Stillen in den ersten Monaten bis zur Beikosteinführung

Stillen in den ersten Monaten bis zur Beikosteinführung

Unmittelbar nach der Geburt werden 90 Prozent aller Babys in Deutschland gestillt. Der durchschnittliche Zeitpunkt des Abstillens ist nach dem vierten Lebensmonat des Babys, obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Vollstillen während der ersten sechs Lebensmonate empfiehlt. Warum so viele Mütter nach vier Monaten abstillen, erklärt sich vor allem mit dem Beginn des Zufütterns von Beikost. Der Begriff „Beikost“ wird in den meisten Ernährungsplänen für das Baby ab dem 4. Monat nicht im eigentlichen Wortsinn verwendet, denn statt einer zusätzlichen Kost, die dem Baby zusätzlich zur bisherigen Milchnahrung angeboten wird, handelt es sich in diesen Plänen um vollwertige Mahlzeiten, die das Stillen ablösen.

Das wichtigste Nahrungsmittel im ersten Lebensjahr des Babys ist Muttermilch. Im ersten halben Jahr sollte das Baby ausschließlich gestillt werden. Auch eine Zugabe von Tee oder Wasser ist nicht nötig, selbst an sehr heißen Sommertagen nicht. Die Babys können Ihren Bedarf selbst regeln. Die Voraussetzung dafür ist, dass Sie angelegt werden, so oft sie das möchten und signalisieren. Es ist durchaus normal, dass ein Baby phasenweise stündlich trinken will. Sie sollten beim Stillen weder auf die Uhr schauen noch Hilfsmittel wie etwa Stilluhren verwenden.

Mit etwa einem halben Jahr oder später entwickeln Babys zunehmend Interesse an anderen Lebensmitteln, aber nicht, um ihren Hunger zu stillen. Vielmehr geht es um das Erkunden dieser Dinge, die im Leben der Eltern eine Rolle spielen: Ihr Kind beobachtet Sie beim Essen und möchte das nachahmen und mit dem Mund erkunden, was es für Dinge sind, denen Sie so viel Aufmerksamkeit schenken. Sie können diesem Interesse gerecht werden, indem Sie Ihr Kind am Tisch mitessen lassen. Sie müssen keinen Brei kochen, sondern stellen weiche Stückchen für das Kind bereit. Auf diese Weise wird keine Mahlzeit ersetzt, sondern der Essensplan des Kindes erweitert. Die neuen Nahrungsmittel werden beiläufig zur übrigen Kost, der Milchnahrung, aufgenommen.

Langzeitstillen und die Vorbehalte

Wird ein Kind noch nach dem sechsten Monat, spätestens dem ersten Lebensjahr gestillt, so ist das nicht mehr gesellschaftlich konform. Aufgrund der durchschnittlichen Stilldauer von vier Monaten ist das Bild einer stillenden Mutter mit einem älteren Baby ungewöhnlich. Langzeitstillende sind sich dieser Situation gewahr und vermeiden häufig das Stillen in der Öffentlichkeit.

Kinder, die nach Bedarf gestillt werden und denen nach Ihrem Tempo Beikost zugeführt wird, beginnen häufig erst im zweiten Lebensjahr nach und nach größere Mengen zu essen. Viele Zahnärzte warnen vor einem Langzeitstillen, da sie einen Zusammenhang zwischen Karies und Stillen sehen. Tatsächlich enthält Muttermilch, Milchsäure und Milchzucker, was bei Dauernuckeln zu einer Beschädigung des Zahnschmelzes und zu Karies führen kann. Muttermilch enthält allerdings weniger Zucker als beispielsweise eine 2er-Folgemilch, in der auch künstlicher Kristallzucker beigemengt wird. Stillen ist aus diesem Grund nicht ungesünder für die Zähne als eine aus der Flasche getrunkene Babymilch. Sowohl das Stillen als auch jede andere Ernährungsform muss von einer ausreichenden Mundhygiene mit gründlichem Zähneputzen begleitet werden, um Karies wirkungsvoll zu verhindern.

Die Vorteile des langen Stillens

Muttermilch enthält Antikörper, Enzyme und Abwehrzellen. Diese sind nicht nur, wie oft betont wird, in den ersten sechs Lebenswochen des Babys relevant. Nachweislich sind diese besonders für allergiebedrohte Kinder wichtig und das bis mindestens zum zweiten Lebensjahr oder über diesen Zeitraum hinaus. Die WHO empfiehlt, Kinder mit genetisch bedingtem Allergierisiko zwei Jahre oder länger zu stillen. Auch das Risiko für Asthma und Übergewicht kann durch ein Langzeitstillen nachweislich gesenkt werden. Aktuelle Studien untersuchen einen vermuteten Zusammenhang zwischen dem geringeren Risiko für Darmerkrankungen und einige Krebsformen und einer langen Stillzeit.

Die Muttermilch enthält wertvolles Eiweiß, das nicht durch eine andere Milch ersetzt werden kann. Besonders bei Kuhmilch ist der Eiweißanteil sehr hoch und belastet die kindlichen Nieren. Wird das Eiweiß aufgespalten, um es verträglicher zu machen, so wie dies in künstlichen Säuglingsnahrungen der Fall ist, werden dabei auch wichtige Enzyme zerstört.

Ein entscheidender Vorteil des Langzeitstillens ist zudem, dass das Kind auf diese Weise nachts schnell wieder einschläft und auch bei kleinen Unfällen leicht zu trösten ist.

Bei Naturvölkern liegt das Abstillalter im Durchschnitt bei drei Jahren. Anthropologen gehen davon aus, dass das natürliche Abstillalter der Menschenkinder unter natürlichen Bedingungen, ohne heutige Einflussfaktoren wie beispielsweise Arbeit, Rolle der Frau und Industrie, bei etwa sechs Jahren liegt. Dies würde auch erklären, warum genau zu diesem Zeitpunkt ein Zahnwechsel ansteht.

Bei der Frage nach der Stillzeit sollte als Anhaltspunkt gelten, dass die Stillbeziehung harmonisch sein muss und beide Stillpartner sich wohlfühlen. Die meisten Kinder stillen sich aus eigenem Antrieb im Alter zwischen zwei und vier Jahren ab.

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