Wenn Kinder lesen lernen: Leselust beginnt im Elternhaus

Bücher eröffnen Kindern eine völlig neue Welt. Die kleinen Leseratten schlüpfen in unterschiedliche Charaktere, erleben fantastische, spannende, lustige oder traurige Geschichten und erweitern ihr Wissen. Doch bevor Kinder flüssig lesen können, durchlaufen sie beim Lesenlernen viele Phasen. Mit Geduld und Verständnis können Eltern ihre Kinder beim Lesen unterstützen. Der Schritt vom aktiven Wahrnehmen eines Buchstabens bis zum flüssigen Lesen einer Geschichte dauert circa zwei Jahre. Über die Verknüpfung von Buchstaben und Lauten werden Kinder nach und nach mit der geschriebenen Sprache vertraut.

Hören – sehen – begreifen

Zunächst müssen den Schriftzeichen Laute zugeordnet werden. Dies ist ein äußerst wichtiger Schritt. Indem es ein Grundverständnis für die Funktionsweise von Sprache erwirbt und sich deren Gesetzmäßigkeiten ableitet, erschließt sich dem Kind nach und nach die Bedeutung von Silben und ganzen Wörtern. Beim stillen Lesen „hören“ Kinder das Gelesene und vergleichen es mit bereits Gelerntem. Auf diese Weise prägen sich Wortbilder ein. Indem sie Strukturen durchschauen und beginnen, einen Sinn in den zusammenhängenden Wörtern zu erkennen, lernen Kinder lesen.

Ein großer Wortschatz hilft Kindern beim Lesenlernen

Um neu Erlerntes zu überprüfen und zu verstehen, greifen Leseanfänger auf eigene sprachliche Erfahrungen zurück. Je eher die Weichen für ein gutes Sprachverständnis gestellt werden, desto leichter lernen Kinder lesen. Spielerisches Erlernen mit Wortschatzspielen wie Memory, Montagsmaler und Wortfeld-Übungen macht bereits im Vorschulalter Spaß. Ist das Sprachverständnis bereits gut ausgebildet, bevor die Kinder lesen lernen, bereitet ihnen das Entschlüsseln der Worte und des Sinns weniger Kopfzerbrechen. Das Gelesene setzt sich tief im Inneren fest und das Kind ist in der Lage, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Damit ist der Lernprozess abgeschlossen. Umgekehrt weckt Lesekompetenz, eine der wichtigsten Fähigkeiten im täglichen Leben, das Verständnis für Sprache und erweitert ihrerseits den Wortschatz.

Mit geeigneten Methoden können Sie Ihre Kinder beim Lesenlernen unterstützen. Hier sollte das Hauptaugenmerk auf die Steigerung der Motivation gelegt und das Interesse am Inhalt der Geschichte geweckt werden. Gespräche über den Text und Lob auch bei kleinen Erfolgen in den Übungsphasen regen zusätzlich an. Ist die Neugier auf Bücher einmal geweckt, lernen Kinder lesen – auf spielerische Weise.

  • Tägliches Lesen: Kontinuierliches Lernen erreicht man vor allem durch regelmäßige Übungseinheiten. Vorlesen aus kindgerechten Büchern stärkt nicht nur die Eltern-Kind-Beziehung, es weckt auch die Begeisterung für Texte. Zusammen mit den Eltern erleben Kinder Lesen als eine Auszeit vom Alltagsgeschehen. Wer ohne Stress an die Sache geht und das Kind bestimmen lässt, wie lange es liest, wird große Erfolge beobachten können. Mit der Zeit trauen sich Kinder beim Lesen immer mehr zu.
  • Die ganze Familie einbeziehen: Allein, unter Zwang macht Kindern lesen keinen Spaß. Mit einer gemütlich eingerichteten Leseecke, Keksen und Tee wird das Schmökern zum Familienerlebnis. Lassen Sie Ihr Kind das Buch aussuchen und lesen Sie mit verteilten Rollen – so wächst die Liebe der Kinder zum Lesen von ganz allein.
  • Die Welt erklären: Überall findet man Wörter: Werbesprüche auf Bussen, Artikel in der Zeitung, Inhaltsangaben auf Verpackungen und Beschreibungen im Zoo. Entdecken Sie mit Ihrem Kind Buchstaben. Lesen Sie ihm alles vor, was es interessiert. Betrachten Sie die Welt durch seine Augen und teilen Sie Ihre Erfahrungen mit.
  • Den Faden aufnehmen: Zeigen Sie Ihrem Kind: Lesen macht die Realität bunter. Denn jedes Buch ist der Einstieg zu einem neuen Wissensfeld. Greifen Sie das Thema auf und vertiefen Sie das Gelesene. Ihr Kind liest ein Ritterbuch? Das Kinderzimmer in eine Ritterburg umfunktionieren, gemeinsam eine Ausrüstung für Burgfräulein und Ritter basteln und anschließend eine kleine Aufführung planen – so wird die Geschichte weiter vertieft.
  • Bücher schenken: Egal ob Nichtleser, Gelegenheitsleser oder Vielleser. Bücher funktionieren bei jedem. Nicht immer wird das Geschenk mit Jubel begrüßt, doch früher oder später wird das Kind sich damit beschäftigen und schöne Geschichten entdecken.
  • Nach Büchern stöbern: Unerforschter Lesestoff muss entdeckt werden. Kinder lesen gerne über Themen, die sie etwas angehen. Stöbern Sie in Auslagen von Buchhandlungen, Büchereien oder auf dem Flohmarkt. Ermutigen Sie Ihr Kind, den Opa oder die Freundin nach einer spannenden Geschichte zu fragen. Je mehr über Bücher geredet wird, desto interessanter werden sie.

Beeinträchtigungen im Lernprozess

Einige Leseanfänger brauchen länger als ihre gleichaltrigen Freunde, bis sie flüssig lesen können. Die Lektüre der Kinder wird dann zum mühevollen Erraten von Wörtern und Sätzen. Meist geschieht dies, wenn der Abgleich zwischen Wort und Klang und dessen Bedeutung nicht deutlich wird. Die Kinder lesen, ohne den Sinn des Textes zu verstehen und haben deshalb keine Freude an der Lektüre. Bleiben die Inhalte über längere Zeit weitgehend bedeutungslos und das Kind quält sich mit den Texten, schwindet die Motivation. Vor allem der Vergleich mit Gleichaltrigen, die mühelos den Sinn von Texten aufnehmen, kann bei Kindern zu Leseunlust und -verweigerung führen. Um den Antrieb leseschwacher Kinder zu stärken, sollten sich Eltern viel Zeit nehmen und den Tipps zur Leseförderung folgen.

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