Nur ein Schnupfen oder ernsthafte Krankheit?

Kinderkrankheit, Kinderlähmung, Schutzimpfung Kinder

Kinderkrankheiten hat es zu allen Zeiten gegeben. Deren Verbreitung, die sogenannte Durchseuchung, schwankt jedoch über die Jahrzehnte. Dafür verantwortlich ist vor allem das Impfverhalten der Eltern. Wer sein Kind rechtzeitig gegen bestimmte Kinderkrankheiten impfen lässt, der sorgt mit dafür, dass Kinderkrankheiten immer seltener eine Chance haben, sich durchzusetzen. Entgegen der Meinung vieler Eltern ist es für das kindliche Immunsystem keineswegs immer vorteilhaft, eine Kinderkrankheit tatsächlich durchzumachen.

Eine Krankheit, bei der die Impfrate sehr hoch ist und die deswegen in Deutschland so gut wie gar nicht mehr vorkommt, ist die Kinderkrankheit Poliomyelitis, kurz Polio. Sie ist auch unter dem Begriff „Kinderlähmung“ bekannt. Im Jahre 1952 beispielsweise erkrankten in Deutschland rund 9.700 Menschen an Polio, etwa 770 Betroffene starben. Dank einer hohen Durchimpfungsrate, unter anderem durch die so genannte „Schluckimpfung“, trat die Polio in Deutschland im Jahre 1992 das letzte Mal auf. 2010 gab es in Europa erstmals wieder Fälle von Polio, ausgelöst durch eingeschleppte Erreger, die in vielen Entwicklungsländern nach wie vor weit verbreitet sind. Dank breit angelegter Impfkampagnen ist die Häufigkeit der weltweit gemeldeten Fälle mittlerweile auf etwa 1.000 Fälle jährlich gesunken.

Kinderkrankheit Polio: Das sind die Ursachen

Ausgelöst wird Polio durch die Infektion mit dem Poliovirus. Bekannt sind insgesamt drei Typen des Virus, alle drei sind hochansteckend. Am Beginn steht meist eine so genannte fäkal-orale Übertragung. Als Übertragungswege kommen überwiegend Nahrungsmittel oder Getränke in Betracht, die durch einen Kontakt mit dem Kot infizierter Patienten mit Polioviren kontaminiert sind. Damit ähnelt der Übertragungsweg dem von Hepatitis A, das aber hauptsächlich bei Erwachsenen auftritt. Eine Ansteckung mit dem Poliovirus über eine Tröpfcheninfektion ist nicht völlig ausgeschlossen, aber äußerst selten.

Polio: verschiedene Krankheitsverläufe und die Behandlung

Hat sich ein kleiner Patient mit der Kinderkrankheit Polio angesteckt, verläuft die erste Phase der Krankheit meist völlig ohne Symptome. In manchen Fällen kommt es in dieser ersten Phase zu unspezifischen Krankheitssymptomen, die auch anderen Erkrankungen zugeschrieben werden könnten. Handelt es sich um die so genannte „abortive“, also abgemilderte Form von Polio, zeigen sich diese Anzeichen etwa sechs bis neun Tage nach der Infektion. Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen gehören ebenso zu den Symptomen wie Übelkeit, mangelnder Appetit, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden oder Durchfall. Diese Beschwerden könnten Kinder auch bei einer Grippe oder einer starken Erkältung zeigen. Bei einem solchen abortiven Verlauf von Polio sind weder das Gehirn noch das zentrale Nervensystem oder das Rückenmark infiziert. Daher kommt es bei diesem Verlauf auch nicht zu den „klassischen“ Anzeichen einer Kinderlähmung. Nach rund zwei Wochen klingen die Beschwerden wieder ab, ohne dass Nachwirkungen zurückbleiben.

Völlig anders sieht es dagegen aus, wenn der Poliovirus das zentrale Nervensystem infiziert. In dieser zweiten Phase zeigen sich dann auch schwerwiegende Symptome wie unter anderem Fieber, Rücken- und Muskelschmerzen, Sensibilität auf Reize und ein steifer Nacken. Bis zu zwei Prozent der Kinder bleiben in dieser Phase von Polio von den klassischen Symptomen, also den typischen Lähmungserscheinungen verschont. Bei bis zu einem Prozent der infizierten kleinen Patienten treten nach ein bis zwei Tagen nach Beginn der zweiten Krankheitsphase die typischen Lähmungen auf. Diese verlaufen bei Polio asymmetrisch und sind meist bleibend. Die betroffenen Kinder müssen also lernen, beispielsweise mit Lähmungserscheinungen zu leben und den Ausfall bestimmter Gliedmaßen zu kompensieren. Ein großer Teil der Lähmungserscheinungen tritt an den Beinmuskeln auf, aber auch Arme, Augen, Brustkorb oder Bauch können betroffen sein. Besonders schwerwiegend sind die Lähmungserscheinungen bei Polio im Bereich der Atemmuskeln, da die Ausfälle hier sogar zum Tod führen können.

Die Ursachen der Kinderkrankheit Polio lassen sich nicht behandeln und die Symptome lassen sich bei einem schweren Verlauf mit Lähmungserscheinungen auch nicht rückgängig machen. Eine Therapie zielt also ausschließlich darauf ab, die Symptome zu lindern. Bei dem Verdacht auf eine Infektion müssen Kinder eine strenge Bettruhe halten. Sind bereits Lähmungserscheinungen aufgetreten, hilft eine spezielle Krankengymnastik. Zur Vorbeugung gegen Polio eignen sich die eingangs bereits erwähnten Impfungen. Seit 1998 werden sie in Deutschland nicht mehr als Schluckimpfung durchgeführt, sondern durch eine Impfung per Spritze. Da die Durchimpfungsrate bei Polio sehr hoch ist, kommt die Krankheit in Deutschland kaum noch vor.

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