Die positiven Auswirkungen des Stillens bei Mutter und Kind

Stillen

Die Stillbeziehung lebt vor allem von einem harmonischen Miteinander von Mutter und Kind. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfiehlt das ausschließliche Stillen bis zum vollendeten sechsten Lebensmonat des Babys. Empfohlen wird das Stillen bis zum 2. Geburtstag; wobei dieses Datum nicht als Maximalstilldauer zu sehen ist. Mütter sollten stillen, solange sich alle Beteiligten wohl in ihrer Rolle fühlen. Das weltweit durchschnittliche Abstillalter liegt bei vier Jahren.

Dass Muttermilch viele Vorteile hat, ist nicht nur hinsichtlich einer adäquaten Ernährung unumstritten. Beim Stillen werden die Hormone Prolaktin und Oxytocin im Körper der Mutter ausgeschüttet, die sich nach der Geburt positiv auf die Regeneration des Körpers auswirken. Oxytocin beeinflusst die Rückbildung der Gebärmutter, die sich schneller und kräftiger wieder zusammenführen kann. Auf diese Weise werden die Blutgefäße in diesem Organ schneller verschlossen, sodass die Blutung der Plazentawunde in der Gebärmutter schneller abgeschlossen werden kann. Stillende Mütter leiden aus diesem Grund weit weniger häufig unter einer nachgeburtlichen Blutanämie als Mütter, die eine Flasche geben. Durch das regelmäßig beim Stillen angeregte Zusammenziehen der Gebärmutter entstehen zudem weit weniger Stauungen des Wochenflusses. Die positiven Langzeitwirkungen des Stillens sind mittlerweile auch für die weitaus geringere Anfälligkeit für Eierstock- und Brustkrebs und für Diabetes und Osteoporose nachgewiesen.

Stillen macht Mütter zur Löwin

Neben den physischen Auswirkungen des Stillens spielt vor allem aber die Beeinflussung der Psyche von Mutter und Kind eine Rolle. Die sprichwörtliche Löwenmutter, die ihr Kind furchtlos verteidigt, steckt in jedem Säugetier - wie Forscher inzwischen nachgewiesen haben auch im Menschen. Das Schlüsselhormon für diesen Mechanismus ist das Oxytocin, das eine grundlegende Relaxiertheit der stillenden Mutter bewirkt. Dieses niedrige Stressniveau führt zu einer gewissen Furchtlosigkeit und Aggressivität, welche die Natur den Müttern als Schutzprogramm mitgegeben hat: Wird das Kind bedroht, ist eine gesteigerte Aggressivität ohne Furcht die effektivste Verteidigung.

Was sich in diesem Mechanismus auch zeigt, ist der durch das Stillen gewonnene Puffer gegen Stress: Oxytocin bewirkt, dass Mütter stressresistenter sind, da das Stresshormon Cortisol bei seiner Ausschüttung gesenkt wird. Notwendig ist das besonders, um die anstrengenden Nächte mit einem Baby zu bewältigen und dabei den regulären Alltag ebenfalls nicht komplett zu vernachlässigen. Studien haben bewiesen, dass stillende Mütter mit Schlafmangel, einem schreienden Kind und dem einnehmenden Bedürfnis souveräner umgehen als Mütter von Flaschenkindern. Eine Rolle spielt dabei auch die Freigabe des Hormons Prolaktin. Je höher der Spiegel an Prolaktin im Körper der Mutter ist, umso geringer ist das individuelle Schlafbedürfnis. Das bedeutet konkret, dass stillende Mütter unter Schlafentzug weit weniger leiden als Mütter, die ihrem Baby eine Flasche geben, sie fühlen sich seltener ausgelaugt und sind insgesamt geduldiger.

Bereits direkt nach der Geburt beginnt mithilfe des Stillens der positive psychologische Effekt auf die Mutter: Das Neugeborene wird von der Geburt von der Brustwarze nahezu magisch angezogen und beginnt sofort zu saugen. Diesen Mechanismus sollten sich Mütter unbedingt zunutze machen, indem das Kind sofort nach Geburt auf den Bauch der Mutter gelegt wird, damit es sich seinen Weg suchen kann. Die körpereigenen Pheromone lenken das Kind zur Brustwarze, die es riechen kann. Neben Lockstoffen ist auch hier das Oxytocin wegweisend; es wird immer dann ausgeschüttet, wenn das Kind weint, die Mutter berührt oder auch nur Blickkontakt besteht. Nicht umsonst wird dieser Botenstoff auch als Bindungshormon bezeichnet. In der ersten Stunde nach der Geburt ist der Oxytocinspiegel bei der Mutter besonders hoch. Das Gemisch aus Geruch, Hautkontakt, Blicken und Lautäußerungen bewirkt in Kombination mit dem auch als Liebeshormon bezeichneten Botenstoff, dass sich Mutter und Kind regelrecht ineinander verlieben können, was die Basis für eine intensive Beziehung legt.

Das erste Stillen nach Geburt hat besonders beruhigende Auswirkungen auf die Psyche der Mutter: Es zeigt, dass alles funktioniert und es dem Kind dabei gut geht. Mütter fühlen sich dadurch kompetenter und sind es durch dieses ureigene Selbstvertrauen tatsächlich.

Stillen und die psychischen Auswirkungen auf das Kind

Auch das Baby selbst produziert Oxytocin; es wird immer nach dem Stillen beim Kind ausgeschüttet und bewirkt, dass dieses eine innere Zufriedenheit erfährt. Dies erklärt auch, warum viele Babys beim Stillen einschlafen.

Neben der beruhigenden Funktion des Stillens auf das Wesen des Kindes haben Forscher inzwischen eine besonders interessante Auswirkung dieser natürlichen Ernährungsform des Babys nachgewiesen: Studien zufolge verbessert Stillen die intellektuelle Entwicklung des Kindes. Wichtig ist dafür jedoch, dass das Baby nach Bedarf gestillt wird, also dass es jederzeit freien Zugang zur Brust hat. Sind diese Voraussetzungen gegeben, so ist der durchschnittliche IQ der nach Bedarf gestillten Babys um 5 Punkte höher als die vergleichbarer Kinder.

Eine Erklärung für diesen Zuwachs an Intelligenz erklärt sich in der vermehrten Zuwendung der Mutter zum Kind: Es bekommt immer dann Hingabe, wenn es danach fordert. Psychologen haben nachgewiesen, dass dies das Selbstwertgefühl des Kindes steigert, so wären gestillte Kinder auch in späteren Jahren selbstbewusster und oft auch selbstständiger.

Stillen schenkt dem Kind Sicherheit und Geborgenheit. Vor allem durch das Zusammenspiel von Mutters Geruch, Ihrer Stimme und der Milch können gestillte Säuglinge Ihr Urvertrauen voll entfalten. Zudem werden alle Sinne beansprucht, das Baby kann noch einmal die Einheit mit der Mutter erfahren, mit der es im Bauch über viele Monate hinweg vertraut war.

Top Kategorien im real Onlineshop