Taschengeld – ein erster Schritt in die (finanzielle) Eigenständigkeit

Das Thema Taschengeld ist in vielen Familien Anlass für intensive Diskussionen. Kinder und Jugendliche haben oftmals das Gefühl, zu wenig eigenes Geld zur Verfügung zu haben. Dagegen besteht bei Eltern Unsicherheit bezogen auf die Finanzerziehung: Ab welchem Alter sollte man seinem Kind eigenes Geld zuteilen? Welcher Betrag ist angemessen? Gibt es Regeln bei der Auszahlung? Grundsätzlich besteht laut Gesetzgeber keine rechtliche Verpflichtung, Taschengeld zu zahlen. Wer sein Kind jedoch zum verantwortungsvollen Umgang mit Geld erziehen möchte, sollte schon früh ein kleines Budget zur Verfügung stellen, das nach eigenen Wünschen ausgegeben werden kann. Das ist der erste Schritt in Richtung Selbstbestimmung.

wann ist Taschengeld sinnvoll?

In einem Alter, in dem Kinder noch keinen Bezug zu Geld und dessen Wert haben, sollte von Geldgaben abgesehen werden. Mit dem Eintritt in die Grundschule lernen Schüler jedoch die Grundrechenarten kennen; Zahlen bekommen nun eine Bedeutung. Das ist ein günstiger Zeitpunkt für Familien, um das Thema Taschengeld mit ihrem Nachwuchs zu besprechen. Hier gibt es ein gutes Rezept: Sprechen Sie mit Ihren Kindern über die Bedeutung des Geldes und die der finanziellen Situation einer Familie. Erklären Sie, was Haushalten bedeutet – wofür in Ihrem Haushalt Geld ausgegeben wird und auf welche besonderen Anschaffungen gespart werden muss. Mit einem eigenen Budget erhält das Kind die Chance, diese Prozesse im kleinen Maßstab nachzuvollziehen.

Wie viel Taschengeld ist angemessen?

Die Handhabung des Taschengeldes ist in den verschiedenen europäischen Ländern sehr unterschiedlich. In südlichen Regionen überreichen Verwandte häufig nur zu großen Anlässen Geldpräsente. In nördlichen Ländern ist es eher Tradition, regelmäßige Taschengeldgaben als Instrument der frühkindlichen Finanzerziehung zu nutzen. Eine sinnvolle Orientierungshilfe über die angemessene Höhe des Taschengeldes bieten die regionalen Jugendämter. Auch Familienberatungsstellen geben Tabellen mit durchschnittlichen oder empfohlenen Taschengeldbeträgen für jedes Alter heraus. Hier ein Beispiel:

Wöchentlich:

  • Unter 6 Jahren: 0,50 €
  • 6-7 Jahre: 1,50-2,00 €
  • 8-9 Jahre: 2,00-3,00 €

Monatlich:

  • 10-11 Jahre: 13,00-16,00 €
  • 12-13 Jahre: 20,00-22,00 €
  • 14-15 Jahre: 25,00-30,00 €
  • 16-17 Jahre: 35,00-45,00 €

Ein zu hohes Taschengeld, das die Erfüllung aller Wünsche möglich macht, ist pädagogisch nicht sinnvoll.

Wie wird das Taschengeld gezahlt?

  • Kleinen Kindern erscheint ein Zeitraum von einem Monat noch sehr lang. Für eine bessere Übersicht ist es zweckmäßig, das Taschengeld wöchentlich auszuzahlen.
  • Ab dem Alter von 10 Jahren, wenn das Kind in eine weiterführende Schule wechselt, ist eine monatliche Auszahlung angemessen. In der Regel empfiehlt sich eine Barauszahlung des Betrags. Jugendlichen, die bereits über ein Girokonto verfügen, können Sie das Geld nach Absprache auch überweisen.
  • Um die Wichtigkeit des Taschengeldes herauszustellen, sollten Eltern auf die eigene Verlässlichkeit achten. Das gilt für einen festen Zahltag und einen immer gleichbleibenden Betrag.
  • Das Geld gehört dem Kind und es kann selbst entscheiden, für was es das Geld verwendet. Vorschüsse und Extrageld sind tabu. Solche Inkonsequenzen würden den positiven Lerneffekt von Geldzahlungen zunichtemachen. Besprechen Sie mit Ihrem Kind, für welche Dinge das Taschengeld nicht verwendet werden darf. Gesundheitsgefährdende (Zigaretten, Alkohol) oder gefährliche Käufe (Feuerzeug) sind verboten! Es muss von vornherein klargestellt werden, dass bei Verstößen das Geld gestrichen wird.
  • Sparen sollte belohnt werden. Wecken Sie den Ehrgeiz Ihres Kindes, indem Sie bei großen Wünschen eine vorher vereinbarte Summe zum Ersparten dazuzahlen. Schließlich wird es lernen, dass es für teure Anschaffungen auch verzichten muss.
  • Seien Sie konsequent und halten Sie sich – genau wie Ihre Kinder – an getroffene Vereinbarungen.
  • Gute Noten erfordern keine geldliche Zuwendung.

Locken Sie Ihre Kinder nicht mit finanziellen Belohnungen bei schulischen Leistungen. Das Erreichen einer bestimmten Note ist vom Leistungsstand des Schülers abhängig. Sinnvoll ist, die Bereitschaft zum Lernen zu würdigen, unabhängig von der erzielten Note. Auch Aufgaben im Haushalt (Geschirrspülmaschine ausräumen, Fegen, Tischdecken) sollten nicht mit Geld bezahlt werden. Eine regelmäßige Mitarbeit im Haushalt sollte für alle Mitglieder der Wohngemeinschaft selbstverständlich sein. Für nicht-alltägliche Arbeiten wie Autowaschen oder Gartenarbeit können kleine Beträge ausgezahlt werden. Taschengeld sollte nicht als Instrument der Bestrafung oder als Druckmittel eingesetzt werden, um Fehlverhalten zu ahnden. Auch bei schlechten Noten sollte auf finanzielle Kürzungen verzichtet werden. Kinder möchten in ihren Eltern einen verlässlichen Partner sehen, der verschiedene Bereiche voneinander getrennt betrachten kann.

So kann der verantwortungsvolle Umgang mit Taschengeld erlernt werden:

  • Nehmen Sie Ihre Kinder zum Einkaufen mit. Bereits kleine Kinder sind stolz, wenn sie helfen dürfen, Waren zu finden und die Preise zu vergleichen.
  • Eine Vereinbarung darüber, wer was zahlt, ist sehr hilfreich. Alle notwendigen Ausgaben, beispielsweise für Kleidung, Bücher oder die Kosten für den Verein sollten von den Eltern übernommen werden. Extrawünsche (z. B. elektronische Spiele) müssen Kinder selber finanzieren. Bei Heranwachsenden besteht die Möglichkeit, für die monatlichen Fixkosten (Telefongebühren, Kosmetika) einen zusätzlichen Betrag auszuzahlen und ihnen die Verantwortung für die Ausgaben zu überlassen. So lernen sie nach und nach, eigenständig hauszuhalten.
  • Mit zunehmendem Alter wachsen die Bedürfnisse: Passen Sie das Taschengeld daher jährlich an.
  • Zusätzliches Geldverdienen mit kleinen Jobs darf nicht zu Kürzungen des Taschengeldes führen. Dazuverdienen bietet die Möglichkeit, seine finanzielle Situation aus eigener Kraft zu verbessern.
  • Mischen Sie sich nicht ein: Ihr Kind muss seine eigenen Erfahrungen machen. Fehler machen ist erlaubt; beim nächsten Anlauf klappt es mit Ihrer Unterstützung besser. Vorwürfe seitens der Eltern sind kontraproduktiv.
  • In regelmäßigen Gesprächen über das Thema Taschengeld zu reflektieren, beugt Frust vor.

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