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Projekt Patchworkfamilie

Vater, Mutter, Kind? Es geht auch anders. Etwa 10 bis 14 Prozent der Familien in Deutschland sind sogenannte Patchworkfamilien oder Stieffamilien. Dabei wird die Patchworkfamilie gern als hippe Familien-WG dargestellt. In der Realität führen die bunten Konstellationen aus Ex-Partner, neuem Partner, leiblichen Kindern und Stiefkindern häufig zu Problemen, Konflikten und Frust.

Aber was macht das Projekt Patchworkfamilie eigentlich so kompliziert? Worauf sollten Eltern bei der Familienzusammenführung achten? Und wie können Kinder vom Patchwork-Konzept profitieren? Wir haben die wichtigsten Informationen und Tipps zum Thema Patchworkfamilie für Sie zusammengestellt.

Alles Gute!

Ihr Meine Familie-Team


1. Was ist eine Patchworkfamilie?

Der englische Begriff Patchwork bedeutet übersetzt so viel wie „Flickwerk“ oder „Flechtwerk“. Und der Name ist Programm – denn bei der Patchworkfamilie finden sich Familienmitglieder aus 2 oder mehr Familien zu einem ganz neuen Beziehungsgeflecht zusammen. Gemeinsam haben alle Patchworkfamilien, dass mindestens einer der erwachsenen Partner ein Kind oder mehrere Kinder aus einer früheren Partnerschaft in die Beziehung einbringt. Patchworkfamilien entstehen deshalb meist nach einer Trennung oder Scheidung oder wenn ein Partner verstirbt.

Patchworkfamilie oder Stieffamilie?
„Stieffamilie“ ist ein anderer Begriff für Patchworkfamilie. Vor allem zur Beschreibung der eigenen Familiensituation wird er aber häufig vermieden, denn die Vorsilbe „Stief“, die so viel wie „hinterblieben“ oder „verwaist“ bedeutet, ruft bei vielen Menschen negative Assoziationen hervor. Das liegt auch an den alten Märchen rund um die „böse Stiefmutter“.

2. Welche Arten von Patchworkfamilien gibt es?

In einer Patchworkfamilie kann es ganz unterschiedliche Konstellationen geben. Unterschieden werden einfache, zusammengesetzte oder komplexe Patchworkfamilien.

3. Häufige Probleme und wie Sie damit umgehen können

In jeder Familie gibt es Streit und Konflikte. Das ist ganz normal – schließlich leben hier unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Meinungen und Bedürfnissen unter einem Dach zusammen. Wer bekommt ein eigenes Zimmer, wer geht wann ins Bad, wer muss wann zu Hause sein, wer hat welche Pflichten im Haushalt? So weit, so gut. Für Patchworkfamilien wird das Ganze noch ein bisschen komplizierter. Denn neben den grundlegenden Regeln für das Zusammenleben müssen oft auch die Beziehungen und Rollen in der veränderten Familienkonstellation neu verhandelt und definiert werden. Das bringt vor allem in den ersten Jahren nach der Familienzusammenführung viel Konfliktpotenzial mit sich.

Im Folgenden haben wir die 5 großen Konfliktthemen im Kontext Patchworkfamilie für Sie zusammengefasst:

  • Überforderung der Kinder
  • Die Beziehung zum Ex-Partner
  • Neue Partner als Ersatzmutter oder Ersatzvater
  • Unklare Rollenverteilung
  • Umgang mit neuen Stiefgeschwistern

Außerdem geben wir Ihnen hilfreiche Tipps, wie Sie diese Konflikte in Ihrer Familie erfolgreich meistern können.

3.1 Zu viel, zu schnell – Kinder sind mit den vielen Veränderungen überfordert

Wenn sich ein Elternteil nach einer Trennung auf eine neue Beziehung einlässt, setzt das meist viele Veränderungen auf einmal in Gang. 
Und darunter leiden vor allem die kleinen Familienmitglieder – denn während Eltern sich innerlich schon monatelang auf die bevorstehende Familienzusammenführung vorbereitet haben, werden Kinder oft zu wenig bzw. zu spät in die zugehörigen Entscheidungsprozesse eingebunden – oder einfach vor vollendete Tatsachen gestellt. Und dann ist plötzlich alles anders. Auf einmal ist da ein Mensch, der in den vertrauten Familienkreis eindringt, Zeit für sich beansprucht und gewohnte Abläufe durcheinanderbringt. Je nachdem kommen auch noch Geschwister, eine neue Umgebung, vielleicht sogar eine neue Schule oder ein neuer Freundeskreis dazu. Viel Neues, das Kinder überrumpelt und überfordert.

Unsere Tipps:

  • Lassen Sie Ihr Kind an Ihren Gefühlen für den neuen Partner teilhaben.
  • Machen Sie klar, dass die neue Beziehung nichts an Ihrer Eltern-Kind-Beziehung ändert.
  • Sprechen Sie offen über Pläne, wie zum Beispiel ein gemeinsames Zuhause.
  • Führen Sie Veränderungen nur schrittweise und mit Ankündigung ein.
  • Geben Sie Ihrem Kind Zeit, den neuen Partner kennenzulernen und Vertrauen zu fassen, und erzwingen Sie keine „heile Welt“.

3.2 Die Beziehung zum Ex-Partner ist und bleibt oft problematisch

Viele Patchworkfamilien entstehen aus der Hoffnung heraus, im zweiten Anlauf alles besser zu machen. Vor allem, wenn die vorherige Beziehung problematisch und unglücklich war, wünschen sich viele Erwachsene, diese endlich hinter sich lassen zu können. Ist ein gemeinsames Kind im Spiel, ist genau das aber nicht so einfach und erfordert viel Kompromissbereitschaft von allen Beteiligten. Denn je nach Sorgerechtsregelung ist der Ex-Partner/die Ex-Partnerin auch nach Beendigung der Beziehung eine zentrale Bezugsperson für das gemeinsame Kind. Ist die Beziehung zum Ex-Partner belastet und sind die Fronten verhärtet, kann das auch nach der Trennung noch zu Problemen führen und das neue Familienglück trüben. Im schlimmsten Fall kann es dazu kommen, dass Kinder ungewollt zum Spielball der elterlichen Konflikte oder „Rachepläne“ werden. So kommt es zum Beispiel vor, dass Erwachsene sich vor den Kindern negativ über den Ex-Partner, seine Art zu leben oder gar seinen neuen Partner bzw. seine neue Partnerin äußern. Ein solches Verhalten erzeugt bei Kindern einen hohen emotionalen Druck und führt nicht selten zu einem belastenden Loyalitätskonflikt – denn kein Kind möchte sich für oder gegen ein Elternteil entscheiden.

Unser Tipp:
Auch wenn Enttäuschungen und Konflikte aus früheren Beziehungen noch lange nachwirken können – für Kinder ist es wichtig, dass die leiblichen Eltern respektvoll und fair miteinander umgehen. Und das funktioniert nur, wenn alle Beteiligten bereit sind, Kompromisse einzugehen und den persönlichen Stolz hintanzustellen. Dazu gehört zum Beispiel auch, den Kontakt zum jeweils anderen leiblichen Elternteil aufrechtzuerhalten und das Kind zur Pflege der Beziehung zu ermutigen und es dabei zu unterstützen.

„Mein Kind“– „dein Kind“
In komplexen zusammengestellten Familien neigen Eltern manchmal dazu, die eigenen Kinder in Schutz zu nehmen oder unbewusst bevorzugt zu behandeln. Hier sind Empathie und eine gehörige Portion Selbstreflexion gefragt.

3.3 Neue Partner als Ersatzmutter oder Ersatzvater

Wenn die leiblichen Eltern sich trennen, ist das für viele Kinder schwer zu verarbeiten. Verständlich – denn etwas, das fest zusammengehörte, bricht plötzlich auseinander. Kommt dann noch ein neuer Partner ins Spiel, so hat dieser es oft nicht leicht. Erwachsene, die selbst noch keine Kinder haben, haben Schwierigkeiten, einen geeigneten Zugang zu den Stiefkindern zu finden.

Das Ergebnis: Beide Seiten sind verunsichert. Kinder reagieren, je nach Alter und Vorgeschichte, mit Rückzug, Distanz oder mit offener Ablehnung. Vor allem Kinder im Vorschulalter sowie Teenager haben Probleme, ihre Mutter oder ihren Vater mit einem anderen, oft noch fremden Menschen zu teilen, und empfinden den neuen Partner als Eindringling. Erwachsene wiederum platzen nicht selten mit reichlich unrealistischen Ansprüchen und Erwartungen in ein bestehendes Familiengefüge. Sie möchten Bezugsperson, Erzieher, Kumpel und Ersatzelternteil auf einmal sein. Ein rotes Tuch – denn für Kinder gibt es nur eine echte Mutter und einen echten Vater. Insbesondere in der ersten Zeit nach der Zusammenführung resultieren überschwängliche Bemühungen und übertriebene Zuneigung durch ein Stief-Elternteil meist nur in noch mehr Ablehnung. Wenn der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses gar nicht gelingt, werden neue Partner bestenfalls zu geduldeten Dauergästen – das belastet nicht nur die Paar-Beziehung, sondern die ganze Familie.

Unsere Tipps:

  • Versuchen Sie, beide Seiten zu verstehen, und bauen Sie keinen Druck auf.
  • Machen Sie klar, dass der neue Partner zwar in der Familie willkommen ist, den leiblichen Elternteil aber nicht ersetzen kann oder soll.
  • Planen Sie sowohl partnerlose als auch kinderlose Zeiten ein.
  • Machen Sie klar, dass in Ihrem Herzen auch für mehr als einen Menschen Platz ist und keiner zu kurz kommt.
  • Entwickeln Sie gemeinsame Rituale und lassen Sie Reibungen und Konflikte zu. 

Der Streit um die „Betreuungs-Rosinen“
Unter der Woche Hausaufgaben mit Mama, am Wochenende Kino mit Papa – je nach Sorgerechtsvereinbarung ist das häufig nicht zu vermeiden. Was hilft? Eifersucht und Konkurrenzdenken abschalten!

3.4 Unklare Rollenverteilung und Uneinigkeiten bei der Erziehung

Mit einem neuen Stief-Elternteil kommen oft auch neue Werte und Erziehungsvorstellungen in eine Familie. Diese entsprechen nicht immer dem bisherigen Erziehungsstil. Viele leibliche Eltern möchten ihren neuen Partner aber nicht vor den Kopf stoßen, indem sie ihn aus der Kindererziehung konsequent ausschließen. Also wird die Mitbestimmung akzeptiert, bestehende Regeln werden angepasst oder aufgeweicht. Das Problem: Für Kinder ist es schwer nachzuvollziehen, warum Regeln, die über Jahre gültig waren, plötzlich wegfallen. Oder warum Verhaltensweisen, die von den eigenen Eltern toleriert werden, vom Stief-Elternteil verboten werden. Im schlimmsten Fall werden Kinder mit widersprüchlichen Erwartungen konfrontiert, die sie unmöglich erfüllen können. Das führt zu Verunsicherung, Frustration und Wut. Bei älteren Kindern kommt dazu, dass sie oft ganz genau wissen, wer ihnen, rein rechtlich, überhaupt etwas zu sagen hat. So wird aus dem ignorierten Ausgehverbot schnell ein Machtspielchen mit dem bemühten Stiefvater.

Unsere Tipps:

  • Definieren Sie gemeinsam mit Ihrem neuen Partner, welche Werte und Prinzipien Ihnen bei der Kindererziehung wichtig sind und welche Regeln für alle Familienmitglieder gelten.
  • Differenzieren Sie klar, wer welche Rolle in der Erziehung übernehmen kann und soll.
  • Trauen Sie sich, bestimmte Erziehungsaufgaben bei den eigenen Kindern ausschließlich selber zu übernehmen, und akzeptieren Sie es, wenn Ihr neuer Partner bei seinen leiblichen Kindern dasselbe tut.

„Bei Papa darf ich das aber“
Eis vor dem Mittagessen? Ausnahmsweise ein bisschen später ins Bett? Kinder merken, wenn die Eltern sich nicht ganz einig sind – und nutzen das aus, um den eigenen Willen durchzusetzen.

3.5 Ein neues Stiefgeschwisterchen – Eifersucht, Unsicherheit, Konkurrenz 

Patchwork-Paare können es oft kaum erwarten, ein gemeinsames Baby zu bekommen und die „neue“ Familie komplett zu machen. Kinder aus einer früheren Beziehung reagieren auf so ein neues Halbgeschwisterchen häufig eifersüchtig oder ablehnend und fühlen sich zurückgesetzt. Versetzt man sich in die Lage des Kindes, ist das nachvollziehbar. Denn das neue Familienmitglied nimmt schon vor der Geburt sehr viel Aufmerksamkeit in Anspruch und wird, wie jedes Baby, zum Mittelpunkt der Familie. Vor allem Einzelkinder müssen sich an das Teilen von Zeit und Zuwendung der Eltern und später auch von persönlichen Dingen wie Spielzeug erst gewöhnen.

Unsere Tipps:

  • Lassen Sie Ihr Kind schon während der Schwangerschaft an dem kleinen Geschwisterchen teilhaben.
  • Verstecken Sie Ihre Freude auf das neue Familienmitglied nicht.
  • Machen Sie die Rolle des großen Halbbruders oder der großen Halbschwester besonders schmackhaft.
  • Erzählen Sie Ihrem Kind davon, wie sehr Sie sich damals auch auf seine Geburt gefreut haben.
  • Besprechen Sie gemeinsam, was sich nach der Geburt ändern wird und was nicht.

4. Zwei Familien – doppelter Rückhalt

Auch wenn in der Patchworkfamilie die Türen vielleicht ein bisschen öfter knallen – die unkonventionelle Familienkonstellation hat auch Vorteile. Denn Kinder, die in einer zusammengesetzten Familie aufwachsen, haben gleich mehrere Bezugspersonen. Neben den leiblichen Eltern sind da auch noch die Stiefeltern, die bei Bedarf zuhören und emotionalen Rückhalt geben können. Vor allem für Einzelkinder ist die Möglichkeit, sich mit Gleichaltrigen über Probleme und Sorgen austauschen zu können, sehr bereichernd. Und dank der neuen Geschwister müssen Interessen und Wünsche in Zukunft nicht mehr alleine vertreten werden. 

5. Patchwork-Kinder sind sozial und anpassungsfähig

Wer in einer Patchworkfamilie lebt, hat gelernt, andere Meinungen zu akzeptieren und die eigenen Bedürfnisse auch mal zurückzustellen. Studien zeigen, dass Kinder, die in einer zusammengesetzten Familie aufgewachsen sind, über eine besonders stark ausgeprägte Sozialkompetenz verfügen, flexibler sind und weniger Schwierigkeiten haben, sich an neue Situationen anzupassen. Kein Wunder – denn im täglichen Miteinander einer Großfamilie sind Empathie, Toleranz und Rücksichtnahme unerlässlich. Patchwork-Kinder sind außerdem oft selbstständiger und übernehmen schon früh Verantwortung für sich und andere.

Sicher haben Sie schon bemerkt, dass die Vorteile und Probleme in der Patchworkfamilie oft nah beieinanderliegen. Ein neues Geschwisterkind kann Konkurrent oder Vertrauter sein, ein neues Elternteil Eindringling oder wichtiges Vorbild. Entscheidend ist am Ende die Erkenntnis, dass das Projekt Patchworkfamilie nur gemeinsam und mit klaren Regeln, viel Geduld, Verständnis und Rücksichtnahme gelingen kann.

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