Berufspendler und mobile Papas – Und wo bleibt die Familie?

Berufspendler

Flexible Arbeitszeiten an wechselnden Einsatzorten mit ständig wachsenden Aufgabengebieten – von Arbeitnehmern wird heute ganz selbstverständlich ein hohes Maß an Flexibilität in allen Bereichen verlangt. Und nicht immer haben sie eine Wahl. In vielen Fällen müssen Arbeitnehmer lange Anfahrtswege in Kauf nehmen, weil Arbeits- und Wohnort weit auseinanderliegen und die Familie nicht an den Arbeitsort umziehen kann oder möchte. In Deutschland gibt es rund 30 Millionen Berufspendler.

Wer am Morgen zur Arbeit fährt und abends wieder nach Hause kommt, für den ist das Leben als Pendler noch vergleichsweise einfach mit dem Familienleben vereinbar. Schwierig wird es dagegen für Familien, bei denen der Vater als Berufspendler die ganze Woche abwesend ist, also Montagmorgen in eine andere Stadt fährt und am Freitagabend wieder nach Hause kommt. Das ist für den Partner und vor allem für die Kinder eine große Herausforderung.

Stabilität für Kinder

Ist der Papa nur am Wochenende zu Hause, wie es für viele Berufspendler normal ist, fällt besonders kleineren Kindern die Umstellung von „Der Papa ist da“ auf „Der Papa ist wieder weg“ schwer. Kinder brauchen ein hohes Maß an Regelmäßigkeit und Stabilität. Ist ein Elternteil ständig unterwegs, kann diese Sicherheit nicht im gleichen Maße aufgebaut werden wie bei Familien, in denen die Väter nur für ein paar Stunden aus dem Haus sind. Besonders auffällig ist dies bei Säuglingen, die sich gerade in der „Bonding-Phase“ befinden. Für sie sind vertraute Personen und gewohnte Umgebungen besonders wichtig. Säuglinge haben den Papa oft schon wieder vergessen, wenn er am Freitagabend zur Tür hereinkommt.

Für Jugendliche in der Pubertät ist der Vater als Bezugsperson und Vorbild besonders wichtig. Die beruflich bedingte Abwesenheit des Vaters als Berufspendler ist für viele Jugendliche schwer auszuhalten und führt nicht selten zu Situationen, die in Streit und Vorwürfen enden. Auch hier sind sogenannte „Shuttles“, also Berufspendler, die von montags bis freitags in einer fremden Stadt arbeiten, eher betroffen als Väter, die am Abend von der Arbeit kommen und dann am Familienleben teilnehmen können.

Quality Time und Rituale schaffen

Wer als Pendler von montags bis freitags von der Familie getrennt ist, freut sich auf freie Tage mit der Familie. Doch das ist nicht so einfach. Berufspendler neigen oft dazu, an den beiden Tagen des freien Wochenendes all das nachholen zu wollen, was in der Woche auf der Strecke blieb. Diese hohen Ansprüche führen fast zwangsläufig dazu, dass der gut gemeinte Vorsatz scheitern muss. Besser ist es, die wertvolle Zeit sinnvoll zu nutzen und Dinge zu unternehmen, die allen gemeinsam Spaß machen. Das kann die Zeit mit dem Sohn auf dem Fußballplatz sein, aber auch die Grillparty mit Freunden oder das Reitturnier der Tochter – und das nicht alles auf einmal, sondern gezielt und bewusst. Diese sogenannte „Quality Time“ bringt der Familie und dem Vater mehr als ein atemloses Programm, das am Wochenende unbedingt abgearbeitet werden muss. Gleichzeitig wird der Zusammenhalt der Familie gestärkt.

Ein ebenso großer Fehler wäre es, wenn der Familienvater als Pendler in den wenigen gemeinsamen Stunden versuchte, das eingespielte Familienleben komplett umzukrempeln. Schließlich regelt die Familie an fünf Tagen in der Woche das Zusammenleben auch ohne Beisein des Vaters. Versucht der, diese Dinge am Wochenende „mal eben schnell“ zu ändern, wird er als Störfaktor wahrgenommen und die Harmonie ist dahin.

Wenn es möglich ist, sollte für Pendler Arbeit am Wochenende tabu sein. Natürlich ist ein Austausch über die vergangene Woche mit dem Partner sinnvoll. Berufspendler sollten das Wochenende aber tatsächlich als kostbare Familien- und Partnerzeit wahrnehmen.

Jede Familie hat gemeinsame Rituale, die für das Familienleben wichtig sind: Das gemeinsame Abendbrot am Wochenende beispielsweise, bei dem jeder erzählen kann, wie es ihm in der Woche ergangen ist und wichtige Familienfragen besprochen werden können. Das stärkt den Familienzusammenhalt und ermöglicht es auch Berufspendlern, sich trotz ihrer langen Abwesenheit unter der Woche unmittelbar am Familienleben zu beteiligen. Ein weiteres wichtiges Ritual für Pendler: das tägliche Telefongespräch mit der Familie. Auch wenn es banal erscheinen mag: Diese wenigen Minuten am Tag tragen dazu bei, dass sich in der Trennungsphase keiner vom Familienleben ausgeschlossen fühlt. Umso schneller ist dann das gemeinsame Wochenende da.

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