Ist ein „imaginärer Freund“ Grund zur Sorge?

Warum beginnt mein Kind plötzlich zu fremdeln?

Die meisten Eltern wünschen sich für ihre Kinder einen großen Freundeskreis und viele Spielgefährten. Gemeinsame Ausflüge auf den Spielplatz oder Treffen am Nachmittag ‒ das gemeinsame Spiel nimmt im Leben von Kindern einen wichtigen Platz ein. Beim Spielen verarbeiten die Kinder ihre alltäglichen Erlebnisse und setzen ihre kreativen Ideen um. Die gemeinsame Zeit mit Gleichaltrigen ist für Kinder wichtig, da sie so ihr Sozialverhalten ausbilden und stärken. Nicht zuletzt machen sie durch die Interaktion mit anderen Kindern Erfahrungen mit Erfolg und Misserfolg und lernen dabei, sich anzupassen. Obwohl sie viele Spielkameraden haben und Zeit mit Eltern und Verwandten verbringen, entwickeln manche Kinder die Vorstellung von einem Freund, der nur in ihren Gedanken existiert.

Eltern ist dieses Verhalten häufig fremd und sie fragen sich, ob mit ihrem Kind vielleicht etwas nicht stimmt. Eines gleich vorweg: Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen, wenn ein imaginärer Freund einen festen Platz im Leben Ihres Kindes hat. In der Psychologie gilt es seit Langem als veraltet, einen imaginären Freund als problematisch anzusehen. Vielmehr ist er ein Ausdruck kindlicher Kreativität und Fantasie. Sie sollten Ihrem Kind daher nicht zu verstehen geben, es sei falsch oder „böse“, mit dem unsichtbaren Freund zu kommunizieren. Kinder haben sonst das Gefühl, sich ihren Eltern nicht öffnen zu können und verschließen sich vor der Umwelt. Stattdessen sollten Sie versuchen, zu verstehen, warum sich Ihr Kind einen imaginären Freund erschafft. Man kann zwischen drei unterschiedlichen Typen von imaginären Freunden unterscheiden: der Spielgefährte, der Verbündete und der Beschützer.

Imaginärer Freund: Welche Bedeutung hat er?

Im Alter von drei bis fünf Jahren bilden Kinder ihr Sozialverhalten besonders stark aus und schließen erste richtige Freundschaften. Dies ist die Zeit, in der Kinder sich am häufigsten einen unsichtbaren Freund ausdenken. Auf viele Eltern wirkt die Selbstverständlichkeit, mit der ihr Kind das unsichtbare Wesen, dem sie häufig einen Namen geben, in den Alltag einbezieht, befremdlich. Hier einige Beispiele: „Setz dich da nicht hin, Papa, da sitzt Nico schon“; „Nico möchte auch essen“ oder „Nico und ich möchten noch nicht schlafen gehen“.

Auch wenn Sie den imaginären Freund nicht sehen können: Für das Kind ist er wirklich da, deshalb ist es auch vollkommen normal, mit ihm zu interagieren. Kinder grenzen sich im Spiel mit ihrem imaginären Freund von der Außenwelt ab und verarbeiten so die Eindrücke und Erlebnisse des Tages. Sie benötigen diese Zeit, um ihre Emotionen und Gedanken zu ordnen. Vor allem Einzelkindern hilft ein imaginärer Freund dabei, sich über ihre Erlebnisse auszutauschen.

Zudem kann ein imaginärer Freund ein Verbündeter sein. Sollen sie zum Beispiel ins Bett gehen oder ihr Gemüse aufessen, nutzen Kinder den erdachten Freund als Unterstützung: „Nico möchte dies und das auch nicht“ oder „Nico findet das aber auch doof“. Durch den Einsatz eines Verbündeten versuchen sie, ihren Wünschen mehr Gewicht zu verleihen. Ein imaginärer Freund kann auch die Funktion des Beschützers übernehmen. Insbesondere Kinder mit älteren Geschwistern wünschen sich manchmal einen gleichaltrigen Kameraden, der ihnen beisteht, wenn sie von den Geschwistern geärgert werden.

Wie sollten sich Eltern verhalten?

Für Eltern ist es nicht immer einfach, einen imaginären Freund zu akzeptieren. Machen Sie jedoch nicht den Fehler, das Kind nicht ernst zu nehmen. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über den unsichtbaren Begleiter und lassen Sie sich mehr von dem Freund erzählen. Die Akzeptanz der Eltern und der Verwandten ist für Kinder in diesem Alter von großer Bedeutung. Situationen, in denen „Nico“ mit am Tisch sitzen soll oder auch beim Fernsehen dabei ist, sollten Eltern ebenfalls mit Gelassenheit angehen. Bieten Sie dem imaginären Freund einen Teller an oder fragen Sie das Kind, was der Freund essen möchte.

Meistens verschwindet ein imaginärer Freund von ganz allein, wenn das Kind gelernt hat, mit seinen Emotionen und Gedanken umzugehen. Sollten sich Kinder aber immer mehr zurückziehen und sich ganz bewusst für längere Zeit von der Außenwelt abwenden, können Sie sich vom Kinderarzt oder einem Kinderpsychologen beraten lassen.

Betrachten Sie einen imaginären Freund als Zeichen dafür, dass Ihr Kind eine ausgeprägte Fantasie hat und sich selbstständig Möglichkeiten sucht, um Geschehnisse besser verarbeiten zu können. Gehen Sie auf die Bedürfnisse des Kindes ein und belächeln Sie sie nicht. Am einfachsten ist es für Eltern, den imaginären Freund als einen lieben Gast zu behandeln; er bleibt eine Weile in der Familie und geht dann von allein wieder.

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