Wenn Kinder stottern

Silben werden wiederholt, einzelne Wörter nicht herausgebracht und Sätze nur mit Mühe zu Ende gebracht; wenn ein Kind stottert, ist der Schrecken zunächst auch für die Eltern groß. Was viele Betroffene nicht wissen: In den meisten Fällen vergeht das Stottern ganz von allein wieder. Viele Kinder im Kindergarten- und Vorschulalter zeigen in Ihrem Sprachverhalten Ansätze von Stottern. Dazu gehören zum Beispiel - die Wiederholung einzelner Laute („i-i-i-ch“), Silben („spie-spie-spielen“) oder Wörter („ich - ich - ich will“), - das Dehnen einzelner Laute innerhalb eines Wortes („wooooooooo ist der Ball?“), - das stumme Pressen von Lauten („m—————ein Ball ist rot“), - der Abbruch von Sätzen, - das Mitgehen mit dem Körper oder der Mimik beim Sprechen, - das Vermeiden bestimmter Laute, Silben oder Wörter, die Schwierigkeiten bei der Aussprache bereiten, - angestrengtes Sprechen, - die Veränderung der Sprache hin zu Sprechweisen, bei denen das Stottern seltener auftritt, zum Beispiel beim Singen und Flüstern. Das Stottern und die Intensität des Stotterns kann durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst werden. So kann es sein, dass ein Kind, das besonders aufgeregt ist, weil es sich freut oder wütend ist, mehr stottert als sonst, oder dass es je nach Gesprächspartner oder Tageszeit mehr oder weniger stottert.

Stottern ist ein häufiges Phänomen

Viele Kinder stottern im Laufe ihrer sprachlichen Entwicklung, die weitaus meisten davon zwischen dem zweiten und dem sechsten Lebensjahr. Das Stottern kann sich langsam ankündigen, aber auch von einem Tag auf den anderen plötzlich auftreten. Bei den meisten Kindern verlieren sich diese Unregelmäßigkeiten wieder. Jungen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Mädchen. Warum ein Kind stottert und das andere nicht, haben Wissenschaftler noch nicht restlos aufklären können. Zu den möglichen Ursachen zählen genetische Veranlagung, posttraumatische Reaktionen, wie sie beispielsweise durch einen Unfall ausgelöst werden, die Geschwindigkeit des Spracherwerbs und nicht zuletzt auch die Angst davor, zu stottern selbst. Grundlegend psychische Ursachen hat das Stottern nicht. Und ganz bestimmt liegt es nicht daran, dass ein Kind einfach zu faul ist, „ordentlich zu sprechen“. Oft ist das Stottern auf die Sprachentwicklung zurückzuführen. Kinder müssen die Koordination von Gedanken und Sprache erst erlernen. So kommt es vor, dass das Kind etwas erzählen möchte, ihm fällt jedoch das richtige Wort nicht ein und es kommt zu einer Störung des Sprachflusses. Oder der Sprechapparat kann mit dem Mitteilungsbedürfnis des Kindes nicht mithalten. Das Kind will so viel auf einmal sagen, dass einige Wörter oder ganze Satzteile auf der Strecke bleiben.

Nicht unter Druck setzen

Die Eltern sollten ein stotterndes Kind nicht unter Druck setzen. Je krampfhafter das Kind versucht, flüssig zu sprechen, desto schwieriger wird es, das Stottern abzulegen. Das Kind sollte die Zeit bekommen, die es braucht. Kinder sollten auch weiterhin ermutigt werden, zu sprechen – durch Zuwendung, Aufmerksamkeit und Fragen. Und natürlich sollten Eltern dabei immer ein gutes Vorbild sein und langsam und deutlich sprechen, statt hektisch oder unnatürlich deutlich. Indem Eltern gut zuhören und auf die Inhalte des Erzählten achten, statt darauf, wie diese erzählt werden, nehmen sie den Druck aus der Sprechsituation. Wenn es Situationen gibt, in denen das Kind weniger stottert als in anderen, sollten solche „stotterfreien“ Gelegenheiten möglichst häufig herbeigeführt werden. Denn je weniger das Kind stottert, desto mehr Spaß hat es am Sprechen. Es verliert seine Angst und gewinnt mehr Selbstvertrauen. Mit gut gemeinten Tipps wie „Sprich langsamer“, „Bleib ruhig“, „Konzentriere Dich“ oder „Das kannst Du doch besser“ sollten Eltern sich eher zurückhalten. Durch solche Ratschläge und versteckten Vorwürfe wird das Stottern oft noch verstärkt, weil sich das Kind darauf konzentriert, richtig zu sprechen, dadurch nervös wird und noch mehr stottert. Man sollte auch nicht der Versuchung nachgeben, das gestotterte Wort auszusprechen, zu korrigieren oder den gestotterten Satz selbst zu Ende zu führen.

Therapie von Sprachstörungen

Die meisten Kinder stottern nur zeitweise. Wenn Eltern ruhig und gelassen bleiben, verschwinden die Sprachstörungen dann innerhalb von ein bis zwei Jahren von selbst wieder. Um sicher zu gehen, dass die Sprachentwicklung des Kindes normal verläuft, ist ein Gespräch mit dem Kinderarzt oder ein Termin bei einem Logopäden sinnvoll. Hier kann in der Regel schnell geklärt werden, ob das Stottern behandlungsbedürftig ist oder nicht. In jedem Fall erhalten Eltern eine umfassende Beratung und Tipps dazu, wie sie mit dem Stottern umgehen können. Falls die Befürchtung besteht, dass die Sprachstörungen dauerhaft anhalten, hilft eine Sprachtherapie. Auf spielerische Weise wird mit Sprechübungen und Gesang die Angst vor dem Sprechen genommen und das flüssige Sprechen trainiert. Außerdem erfahren die Eltern im Gespräch mit dem Therapeuten, wie sie ihr Kind und die Therapie gezielt zu Hause weiter unterstützen können.

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