Schwanger in der Stillzeit: warum Stillen keine verlässliche Verhütungsmethode ist

Schwanger, Stillzeit

Trotz Aufklärung durch den Gynäkologen und die Lektüre von Elternratgebern hält sich ein Vorurteil noch immer recht hartnäckig: Stillen schützt vor Schwangerschaft. Aufgrund dieser Annahme verzichten viele Neu-Mamis auf Verhütungsmittel. Wer sich auf das Stillen als Methode zur Empfängnisverhütung verlässt, könnte sich schon sehr bald über ein weiteres Familienmitglied freuen.

Richtig ist: Das Stillen eines Kindes führt bei der Frau zu einer sogenannten Laktationsamenorrhoe. Das bedeutet, dass sich das Auftreten der ersten Menstruationsblutung nach der Geburt eines Kindes durch die Absonderung von Muttermilch zeitlich nach hinten verschiebt. Trotz des veränderten Hormonhaushaltes der frischgebackenen Mutter kann sie dennoch während der Stillzeit erneut schwanger werden.

Der Mythos: Stillen schützt vor Schwangerschaft

Je öfter die Mutter ihr Kind nach der Geburt anlegt, desto länger bleibt die erste Regel der Frau normalerweise aus. Durch das Stillen wird die Produktion des Hormons Prolaktin angeregt. Dieses ist für die Bildung von Muttermilch im Körper zuständig. Das Auftreten von Prolaktin behindert gleichzeitig die Entstehung der Hormone FSH und LH. Bei FSH handelt es sich um ein sogenanntes Follikel stimulierendes Hormon. Es ist für das Heranreifen von Eizellen in den weiblichen Eierstöcken verantwortlich. Das sogenannte luteinisierende LH-Hormon regt den Eisprung an. Ein dauerhaft erhöhter Prolaktinanteil im Körper hemmt die Eizellenreifung und den Eisprung. Somit hat die Stillfrequenz tatsächlich in gewissem Maße einen Einfluss auf die Entstehung einer erneuten Schwangerschaft. Bei Frauen, die ihre Kinder sechs bis zehn Mal am Tag stillen, ist eine erneute Schwangerschaft im ersten halben Jahre äußert unwahrscheinlich. Dabei sollte der Abstand zwischen den einzelnen Stillmahlzeiten nach Expertenmeinung nicht länger als drei bis maximal vier Stunden betragen. Allerdings ist der Zeitpunkt des ersten Eisprungs nach der Geburt keineswegs absehbar. Der Prolaktingehalt kann sich schon bei einer kurzen Verzögerung der Milchmahlzeit reduzieren. Ein Eisprung kann die Folge sein. Da die erste Regel nach einem Eisprung einsetzt, weiß die Frau nicht, ob sie wieder fruchtbar ist.

Schwangerschaft und Stillen

Wird eine Frau innerhalb der Stillzeit schwanger, löst das oftmals gemischte Gefühle bei der werdenden Mutter aus. Einerseits möchte sie die intensiven Momente mit ihrem Kleinkind genießen. Andererseits will sich die Frau in Ruhe auf das bevorstehende, freudige Ereignis vorbereiten. Plötzlich steht die Frage im Raum: Weiter stillen oder abstillen? Generell ist das Stillen während einer Schwangerschaft kein Problem. Das Stillen hat jedoch auch Auswirkungen auf die Schwangerschaft. Durch den veränderten Hormonhaushalt leiden zahlreiche Frauen unter wunden Brustwarzen. Diese schmerzhafte Begleiterscheinung veranlasst die werdenden Mütter, die Stillhäufigkeit zu minimieren. Bei einer Risikoschwangerschaft kann das Stillen dazu führen, dass die Wehen zu früh einsetzen. Die Schwangerschaft führt darüber hinaus zu einem veränderten Geschmack der Muttermilch. Daher beginnen viele Stillkinder damit, sich selber von der Brust zu entwöhnen. Dieses Phänomen muss jedoch nicht eintreten.

Frauen, die ihren Nachwuchs über die Geburt des Geschwisterkindes hinaus stillen möchten, können das normalerweise durchaus tun. Bei sogenanntem Tandemstillen reicht die Menge an Muttermilch für beide Sprösslinge. Zusätzlich kann das Stillen im Doppelpack zu Eifersuchtsszenen des älteren Stillkindes führen. Immerhin muss es sich erst daran gewöhnen, Mamis Brust mit dem Geschwisterchen zu teilen.

Auch wenn das Stillen beider Kinder durchaus in der Theorie funktioniert, bedeutet es eine enorme körperliche und geistige Belastung der Mutter.

Schadet das Stillen in der Schwangerschaft den Müttern oder dem ungeborenen Baby?

Das A und O ist auch bei stillenden Schwangeren ist eine ausgewogene und gesunde Ernährung. Dabei sollten die werdenden Mütter darauf achten, dass sie in angemessenem Maß Gewicht zunehmen und sich genügend Ruhephasen gönnen. Da das Stillen in einigen Fällen eine Gewichtszunahme erschwert, müssen einige Mütter für eine erhöhte Kalorienzufuhr sorgen. Viele Schwangere nehmen aus diesem Grund in dieser Zeit ergänzende Vitaminpräparate zu sich.

Zu diesem Thema wurde eine Vergleichsuntersuchung von schwangeren und stillenden Schwangeren durchgeführt. Sie ergab, dass sich die Säuglinge von 57 Stillmüttern vollkommen gesund und normalgewichtig entwickelten. Mediziner konnten keine gravierenden Diskrepanzen zu den Neugeborenen nicht stillender Mütter feststellen.

Auch wenn scheinbar kein erhöhtes Risiko für den Nachwuchs von stillenden Schwangeren existiert, kann es erforderlich sein, das Stillen einzustellen. Das ist dann der Fall, wenn medizinische Bedenken vorliegen. Normal ist, dass stillende Mütter verstärkt unter Kontraktionen der Gebärmutter leiden – ebenso beim Geschlechtsverkehr. Diese Gebärmutterkontraktionen treten gehäuft im letzten Schwangerschaftstrimester auf. In der Regel ist das für das Ungeborene nicht bedrohlich. Klagen Frauen jedoch über unverhältnismäßige Schmerzen oder sogar Blutungen, sollte das Stillen des Kindes eingestellt werden. Auch Frauen, die bereits eine Fehlgeburt erlitten oder Probleme bei der Gewichtszunahme haben, sollten ihren Nachwuchs vorsichtshalber abstillen.

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