Verwöhnen – aber in Maßen

Mit dem Wort „Verwöhnen“ ist es eine seltsame Sache: Alle Eltern möchten für ihre Kinder nur das Beste. Aber verwöhnte Kinder möchte keiner haben. Wo verläuft also die Grenze dazwischen, Kinder zu verwöhnen und verwöhnten Kindern? Ein Kind braucht ungewöhnlich lange, um die Schnürsenkel seiner Schuhe zuzubinden, obwohl dies mittlerweile längst funktioniert hat und schaut seine Eltern dabei bittend an. Das Gleiche mit dem Reißverschluss der Jacke. Viele Eltern warten dann nicht lange, binden die Schuhe oder ziehen den Reißverschluss zu, ganz einfach, weil es schneller geht, Quengeleien vermieden werden können und weil man meint, dem Kind damit zu helfen.  Jeder mag es, verwöhnt zu werden. Auch Kinder nehmen das gerne an. Und Eltern freuen sich, wenn ihre Kinder glücklich sind.

Verwöhnen hat viele Gesichter

Doch zum Verwöhnen gehört mehr, als nur kleine Handreichungen. Es gehört auch dazu, so gut wie alle materiellen Wünsche der Kinder zu erfüllen, ihnen jedes Spielzeug zu kaufen, das sie sich wünschen und immer eine Süßigkeit vorrätig zu haben oder zu kaufen, wenn die Kinder Lust darauf haben. Auch wer einerseits feste Regeln aufstellt und andererseits ständig ein Auge zudrückt, wenn diese übertreten werden, übertreibt es mit dem Verwöhnen. Und Eltern, die immer wieder die Spielzeugkiste einräumen, obwohl das Kind seinen Teil des Aufräumens leicht selbst erledigen könnte, verwöhnen vielleicht zu sehr. Das Resultat ist, dass sich Kinder mit der Zeit daran gewöhnen. Sie bekommen die Sicherheit, dass die Eltern zur Not (und auch gerne) alles für sie übernehmen. Warum sollte ein Kind da noch selbst aktiv werden wollen? Es ist ja so bequem, verwöhnt zu werden. Der Satz „ich helfe Dir“, den Eltern oft aussprechen, mag von Herzen kommen – aber er kann auch in die falsche Richtung führen. Denn die gewünschte Selbstständigkeit des Kindes bleibt dabei außen vor.

Zu viel Verwöhnen kann zu Problemen führen

Wenn die Eltern immer alle Hindernisse aus dem Weg räumen, ohne dass das Kind die Gelegenheit bekommt, auch einmal etwas selbst in die Hand zu nehmen, wird es unter Umständen in der Zukunft Schwierigkeiten bekommen – auch als Erwachsener. Es gewinnt kein Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, lernt die eigenen Stärken nicht kennen und hat keine Erfolgserlebnisse. Es verliert schneller die Lust daran, selbst Dinge auszuprobieren und zu einem zufriedenstellenden Ende zu führen. Ein Nebeneffekt davon ist, dass sie auch nicht weiter beibehalten, was sie eigentlich schon können, zum Beispiel das Zubinden der eigenen Schuhe. Sie übernehmen nicht gerne Aufgaben, da sie ja wissen: wenn ich keine Lust mehr dazu habe, erledigt sich ohnehin alles von selbst, die Eltern kümmern sich schon darum. Nicht zuletzt fühlt sich ein Kind nicht ernstgenommen, wenn ihm alles abgenommen wird. In dem Augenblick beispielsweise, indem sich ein Kind die Schnürsenkel selbst zubindet, erfüllt es eine wichtige Aufgabe. Und wenn das am Anfang vielleicht noch etwas Zeit braucht, weil die Schlaufen nicht so wollen wie sie sollen und die Eltern übernehmen dann diese Aufgabe, fehlt die Gelegenheit und auch der Ansporn, selbst besser zu werden. Wer seine Kinder immer verwöhnt, läuft Gefahr, sich für sie unentbehrlich zu machen. Und unter Umständen hält dieses Gefühl auch noch an, wenn später die „Kleinen“ längst aus dem Haus sind. All das bedeutet natürlich nicht, dass Eltern ihre Kinder überhaupt nicht verwöhnen dürfen. Verwöhnen gibt den Verwöhnten wie den Verwöhnenden ein gutes Gefühl, es ist ein starkes Zeichen, dass Eltern für ihr Kind da sind. Aber man sollte es eben auch nicht übertreiben. Umso mehr erfahren Kinder, was sie selbst schon zu leisten imstande sind. Und sie lernen, dass man nicht immer alles haben kann, und das wird sie für ihr zukünftiges Leben stärken.

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