„Ich heirate eine Familie!“ ‒ Stiefeltern im neuen Familienglück

Stiefeltern im neuen Familienglück

Früher galt es als eher selten, heute ist es schon ganz normal, dass viele Kinder nicht mehr nur in einer Familie aufwachsen. Nach offiziellen Statistiken ist circa jede siebte Familie eine sogenannte Patchworkfamilie. Ungefähr eine Million Kinder leben in der Bundesrepublik Deutschland mit einem leiblichen Elternteil plus einer Stiefmutter beziehungsweise -vater und meist auch mit Stiefgeschwistern zusammen. Gute Stiefeltern brauchen die gleichen Fähigkeiten und Charaktereigenschaften, die auch gute Eltern in der traditionellen Kernfamilie ausmachen: viel Liebe, Verantwortungsbewusstsein, Geduld, Kompromissfähigkeit und den Willen, persönlich zu wachsen.

Der Start als neue Familie ist davon geprägt, dass jedes Familienmitglied zunächst seinen Platz darin finden muss. Welche Rolle sollten die Stiefeltern gleich von Anfang an einnehmen? Wenn Stiefeltern sich dessen bewusst sind, dass die leiblichen Mütter und Väter die Nummer 1 für die Stiefkinder bleiben, ist die erste Hürde schon genommen. Gute Stiefeltern vermitteln den Kindern in Wort und Tat, dass sie nicht beabsichtigen, den Platz der leiblichen Eltern einzunehmen. Damit nehmen Sie den kindlichen Verlustängsten, die häufig nach einer Trennung der Eltern auftreten, gleich den Wind aus den Segeln. Das Kind kann auf diesem Wege zu seiner emotionalen Ausgeglichenheit zurückfinden. Gute Stiefmütter und Stiefväter treten nie in Konkurrenz zu den leiblichen Eltern!

Die alltäglichen Erziehungsfragen gemeinsam klären

Stiefeltern müssen sich engagieren, damit das gemeinsame Leben gelingt. Es ist ganz normal, dass in der neuen Familie verschiedene Vorstellungen von richtiger Erziehung aufeinandertreffen. Da heißt es zunächst einmal, gelassen zu bleiben und das Gespräch miteinander zu suchen, in dem für alle akzeptable Lösungen gefunden werden.

Damit diese Grundsatzfragen nicht im Alltagstrubel untergehen, könnte beispielsweise an einem festen Tag in der Woche eine Familienkonferenz abgehalten werden. Zu diesem Termin setzen sich die Stiefeltern mit dem Partner beziehungsweise der Partnerin und den Kindern gemeinsam an einen „runden Tisch“. Nun dürfen alle Familienmitglieder vorbringen, was ihnen auf der Seele liegt. Dabei ist es von entscheidender Bedeutung, die Kinder auch wirklich ernst zu nehmen. Denn gerade Kinder spüren sehr genau, ob jemand ehrlich zu ihnen ist oder nur etwas vorgaukeln möchte. Die Vorschläge der Kinder müssen genauso diskutiert werden, wie die Vorstellungen der Stiefeltern und der leiblichen Eltern. So entsteht eine fruchtbare Gesprächskultur als wertvolle Basis für das gemeinsame Leben. Übrigens sollten in jeder Situation die eigenen Grenzen deutlich vermittelt werden. Das gilt für die Stiefeltern, aber auch für die Kinder. Wer die Grenzen seiner Stiefkinder respektiert, wird ihr Herz bestimmt gewinnen. Die erwachsenen Bezugspersonen stehen in der Verantwortung, wenn es darum geht, eine gleichberechtigte Gemeinschaft zu entwickeln. Alle Regeln, Normen und Werte, die in der neuen Familie gelten, sollten von jedem akzeptiert werden können.

Gute Stiefeltern sind erwachsene Freunde für die Kinder

Selbstverständlich sind Stiefmütter und -väter auch Respektspersonen, aber zuallererst dürfen sie den Kindern ihre Freundschaft anbieten. Dabei ist es wichtig, sich nicht anzubiedern, sondern sich so zu geben, wie man wirklich ist und fühlt. Die Stiefkinder sollten merken, dass die Stiefeltern es wirklich ernst mit ihnen meinen. Diese positive Grundstimmung ist die perfekte Basis für eine gute Beziehung, die von gegenseitigem Respekt und Wohlwollen geprägt ist. Stiefeltern sollten nicht allzu rasch in die Rolle der Erzieher schlüpfen. Das ergibt sich mit der Zeit meist ganz von allein. Doch wer gleich am Anfang das Kommando übernehmen will, der handelt sich meist Ablehnung ein. Für die Stiefeltern ist es das größte Geschenk, wenn sie das Vertrauen des Kindes bekommen. Das geschieht aber nur ganz selten von jetzt auf gleich. Sicherlich gibt es Kinder, die ihr Herz direkt und vorbehaltlos für die Stiefeltern öffnen. Das ist eine Frage der Persönlichkeit und des Charakters. Die meisten Kinder brauchen jedoch Zeit für diesen Prozess, da heißt es für die Stiefeltern: Geduld bewahren.

Stiefeltern sollten mit ihren Stiefkindern gemeinsam etwas unternehmen und Zeit verbringen, um ihnen zu zeigen, dass sie ihnen wichtig sind. Es müssen nicht immer spektakuläre Ausflüge in Freizeitparks sein. Auch bei einem gemeinsamen Waldspaziergang oder beim Vorlesen lernt man sich gegenseitig besser kennen und baut Vertrauen zueinander auf. Die Rolle der Stiefeltern hat gegenüber der klassischen Elternrolle auch Vorteile: Da man nicht die erzieherische Hauptverantwortung für das Kind trägt, kann man häufig gelassener mit dem Nachwuchs umgehen, was sich natürlich positiv auf die Beziehung zu dem Kind auswirkt. Und manchmal wiegt ein Lob über eine vollbrachte Leistung mehr, wenn es von der Stiefmutter oder dem Stiefvater kommt. Denn Kinder spüren ganz genau, dass sie dabei nicht durch die rosarote Brille der leiblichen Eltern betrachtet werden. Das kann ein Lob für eine gute Schulnote oder einen hohen Bauklotzturm umso wertvoller machen.

Top Kategorien im real Onlineshop