Kinder und Ironie – ein schwieriges Verhältnis

Erwachsene meinen Gesagtes oft ironisch. Wir sagen etwas und meinen eigentlich genau das Gegenteil. "Meine Familie" erklärt, warum Ironie in der Kommunikation mit Kindern zu Problemen führen kann und man daher besser darauf verzichten sollte.

Ein Witz: Es schellt. Der siebenjährige Ernst öffnet die Tür. Draußen steht Tante Klara. Ernst sagt: "Toll, dass Du da bist. Papa hat gesagt, Du hast uns gerade noch gefehlt!" Diese Geschichte handelt von der sprichwörtlichen Wahrheit, die der Kindermund kund tut. In diesem Fall hat sich der Vater selbst eine Falle gebaut, denn gemeint hat er natürlich, dass er Tante Klara jetzt auf keinen Fall zu Besuch haben möchte. Er hat das Stilmittel der Ironie gebraucht, ein Aspekt, der dem Kind entgangen sein dürfte; es hat seinen Vater wörtlich verstanden.

Ironie wissenschaftlich gesehen

Schlägt man das Wort "Ironie" im Lexikon der Sprachwissenschaft (H. Bußmann) nach, steht dort: "Ersatz des Gemeinten durch einen entgegengesetzten Ausdruck". Erwachsene benutzen dieses Stilmittel sehr häufig. Auch in der Literatur oder im politischen Kabarett ist Ironie allgegenwärtig. Aber selbst Erwachsenen fällt es nicht immer leicht, Ironie zu erkennen. Deshalb nutzen wir oft sogenannte „Ironiesignale“, wenn wir etwas ironisch meinen. Das sind zum Beispiel Übertreibungen in der Wortwahl ("superpünktlich"), mit den Händen gesetzte Anführungszeichen, eine veränderte Betonung oder Mimik. In der Schriftsprache, beispielsweise in Chats und E-Mails, werden diese Gesten oft durch das Symbol des Smileys ersetzt. Es besagt dann nichts anderes als: Achtung, eigentlich meine ich gar nicht das, was ich geschrieben habe, sondern das Gegenteil. 

Kinder haben Schwierigkeiten mit Ironie

Warum ist es manchmal so schwierig, mit Ironie umzugehen? Das liegt vor allem daran, dass sehr viele Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit bei dieser Art zu Sprechen die Kommunikation auch funktioniert. So müssen zum Beispiel der Sprechende und der Verstehende dieselbe Vorstellung von dem haben, worüber sie sich unterhalten, damit ihnen plötzliche Abweichungen und gegenteilige Behauptungen überhaupt als solche auffallen.

Im Witz oben ist es zum Beispiel das Wissen, dass Tante Klara beim Vater offenbar nicht sehr beliebt ist. Die Mutter, die das weiß und unter Umständen auch die Gründe dafür kennt, wird seine Äußerung dementsprechend einordnen und versteht, was der Vater meint: Er kann auf die Anwesenheit Tante Klaras verzichten. Der siebenjährige Sohn kennt diese Hintergründe jedoch offenbar nicht und versteht die Aussage seines Vaters wörtlich.

Ironie ist interpretationsbedürftig

Damit deutet sich auch schon ein anderes grundlegendes Problem mit der Ironie an. Ironische Aussagen sind interpretationsbedürftig. Man muss sie verstehen, bewerten, in einen Zusammenhang setzen – eben interpretieren. Das braucht zum einen mehr Zeit als das Verstehen einer klaren Aussage, zum anderen muss auch ein grundlegendes Verständnis von Ironie vorhanden sein. Es gibt zwar Untersuchungen, in denen festgestellt wurde, dass Kinder Ironie schon ab vier Jahren ausmachen können – dies geschieht aber eben nur in Einzelfällen. Im Allgemeinen kann man sagen, dass Kinder ab zehn Jahren Ironie verstehen und auch selbst anwenden können. Sie lernen dies nicht zuletzt in dem Maße, wie sie auch in ihrem Elternhaus mit Ironie konfrontiert werden.

Besser klar kommunizieren

In den ersten Jahren ist es empfehlenswert, in Gegenwart von Kindern klare Aussagen zu treffen und keine ironischen Formulierungen zu nutzen. Je jünger die Kinder sind, desto irritierender ist Ironie für sie. Oft verstehen sie nicht, warum die Großen lachen oder die Eltern einfach die Unwahrheit sagen. Und Aussagen wie "Na, das hast Du aber toll gemacht", wenn sie gerade an einen Becher Kakao gestoßen sind, stiften Verwirrung. Für Kinder ist es außerordentlich wichtig, die Sicherheit zu haben, sich immer auf das verlassen zu können, was die Eltern sagen. Wenn Kinder die Aussagen Ihrer Eltern immer hinterfragen müssen, wird das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kind nachhaltig belastet.

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