Essenziell für den Kaffeegenuss: Der Kaffee-Mahlgrad

Der Mahlgrad gibt Auskunft über die Beschaffenheit Ihres Kaffeepulvers. Wie grob oder fein die Kaffeebohnen gemahlen werden, ist bei der Zubereitung des Heißgetränks von entscheidender Bedeutung.

1. Die Bedeutung des Kaffee-Mahlgrads

Kaffeepulver ist in unterschiedlichen Mahlgraden erhältlich: Die Spanne reicht in der Regel von sehr fein bis grobkörnig. Wenn Sie das Beste aus Ihrem Getränk herausholen möchten, sollten Sie jedoch ganze Kaffeebohnen kaufen und diese bei Bedarf selbst auf die gewünschte Größe zerkleinern – denn sie bewahren das Aroma besser als das Pulver.

Kaffeebohnen und verschiedene Kaffeezubereitungsmethoden
Von der Kaffeebohne bis zur fertigen Kaffeespezialität – der Mahlgrad spielt eine große Rolle auf dem Weg zum perfekten Genuss.

Zudem können Sie so zwischen verschiedenen Zubereitungsarten wechseln, ohne Geschmackseinbußen hinnehmen zu müssen: Welcher Kaffee-Mahlgrad optimal ist, wird nämlich maßgeblich vom jeweiligen Brühverfahren beeinflusst.

Infografik: Der perfekte Kaffeemahlgrad

1.1 Wie wirkt sich der Mahlgrad auf den Geschmack von Kaffee aus?

Der Mahlgrad entscheidet darüber, wie die Reaktion zwischen dem jeweiligen Kaffeepulver und dem (heißen) Wasser ausfällt, bestimmt also den Extraktionsprozess.
Je feiner die Bohnen gemahlen sind, desto mehr Aroma- und Inhaltstoffe löst das Wasser in der vorgesehenen Ziehzeit heraus. Diese ist wiederum abhängig von der Zubereitungsmethode. Während das Aufbrühen mittels French Press etwa vier Minuten dauern sollte, benötigt eine Siebträgermaschine hierfür nur 20 bis 30 Sekunden.

Wird der Kaffee-Mahlgrad nicht auf das gewünschte Verfahren abgestimmt, kann das Getränk unabhängig von der jeweiligen Sorte oder ihrer Qualität als zu stark oder fade empfunden werden:

Überextraktion

Ist der Kaffee zu fein gemahlen für die jeweilige Zubereitungsart, werden zu viele Bitterstoffe und Gerbsäuren aus dem Pulver gelöst. Das kann sich auf den Geschmack und unter Umständen auch auf die Verträglichkeit auswirken.

Über 22 Prozent der Inhaltsstoffe werden freigesetzt.

Unterextraktion

Dagegen schmeckt der Kaffee wässrig, wenn das Pulver für das Brühverfahren zu grob gemahlen wurde und sich in der entsprechenden Zeit zu wenig Aroma- und Inhaltstoffe herauslösen konnten.

Weniger als 18 Prozent der Inhaltsstoffe werden freigesetzt.

1.2 Welcher Mahlgrad ist der richtige für meinen Lieblingskaffee?

Wie beschrieben hängt der ideale Mahlgrad eines Kaffeepulvers von der jeweiligen Zubereitungsmethode ab. Generell gilt: Je länger die Kontaktzeit des Pulvers mit dem heißen Wasser ausfällt, desto gröber sollte es gemahlen sein. Allerdings existieren Ausnahmen zu dieser Regel, beispielsweise beim händischen Aufbrühen des Kaffees oder bei der Verwendung von kaltem Wasser.

Übersicht: Typische Kaffee-Mahlgrade und die dazu passende Zubereitungsart

Sehr feines
Kaffeepulver
Feines
Kaffeepulver
Mittelgrobes
Kaffeepulver
Grobes
Kaffeepulver
  • Für sehr kurze Kontaktzeiten von bis zu 30 Sekunden oder zur Verwendung mit kaltem Wasser geeignet
  • Empfiehlt sich für die Zubereitung mittels Siebträger (zum Beispiel für Espresso) und für türkischen Kaffee*
  • Für kurze Kontaktzeiten von bis zu drei Minuten bei händischer Brühung
  • Empfiehlt sich für die Kaffeezubereitung mittels Handfilter
  • Für kurze bis mittlere Kontaktzeiten von mehreren Minuten
  • Empfiehlt sich für die Zubereitung mittels Filterkaffeemaschine
  • Für Kontaktzeiten von drei bis vier Minuten bei händischer Brühung
  • Empfiehlt sich für die Kaffeezubereitung mittels French Press (= Siebstempelkanne) oder in der Karlsbader Kanne

*Türkischer Kaffee ist ein Sonderfall: Dabei wird das Pulver mit kaltem Wasser übergossen und in einem Kännchen (Ibrik oder Cezve) erhitzt, jedoch nicht zum Kochen gebracht. Dementsprechend ist sehr fein gemahlenes Pulver trotz der relativ langen Ziehzeit die richtige Wahl für Mokka. Mehr Informationen zum Thema „Türkischer Kaffee“ finden Sie hier.

Kaffeevollautomaten verfügen über ein integriertes Mahlwerk: Auf diese Weise werden die Kaffeebohnen immer direkt vor der Zubereitung des Heißgetränks gemahlen – der jeweilige Grad der Zerkleinerung wird in der Regel vom Benutzer eingestellt.

Kann der falsche Mahlgrad daran schuld sein, dass mein Kaffee bitter schmeckt?

Ja, falls Ihr Kaffee bitter, säuerlich oder zu stark schmeckt, liegt möglicherweise eine Überextraktion vor, bei der zu viele Inhalts- und Aromastoffe herausgelöst wurden. Das kann zum Beispiel passieren, wenn Sie sehr fein gemahlenes Pulver in einer French Press benutzen, aber auch bei zu hohen Temperaturen oder einer langen Ziehzeit des Heißgetränks.

2. Allgemeine Tipps und Tricks für das Mahlen von Kaffeebohnen

  • Entscheiden Sie sich immer vor dem Mahlen dafür, welche Zubereitungsmethode Sie verwenden möchten: Der falsche Kaffee-Mahlgrad kann zur Über- oder Unterextraktion führen und sich negativ auf Geschmack und/oder Verträglichkeit auswirken.
  • Mahlen Sie die Bohnen immer erst kurz vor dem Aufbrühen des Kaffees. So bleiben die Aromen am besten erhalten und Ihr Heißgetränk wird besonders schmackhaft. Kaffeemühlen mit Scheiben- und Kegelmahlwerk gelten als besonders schonend.
  • Kaffeebohnen in verschiedenen Röstungsgraden
    Je dunkler (= stärker) die Röstung von Kaffeebohnen ausfällt, desto gröber sollten sie gemahlen werden. Andernfalls könnten sich zu viele Bitterstoffe und Gerbsäuren lösen.
  • Scheuen Sie sich nicht davor, ein wenig zu experimentieren: Der Kaffee-Mahlgrad hilft Ihnen zwar als Richtwert, doch auch Qualität und Temperatur des Wassers sowie die jeweilige Sorte können den Geschmack Ihres Getränks beeinflussen.
  • Berücksichtigen Sie immer Ihre eigenen Vorlieben – wenn Sie beispielsweise empfindlich auf Bitterstoffe reagieren, lohnt es sich vielleicht, die Kaffeebohnen weniger fein zu mahlen beziehungsweise Kaffeepulver mit einem gröberen Mahlgrad zu wählen.

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Redakteurin Julia Goetzl
Redaktionshinweise
Redaktion: Julia Götzl

Julia Götzl arbeitete während ihres Master-Studiums der Germanistik als freie Texterin für eine Tageszeitung. Danach wagte sie – noch in Düsseldorf – einen kurzen Ausblick in die Literaturvermittlung. Seit dem Ende ihres Volontariats ist sie fester Teil der Online-Redaktion.