Ticks bei Kindern

Ticks bei Kindern

In der Bundesrepublik Deutschland leiden rund 2,5 Millionen Menschen an einer Tickstörung. Insbesondere Kinder und Jugendliche sind von Ticks betroffen. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie fand heraus, dass zwölf Prozent der Kinder im Grundschulalter diese Störungen aufweisen. Insgesamt kämpft jedes achte bis zehnte Kind mit Ticks. Die Symptomatik bei Kindern mit Ticks variiert. Manche Störungen äußern sich durch Augenzwinkern oder lautstarke verbale Ausdrücke, andere gehen mit einer Erkrankung wie dem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) einher. Die Ticks stellen keine Gefahr für das Kind dar, auch Intelligenz und Leistungsfähigkeit werden durch den Tick nicht verringert. Reaktionsvermögen, Auffassungsgabe, mathematisches Verständnis und Langzeitgedächtnis sind bei Kindern mit Ticks oft sogar besonders stark ausgeprägt.

Ticks bei Kindern können vom späten Kleinkindalter an bis zur Pubertät auftreten. Mediziner differenzieren zwischen einem chronischen und einem vorübergehenden Tick. Die temporäre Variante, unter der fast 70 Prozent der Betroffenen leiden, verschwindet in der Regel auch ohne ärztliche Behandlung innerhalb weniger Monate wieder. Die chronische Ausprägung hält länger als ein Jahr an. Es empfiehlt sich also ein Gang zum Kinderarzt, wenn Ihr Kind schon länger als zwölf Monate unter einer bestimmten Tickstörung leidet. Chronische Ticks bei Kindern lassen sich mit speziellen Therapien gut in den Griff bekommen.

Was verstehen Mediziner unter einer Tickstörung?

Eine Tickstörung bei Kindern äußert sich in spontan auftretenden und unbeabsichtigten Bewegungsabläufen. Ein Tick kann auch in Form einer lautstarken Äußerung auftreten. Mediziner unterscheiden zwischen einer motorischen und einer vokalen Störung. Augenblinzeln, zwanghaftes Husten oder gar Bellen zählen ebenso zu den motorischen Ticks wie plötzliches, wiederholtes Schenkelklopfen oder In-die-Luft-Schlagen. Bei lautem, spontanem Grölen oder dem Brüllen obszöner Worte oder Sätze handelt es sich um vokale Ticks. Ticks bei Kindern können allerdings auch aus einer Kombination beider Symptomatiken bestehen. Ticks bei Kindern kommen besonders häufig in stressigen Situationen zum Vorschein. Auch bei überschwänglicher Freude oder Verärgerung treten die Störungen verstärkt auf. Einige Betroffene versuchen, die Störung zu unterdrücken. Manchen gelingt das für eine kurze Zeit. Allerdings äußern sich die Störungen im Anschluss noch heftiger. Die Kinder empfinden die Ticks dann als besonders erlösend und entspannend.

Anzeichen für eine mögliche Störung kann besonders häufiges Augenzwinkern oder Mundzucken sein. Aber auch bestimmte, ruckartige Bewegungen in wiederkehrenden Situationen können ein Indiz für einen Tick bei einem Kind sein. Manche Kinder schreien unvermittelt ungewohnte, laute Äußerungen und Schimpfworte, die vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen sind. Die Nachahmung von Tiergeräuschen oder geräuschvolles Räuspern können ebenfalls Ausdruck eines Ticks sein. Die Ursache solcher Störungen ist nicht klar. Die meisten Mediziner gehen davon aus, dass die Ursache der Ticks im menschlichen Gehirn zu suchen ist. Manche Experten halten auch eine genetische Veranlagung für denkbar, da Tickstörungen häufig mehrfach innerhalb einer Familie auftreten.

Welche Behandlungsmöglichkeiten haben Eltern und wie können sie ihrem Kind helfen?

Bei der Therapie von chronischen Tickstörungen werden oft verschiedene Therapieansätze kombiniert. Die Kinder lernen, wie sie sich entspannen können, um die Störungen zu verringern, und sie lernen, die krampfartigen Bewegungen und willkürlichen Ausdrücke so gut es geht zu kontrollieren.

Bei schwerwiegenden Tickstörungen kann eine Behandlung mit speziellen Medikamenten die Symptomatik abschwächen. So kommen beispielsweise Neuroleptika zum Einsatz, die auch bei der Therapie von Schizophrenie angewandt werden. In Ausnahmefällen verschreiben Ärzte Antidepressiva. Eltern müssen sich darüber bewusst sein, dass Kinder die Ticks nicht willentlich ausführen und Ermahnungen somit zwecklos sind. Mütter und Väter sollten ihrem Nachwuchs stattdessen das Gefühl geben, dass sie ihn lieb haben. Am besten ist es, den Ticks von Kindern möglichst wenig Aufmerksamkeit zu schenken. Helfen Sie Ihrem Kind in intensiven Gesprächen dabei, Hänseleien, die es vielleicht aufgrund seines Ticks im Kindergarten oder der Schule erlebt hat, zu verarbeiten. Durch ein Gespräch mit den Eltern der anderen Kinder können Sie Hänseleien vorbeugen oder sie aus der Welt schaffen.