflächig anbauten, gelangte diese durch andere Kolonialmächte wie Frankreich und England auch in die Karibik. Mit der Unabhängigkeit der Amerikaner 1776 wurde die Produktion des Kaffees auch in Mittelamerika und Brasilien eingeführt, das im 19. Jahrhundert bereits die Hälfte des Kaffeebedarfs der Welt abdecken konnte.

Bis heute ist der Anbau von Kaffee sehr aufwendig, weshalb er nach wie vor in vielen Teilen der Erde als Luxusgetränk gilt. Je größer die Plantagen wurden und je mehr die weltweite Industrialisierung voranschritt, desto günstiger konnte der Kaffee in Nordamerika und Europa verkauft werden. Der Anbau war in großen Teilen mit Sklavenarbeit verbunden, die erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts verboten wurde.

Im 19. Jahrhundert wurde die Robusta-Kaffeepflanze entdeckt, welche als koffeinhaltiger und weniger empfindlich als die Arabica-Bohne gilt. Sie wird heute hauptsächlich in Vietnam angebaut.

Bis heute ist der Anbau von Kaffee aufgrund der herrschenden sozialen Bedingungen in den Herkunftsländern und der oftmals mangelnden Nachhaltigkeit der Verarbeitung umstritten.

Wieso gibt es Kaffeeersatz?

Einen wiederholten Anstieg des Kaffeepreises verursachten im 20. Jahrhundert die beiden Weltkriege sowie die Weltwirtschaftskrise. Erneut war Kaffee Mangelware, weshalb in Deutschland der Kaffeeersatz Malzkaffee konsumiert und Kaffee mit hohen Steuern belegt wurde. Erst mit dem Wirtschaftsboom der 1950er Jahre und der Einführung des Kaffeesteuergesetzes wurde Bohnenkaffee wieder für alle erschwinglich. In der DDR herrschte in den 1970er Jahren eine Kaffeekrise, welche ebenfalls den Konsum von Ersatzkaffee förderte.

4. Kaffeekonsum als soziales Phänomen

Während die ersten Kaffeehäuser nur Männern zugänglich waren, entwickelte sich im 18. Jahrhundert die Kultur des Kaffeekränzchens. Zu diesem Anlass wurde das aromatische Heißgetränk mit Kuchen oder Plätzchen serviert. Zusammenkünfte solcher Art boten einen gesellschaftlich anerkannten Rahmen, um sich im Gespräch miteinander auszutauschen. Der Wohlstand, der Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Industrialisierung in Europa und Nordamerika einsetzte, machte Kaffee zum Massengetränk. In den Kaffeehäusern Österreichs und Italiens entstanden zahlreiche neue Kaffeekreationen, oft in Kombination mit Milch, Zucker oder Alkohol. Die Einladung zu Kaffee und Kuchen gilt bis heute als sozial anerkanntes Ritual, insbesondere am Wochenende. Der heutige weltweite Gesamtkonsum des Kultgetränks beträgt in etwa eine Milliarde Tassen Kaffee pro Tag.

Klassisches Kaffeehaus
Ein klassisches Kaffeehaus in der Wiener Innenstadt.

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Redakteur Henk Syring
Redaktionshinweise
Redaktion: Elena Arpogaus

Elena Arpogaus wohnt und arbeitet in Köln. Ihr Studium der Amerikanistik und Geschichte absolvierte sie in München, wo sie auch für verschiedene Redaktionen und PR-Agenturen tätig war. Nach ihrem Masterabschluss zog es sie nach Köln. Seit Juni 2017 ist sie Teil der Online-Redaktion.