Heimweh: Wenn bei Kindern die Sehnsucht alles Schöne verdrängt

Heimweh Kinder

Heimweh – das Gefühl der Sehnsucht nach Vertrautem befällt vor allem Kinder. Sobald sie längere Reisen ohne Eltern unternehmen, fehlt ihnen die alltägliche Umgebung. Der Start ins Abenteuer verläuft häufig noch sehr positiv. Denn solange der Reiz des Neuen überwiegt, freuen sich Kinder auf den anstehenden Urlaub, den Bauernhofbesuch mit der Freundin oder Skiferien mit der Schulklasse. Bereits auf der Fahrt gibt es vieles zu sehen und auch am Urlaubsort lockt Unbekanntes, das entdeckt werden möchte.

Dunkle Ecken machen Angst

Die erste kritische Phase beginnt meist am Abend. Wenn der Tag vorüber ist und sich alle zu Bett begeben, fühlen sich Kinder in der ungewohnten Umgebung manchmal fremd. Die Möbel wirken auf einmal bedrohlich. Das Zimmer birgt scheinbar Verstecke für Wesen aus einer anderen Welt. Zudem fehlt das gewohnte Einschlafritual, das zusammen mit der Familie zelebriert wird. Heimweh stellt sich ein. Dieses Gefühl von Fremdsein äußert sich nicht in einem bestimmten Symptom. Vielmehr treten aus dem Nichts Zahnschmerzen, Bauchweh oder Verdauungsbeschwerden auf. Hinzu kommen Schlafstörungen und schlechte Träume. In ganz schweren Fällen steigern sich die Betroffenen in die Situation hinein, sodass sie sich weder ablenken noch trösten lassen.

Heimweh ist bei Kindern weit verbreitet

Zunächst einmal ist Heimweh eine gesunde Reaktion der Psyche. Sie weist auf einen Verlust hin, welcher der Seele zu schaffen macht. Bei intakten Familien ist es völlig normal, dass sich das Kind in außergewöhnlichen Situationen nach den Eltern sehnt. Schließlich trösten sie daheim bei Kummer, nehmen einen Teil der Sorgen ab. Nun müssen die Betroffenen lernen, für sich selbst verantwortlich zu sein, allein mit den eigenen Gefühlen klarzukommen und in ungewohnten Situationen ohne den Rat der Eltern auszukommen. Das ist im Grundschulalter noch recht schwer. Und so ist es nicht verwunderlich, dass bei einer Befragung unter 1.000 Jugendlichen 90 % schon einmal von Heimweh betroffen waren.

Ein gesundes Selbstbewusstsein schützt vor Heimweh

Selbstsichere Menschen haben die Fähigkeit, sich in ihrer Umgebung zu behaupten. Diesen Zustand zu erlangen ist die Voraussetzung, um von Heimweh verschont zu bleiben. Kinder, die sich etwas zutrauen, werden mit unerwarteten Situationen fertig. Bis es so weit ist, kann es einige Zeit dauern. Denn damit Kinder Selbstsicherheit erlangen, müssen sie einige Schwierigkeiten selbst meistern. Daher ist es in der Erziehung wichtig, Kindern früh Verantwortung zu übertragen. Mit kleinen Aufgaben, die erledigt werden, wächst das Selbstvertrauen. Lassen Sie Ihr Kind den Tisch decken, schicken Sie es Einkaufen. Die Art der Aufträge ist vom Alter abhängig. Dabei ist es wichtig, die Anforderungen an das Kind nicht zu hoch zu stellen. Denn ein Scheitern würde das Kind nur zusätzlich verunsichern. Genauso schädlich ist der Wunsch vieler Eltern, ihr Kind vor allem zu bewahren.

Stimmen Sie Ihr Kind positiv auf die Reise ein

Wenn Ihr Kind seine erste größere Reise vorhat, können Sie im Vorfeld eine Menge tun, um Heimweh zu vermeiden. Wer bereits früh mit kleinen Ausflügen anfängt, gewöhnt sein Kind an diese Situation. Hierfür bieten sich Übernachtungen im gewohnten Umfeld an. Schon im Kleinkindalter freut sich Ihr Nachwuchs auf zwei spannende Tage bei Oma und Opa oder den Paten. Je kleiner das Kind ist, desto vertrauter sollten Umgebung und Personen sein, um kein Heimweh aufkommen zu lassen. Bei den ersten Versuchen helfen Gewohnheiten, um eine heimelige Atmosphäre zu erzeugen. Sei es das übliche Nachtgebet oder eine Geschichte, die vorgelesen wird. Achten Sie auf das Thema der Geschichte: Spannende Geschichten erzeugen bei sensiblen Kindern oftmals wilde Fantasien, was Heimweh eher fördert. Auch abendliches Kuscheln oder das geliebte Kuscheltier, ein Foto oder ein Kissen, das nach Zuhause riecht, helfen über die ersten Stunden hinweg.

Auch die Jüngsten planen gerne einen Urlaub

Als Vorbereitung auf eine Reise ist es sinnvoll, Kinder mit in die Planung einzubeziehen, wenn dies möglich ist. Bei Schulveranstaltungen steht das Ziel fest. Handelt es sich um eine private Reise, bringt die gemeinsame Vorbereitung Spaß und Vorfreude. Sich den Urlaub in den schönsten Farben auszumalen, auf Aktivitäten vor Ort hinzuweisen, macht Eltern wie Kindern Spaß. Als kleine Probe bieten sich beispielsweise Übernachtungen im Garten an, die unter ähnlichen Bedingungen stattfinden. Auch weitere Vorbereitungen, wie gemeinsames Kofferpacken und Bilder vom Reiseziel im Internet oder Katalog anschauen, macht auf die Reise neugierig. Nebenbei verringert man das Risiko, dass sich ein Kind in der Ferne unwohl fühlt.

Vorsichtige Eltern übertragen ihre Angst auf das Kind

Ängstlichkeit überträgt sich. Sind Sie als Eltern voller Sorge, ist es relativ wahrscheinlich, dass Ihr Kind an Heimweh leiden wird. Vertrauen Sie Ihrem Nachwuchs und zeigen Sie ihm das auch. Kinder, die sich von den Eltern geliebt und unterstützt fühlen, sind in der Ferne frei von Heimweh. Dazu gehört, gleichermaßen von Elternseite loslassen zu können. Es ist in Ordnung, wenn sich das Kind bei der Ankunft meldet. Doch tägliches Telefonieren verunsichert sensible Kinder, vor allem, wenn sie im Gespräch die Unsicherheit ihrer Mutter oder ihres Vaters spüren.

Das Kind im Notfall abzuholen, hilft nicht

Spüren Sie trotz aller Vorsorgemaßnahmen bei Ihrem Kind eine Unsicherheit, die vor Ort in Heimweh umschlagen könnte, sollten Sie mit dem Betreuer Rituale besprechen. Durch bekannte Handlungen, wie das abendliche Hören eines Hörspiels, nimmt Ihr Kind etwas Liebgewonnenes von Daheim mit. Fährt bei der ersten großen Reise eine vertraute Person mit, kann das ebenfalls hilfreich sein. Die beste Freundin oder der beste Freund weiß recht gut, wie er Ihr Kind ablenken kann. Sollte jedoch alles nichts helfen, gibt es ein Geheimmittel, das seine Wirkung nie verfehlt: Heimweh-Tropfen. Ob Sie dazu eine homöopathische Tinktur nehmen oder einfach Wasser, bleibt Ihnen überlassen. Dem betroffenen Kind zu versprechen es im Notfall abzuholen, ist kontraproduktiv. Dies könnte das Heimweh beim Kind zusätzlich steigern. Steht es die schwierigen Tage durch, wächst das Selbstvertrauen enorm.

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