Jungennamen – die Entwicklung in Deutschland

Gesellschaft für deutsche Sprache

Es gibt in Deutschland keine offizielle Statistik darüber, wie häufig ein bestimmter Vorname vergeben wird. Als „inoffizielle Statistik“ gilt die Erhebung der „Gesellschaft für deutsche Sprache“ (GfS). Die GfS fragt jedes Jahr Tausende von Standesämtern ab und veröffentlicht dann auf ihrer Webseite die Hitliste der zehn beliebtesten Jungen- und Mädchennamen. Vor allem für die letzten Jahrzehnte lässt sich so gut nachvollziehen, welche Vornamen sich besonderer Beliebtheit erfreuten.

Besonders interessant: An der Entwicklung der Vornamen lassen sich auch Rückschlüsse auf die politische und gesellschaftliche Situation eines Landes ziehen. Seit dem Mittelalter waren es in Deutschland vor allem Namen christlicher oder germanischer Herkunft, die für einen Sohn gewählt wurden. In vielen Gegenden war es zudem üblich, dem Erstgeborenen den Namen des Vaters zu geben. Erst in den 1950er Jahren begann diese Tradition, langsam aufzuweichen. Heute findet man sie nur noch vereinzelt. Und auch die Art der männlichen Vornamen hat sich mittlerweile verändert. Während vor 1950 noch traditionelle Namen wie Wilhelm oder Hans dominierten, waren es später vor allem englische und romanische Vornamen, die sich besonderer Beliebtheit erfreuten. „Kevin“ oder „Marco“ sind dafür besondere Beispiele. In den letzten Jahren hat sich die Hitliste der beliebtesten Jungennamen erneut verändert. Während „Kevin“ eher in Ungnade gefallen ist, stehen vermeintlich alte Namen wie „Johannes“ wieder oben auf der Hitliste.

Nordische Jungennamen immer beliebter

Waren es in den 1950er Jahren vor allem die englisch und südeuropäisch klingenden Namen, die den Eltern besonders gefielen, erfreuen sich heute nordische Jungennamen zunehmend großer Beliebtheit. Der Begriff „nordische Jungennamen“ bezieht sich dabei aber nicht ausschließlich auf norwegische, dänische, schwedische oder finnische Namen, sondern schließt auch friesische, isländische und grönländische Namen ein. Einige Jungennamen aus dem nordischen Raum haben schon längst Einzug in die deutsche Sprache gehalten und werden kaum noch als „fremd“ wahrgenommen. Erik, Sven oder Ulf sind Beispiele für nordische Jungennamen, die schon lange im deutschen Sprachgebrauch verankert sind und teilweise auch in den TOP 10 Hitlisten der beliebtesten Vornamen auftauchen.

Nordische Jungennamen: Favoriten und Außenseiter

Zu den beliebtesten nordischen Jungennamen zählt momentan der Vorname „Finn“, auch in der Schreibweise „Fynn“ bekannt. Bis 1990 war dieser Name in Deutschland sehr selten, seitdem hat er nicht nur in Norddeutschland kräftig aufgeholt. In seiner nordischen Variante bedeutet der Name so viel wie „Finne“ oder „Angehöriger des finnischen Volkes“.

Ebenfalls unter den TOP 30 befindet sich ein weiterer nordischer Jungenname, nämlich der Name „Mika“, der in Deutschland auch als Mädchenname zugelassen ist. Grund für die Beliebtheit dürfte unter anderem die Popularität des ehemaligen Formel-1-Piloten Mika Häkkinen sein. In Nordeuropa ist der Name Mika als Kurzform der Namen „Michael“ oder „Michaela“ entstanden. 

Auch die Beliebtheit des nordischen Jungennamens Mats ist auf einen erfolgreichen Sportler zurückzuführen: Die schwedische Kurzform von „Matthias“ wurde erstmals in den 1980er Jahren gerne vergeben, als der schwedische Tennisprofi Mats Wilander seine größten Erfolge feiern konnte. Ähnlich wie bei dem Namen Mika stand auch bei einem anderen beliebten nordischen Jungennamen wohl ein Formel-1-Pilot Pate. Der Name „Kimi“, eine Kurzform von „Joakim“, wurde durch die Erfolge des Rennfahrers Kimi Räikkönen populär.

Zu den nordischen Vornamen der ungewöhnlichen Art gehört beispielsweise „Ragnar“, der ursprünglich aus dem Altgermanischen stammt und in Nordeuropa weit verbreitet ist. Ein weiterer, in Deutschland eher ungewöhnlicher nordischer Jungenname ist „Einar“, der seine Wurzeln in der isländischen Sprache hat. In Deutschland ebenfalls noch selten ist der nordische Jungenname „Sverre“, der in Norwegen ebenso verbreitet ist wie auf Island.

Wer auf der Suche nach einem nordischen Jungennamen ist, hat also viel Auswahl. Allerdings sollten Eltern gerade bei einem ungewöhnlichen Namen darauf achten, dass Vorname und Familienname zusammenpassen und der gewählte Name auch für etwas ungeübte Zungen noch aussprechbar ist. Schließlich ist der Vorname ein Begleiter für das gesamte Leben.

 

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