Kein Sex nach der Geburt?

Berufspendler

Die Geburt eines Babys ist eine Zäsur im Leben der frischgebackenen Eltern. So verwundert es nicht, dass auch am Leben als Paar eine Geburt nicht spurlos vorübergeht. Besonders in den ersten Wochen und Monate nach der Geburt sind Mann und Frau damit beschäftigt, sich in ihre Elternrolle einzugewöhnen. Während Männer schneller wieder das Bedürfnis nach Sex verspüren, sind Frauen durch die ständige Nähe zum Baby berührungsmüde. Auch der Abbau weiblicher Hormone nach der Geburt sorgt für sexuelle Unlust. Ein weiterer Grund für ausbleibenden Sex nach der Geburt ist das Hormon Prolaktin, das für den Milchfluss wichtig ist. Dieses hat eine relaxierende Wirkung, sodass es vollkommen natürlich ist, dass Frauen mit einem Stillbaby lieber gemütlich ans Baby gekuschelt einschlafen, anstatt mit dem Partner wild durch die Kissen zu rollen. Doch dieser Aspekt sollte keinesfalls zu dem Irrglauben führen, dass allein das Stillen für den ausbleibenden Sex nach der Geburt verantwortlich ist: Auch das Bindungshormon Oxytocin bewirkt, dass der emotionale Fokus der Mama auf der Versorgung des Kindes liegt und nicht bei den sexuellen Bedürfnissen des Partners. Ein weiterer Faktor sind die sich wandelnden Lebensumstände: Der Alltag mit einem Baby muss neu strukturiert werden. Oft geht die Geburt eines Kindes mit der Jobaufgabe der Frau einher, auch wenn diese nur vorläufig ist. Es fällt vielen Frauen schwer, sich mit ihrer neuen Rolle zu identifizieren, da die Gesellschaft scheinbar perfekte Mütter erwartet, die zugleich eine erfolgreiche Karriere vorweisen können. Auch die Erwartung, zusätzlich eine hingebungsvolle Geliebte zu sein, steigert den Druck auf die junge Mutter. Dieser Druck führt dazu, dass sich viele Frauen emotional nicht auf den Sex einlassen können.

Gute Voraussetzungen für ein funktionierendes Paarleben schaffen

Kein Sex nach der Geburt kann zu einer harten Belastungsprobe für die Beziehung werden – muss es aber nicht. Die ersten sechs Wochen nach der Geburt werden nicht umsonst als „Wochenbett“ bezeichnet. Die Frau soll sich in dieser Zeit erholen. Der Hebammentipp, in dieser Zeit das Bett nur für Toilettengänge zu verlassen, wirkt zwar antiquiert, hat aber durchaus seine Berechtigung. Jede Geburt ist anstrengend und mindestens genauso anstrengend ist die hormonelle und physische und psychische Umstellung des Körpers nach 40 Wochen Schwangerschaft. In dieser Zeit haben viele Frauen eine Schonhaltung eingenommen, sodass die ursprüngliche Körperhaltung nun erst wieder neu eingeübt werden muss. Der Körper benötigt Ruhe und Schonung, um die Rückbildung effektiv vollziehen zu können. Einen Beitrag dazu leistet der enge Kontakt zum Baby. Das beim Stillen ausgeschüttete Oxytocin bewirkt unter anderem auch die Rückbildung der Gebärmutter: Besonders Mehrfach-Mamas spüren das deutliche Ziehen, das bisweilen wehenartig sein kann, wenn das Baby an der Brust saugt. All diese Vorgänge sind anstrengend und kosten viel Kraft. Die zusätzliche Umstrukturierung des Tages und der hohe Pflegeaufwand des Säuglings beanspruchen oft die ganze Energie der Mutter, sodass diese am Abend ausgelaugt und müde ist. Väter können bei der körperlichen Anpassung zwar nicht helfen, aber im Haushalt eine echte Hilfe sein: Kochen, die Geschwisterkinder versorgen, Wäsche waschen, aufhängen und bügeln sowie staubsaugen sind Dinge, die viele Männer auch noch nach der Arbeit bewältigen können. Männer schaffen die beste Voraussetzung für ein funktionierendes Paarleben, indem sie das Problem „kein Sex nach der Geburt“ gar nicht erst aufkommen lassen und ihrer Frau etwas Last von den Schultern nehmen.

Medizinisch indizierte Sexpause

Direkt nach der Geburt kann eine Sexpause tatsächlich medizinisch indiziert sein. Die bei der Geburt erlittenen Verletzungen wie beispielsweise ein schmerzhafter Dammriss und die daraus entstandene Naht können noch Wochen nach der Entbindung schmerzen. Für viele Frauen sind diese Schmerzen ein weiterer Grund für keinen Sex nach der Geburt. In vielen Fällen ist es jedoch nicht der tatsächliche Schmerz, sondern vielmehr die Angst vor einem eventuellen Schmerz. Geburtsverletzungen sollten im Rahmen der Nachsorge von der Hebamme hinsichtlich ihres Heilungsprozesses untersucht werden. Ist die Wundheilung abgeschlossen, sollten Paare den ersten Sex nicht länger als nötig hinauszögern. Je länger nach der Geburt gewartet wird, umso größer wird die Hemmschwelle. Hat die Frau beim Sex Schmerzen, sollte sie das direkt kommunizieren. Eventuell muss das Paar noch einige Wochen warten. Wichtig ist, dass auch die Männer in die Gefühlswelt der Frauen einbezogen werden: Wovor genau besteht die Angst? Handelt es sich um die Angst vor einem Schmerz oder tut es tatsächlich bei einer Berührung im Intimbereich noch sehr weh? Oder ist es eine Scheu, weil sich das weibliche Geschlechtsorgan nach der Geburt anders anfühlt oder verändert aussieht? Diese Angst ist unbegründet, denn auch der Geburtskanal regeneriert sich im Zuge der Rückbildung, sodass kaum eine Veränderung zum Zustand vor der Geburt zu bemerken sein wird. Um Zeiten ohne Sex zu überrücken, empfiehlt es sich, dass beide Partner engen Körperkontakt halten. Viele liebevolle Umarmungen, Streicheleinheiten und Küsse sollten in dieser Zeit nicht fehlen.

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