Schlüsselkind? Kind allein zu Hause

Manchmal erfordert es das Berufsleben der Eltern, dass Kinder einige Stunden alleine zuhause verbringen müssen. Das sind die so genannten Schlüsselkinder, die ihren eigenen Schlüssel für den Haushalt haben. Damit das gut klappt, sind einige Dinge zu beachten.
Der Begriff „Schlüsselkind“ ist in den 50er aufgekommen. Damals galt für Betreuungsangebote am Nachmittag: Fehlanzeige. Heute sieht das schon ganz anders aus. Doch genauso selbstverständlich wie externe Betreuungsangebote ist es in vielen Familien, dass die Kinder am Nachmittag einige Stunden allein zu Hause bleiben.

Ab wann?

Es verlangt viel von einem Kind, alleine zuhause zu bleiben. Es muss genug Selbstsicherheit haben, in großen Teilen (eigen)verantwortlich handeln und sich gut mit sich selbst beschäftigen können. Es muss mit Sicherheit das Telefon bedienen und die Uhr lesen können. Die Hausaufgaben dürfen nicht vergessen werden. Und das Kind sollte sich selbst etwas zu essen warm machen können. Grundsätzlich gilt, dass ein Kind mindestens acht Jahre alt sein sollte, bevor es über mehrere Stunden allein zuhause gelassen werden kann. Früher kann es kaum abschätzen, was es wirklich bedeutet, über mehrere Stunden lang alleine zu Hause zu bleiben. Kinder unter acht Jahren sollten lieber zu Verwandten oder zu Nachbarn gehen.
Das Alter ist bei weitem nicht das einzige Kriterium. Ganz viel hängt vom individuellen Entwicklungsstand des Kindes ab. Kann es zuverlässig Anweisungen befolgen, auch wenn die Eltern es nicht direkt im Blick haben? Stimmt das Vertrauensverhältnis? Können Eltern und Kind sich aufeinander verlassen? Weil jedes Kind anders ist, gibt es keine Patentlösung.

Langsam anfangen

Natürlich sollte ein Kind nicht von einen Tag auf den anderen zum Schlüsselkind werden. Es ist wichtig, ihm Zeit zu geben, sich an die Situation zu gewöhnen. Am Anfang kann man damit beginnen, die Zeit des Alleine-zuhause-seins langsam auszudehnen. So lässt sich Schritt für Schritt vermitteln, was das Kind wissen sollte. Gerade in dieser Zeit ist sehr wichtig, viel mit dem Kind über das Alleinsein zu Hause zu sprechen, damit nach Möglichkeit jede Angst und jeder Zweifel ausgeräumt werden kann. Sowohl in dieser „Übungsphase“ als auch später sollte man immer im Auge behalten, ob das Kind Zeichen von Überforderung zeigt. Falls die Ursachen für diese Überforderung nicht auszuräumen ist, ist die Schlüsselkind-Lösung vielleicht nicht die richtige.

Mit Netz und doppeltem Boden

Ganz wichtig ist es, dass die Eltern immer für kleine und große Notfälle gerüstet sind. An wichtigster Stelle steht dabei, dass das Kind die Sicherheit hat, jederzeit Mutter oder Vater erreichen zu können, z.B. wenn es krank oder auch nur traurig ist. Damit das auch schon auf dem Schulweg gewährleistet ist, sollte der Nachwuchs ein Handy in die Hand gedrückt bekommen. Natürlich bietet sich auch das Einbeziehen von Nachbarn oder Verwandten an, wo das Kind z.B. unterkommen kann wenn es den Schlüssel verloren hat.

Klare Regeln setzen

Alleine zuhause zu sein erfordert, dass das Kind Verantwortung übernimmt. Dazu muss es auch ganz genau wissen, was erlaubt ist und was nicht. Die Eltern müssen also klare Regeln setzen, alleine schon, damit nicht wegen jeder Kleinigkeit telefonisch um Erlaubnis gefragt werden muss. Wann müssen die Hausaufgaben gemacht sein? Dürfen Freunde mitgebracht werden? Was ist zu tun, wenn das Kind zum Spielen raus möchte oder den Musikunterricht besuchen muss? Wie lange darf Fernsehen geschaut werden? Wie lange darf am Computer oder mit der Spielkonsole gespielt werden? Sind kleinere Aufgaben im Haushalt wie das Abräumen des Tisches zu erledigen? Wie soll sich das Kind am Telefon oder an der Tür verhalten, um Fremden keinen Hinweis zu geben, dass es alleine zuhause ist? Das sind nur einige der Fragen, auf die Eltern ihrem Kind eindeutige Antworten geben müssen, wenn sie es für einige Stunden am Tag alleine zuhause lassen wollen. Die Fragen unterscheiden sich natürlich von Familie zu Familie.

Freiräume als Schlüsselkind

Schlüsselkinder, die im übertragenen Sinn nicht allein gelassen werden, lernen viel. Sie entwickeln frühzeitig ein hohes Verantwortungsbewusstsein, sie erfahren, wie wichtig Verlässlichkeit ist, und sie lernen Selbstständigkeit. So fühlen sie sich schon groß und können die Freiräume im leeren Zuhause genießen. Doch Eltern sollten niemals vergessen, so verantwortungsbewusst ihr Kind sich auch verhalten mag, dass es noch immer ein Kind ist.

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