Hausarrest für Kinder als Bestrafung gesetzeswidrig und unsinnig

Hausarrest für Kinder

Hausarrest ist eine Bestrafung, um Kinder in Gehorsam zu unterweisen. Es wird ihnen während des Hausarrests untersagt die Wohnung, außer zur Erfüllung der Schulpflicht, zu verlassen. Diese Erziehungsmaßnahme war besonders in den 60er Jahren verbreitet und wurde seither als Methode überliefert. Obwohl viele Eltern keinen Sinn in dieser Maßnahme sehen, wenden sie den Hausarrest als Bestrafung an, weil sie es als Verhaltensmuster durch ihre Eltern erlernt haben. Eine aktuelle Umfrage der AOK belegt, dass in jeder vierten Familie dieses Mittel zum Einsatz kommt. Oftmals wird es als Ausgehverbot dargestellt, das Kindern den Besuch besonderer Events oder Hobbys untersagt. Der § 1631 Abs. 2 des BGB regelt, dass Kinder ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung haben. Unter Strafe stehen körperliche Züchtigung wie Schläge aber auch psychische Bestrafungen. Hausarrest als Strafe bewegt sich in der rechtlichen Grauzone, er kann unter Umständen strafbar sein. Dies ist dann gegeben, wenn der Hausarrest entwürdigend ist. Was genau darunter zu verstehen ist, regelt das Gesetz nicht. Im Sinne der Freiheitsberaubung ist das Wegsperren von Kindern strafbar: Wird das Kind eingeschlossen, auch nur über einen kurzen Zeitraum hinweg, dann ist das gesetzeswidrig. Besonders kritisch wird es, wenn das Kind von gemeinsamen Mahlzeiten mit der Familie ausgeschlossen werden soll. Ebenfalls problematisch ist, wenn jeglicher sozialer Kontakt untersagt wird. Unabhängig von der Zuwiderhandlung gegen bestehendes deutsches Gesetz, ist der Hausarrest in der Regel ohne positive Wirkung; im Gegenteil Sie können Ihrem Kind damit schaden: Durch das Einsperren des Kindes wird es in seinem Bewegungsdrang gebremst. Anstatt sportliche Betätigung im Freien zu fördern, ist das Kind gezwungen, sich Tätigkeiten im Haus oder gar im Zimmer zuzuwenden. Häufig endet Hausarrest in stundenlangen TV- oder PC-Sessions – für manche Kinder nicht unbedingt eine Strafe. Besonders ältere Kinder reagieren auf Bestrafungsmaßnahme trotzig und wütend und sind so noch viel weniger gewillt, ihr vorausgegangenes Fehlverhalten zu verstehen und langfristig zu ändern. Vielmehr fühlen sie sich ungerecht behandelt, da es keinen logischen Zusammenhang zwischen schlechtem Benehmen und dieser Strafe gibt. Wenn Sie eine Ausgangssperre verhängen, legen Sie in jedem Fall Ihre Gründe offen und sprechen Sie mit dem Kind darüber.

Hausarrest: in absoluten Ausnahmesituationen geeignet

Hausarrest kann dann sinnvoll sein, wenn es sich nicht um eine Bestrafung, sondern um eine Schutzmaßnahme handelt. Soll Ihr Kind vor schlechtem Umgang bewahrt werden, ist ein Hausarrest möglicherweise angebracht. Diese Maßnahme sollte aber nicht angewendet werden, wenn Eltern der Umgang des Kindes nicht passt, sondern nur dann, wenn wirklich Gefahr im Verzug ist. Kinder müssen ihre eigenen Erfahrungen sammeln, auch negative Erlebnisse gehören zum Älterwerden dazu. Um negative Einflüsse zu erkennen, müssen diese erlebt werden. Aus der Summe aller Erfahrungen bilden Kinder ihre Persönlichkeit, Eltern können diesen Prozess nicht abnehmen, indem sie negative Erlebnisse und Kontakte vorenthalten. Letztlich würde diese Negierungsstrategie zu heimlichen Treffen und mangelnder Aufrichtigkeit führen. Als Strafe sollten Sie von Hausarrest absehen. Es handelt sich bei dieser Strafe um eine reine Demonstration von Macht, die von den Erziehern gegenüber dem Kind ausgeübt wird. Keine Strafe ist dazu geeignet, Kindern ihr Fehlverhalten vor Augen zu führen und dieses mit Lerneffekt zu reflektieren. Häufig werden mit dieser Maßnahme nicht nur die unmittelbar betroffenen Kinder vorgeführt, sondern auch Geschwister oder Freunde: Wenn aufgrund des Arrestes Freunde nicht besucht werden können oder der Familienausflug gestrichen werden muss, straft die Maßnahme auch „Unschuldige“.

Besser logische Konsequenzen finden als autoritäre Strafen

Kinder sollten nicht bestraft werden, denn bei Strafen geht es immer um die Demonstration elterlicher Macht. Strafen sind eine Art Erpressung, sie sind ohne logischen Zusammenhang zum „Vergehen“ und bewirken damit keine langfristige Besserung im Sinne einer Einsicht. Manchmal wirken Strafen, da Angst aufgebaut wird und dadurch blinder Gehorsam erzwungen wird. Eine negative Folge können Vermeidungshaltungen sein, die nicht nur ungewünschtes Verhalten ausschalten, sondern auch andere, gewünschte Verhaltensmuster unterdrücken lässt. Eltern sollten mehr Lernbegleiter als autoritäre Erzieher sein, geht es doch schließlich darum, das Kind ein Stück seines Lebensweges zu begleiten und ihm dabei helfend zur Seite zu stehen, um Wissen zu erwerben, das es im späteren, erwachsenen Leben braucht. Zu diesem Wissen gehören unter anderem soziale Verhaltensweisen und bestimmte Regeln, die für das Zusammenleben wichtig sind. Hat das noch lernende Kind gegen diese Verhaltensregeln verstoßen, so ist eine Strafe ohne langfristigen Effekt. Besser ist es, eine Konsequenz aus diesem Fehlverhalten aufzuzeigen und das Kind so zum Nachdenken zu bringen, um künftig eine Verhaltensänderung zu bewirken.

Alternativen zum Hausarrest

  • Eine Konsequenz für ein unaufgeräumtes Zimmer könnte beispielsweise sein, dass solange nichts Neues gespielt werden kann. Erst wenn aufgeräumt wurde, dann ist Platz für ein gemeinsames Spiel.
  • Ein anderes Beispiel für eine Konsequenz ist, wenn das Kind, das sich gegen Hausaufgaben wehrt, eben ohne diese in die Schule geschickt wird und dort direkt die Konsequenz ertragen muss.
  • Kommt Ihr Kind regelmäßig nach der Schule nicht wie vereinbart direkt nach Hause, sondern bleibt bis abends fern, holen Sie es von der Schule ab. Testen Sie nach einer Weile, ob sich Ihr Kind nun an die Vereinbarungen hält. Ihr Kind möchte sicher lieber selbstständig sein und nicht immer von der Mutter abgeholt werden.

Um Fehlverhalten zu vermeiden, sollten auch die geltenden Regeln überprüft werden. Sind alle aufgestellten Gebote logisch und nachvollziehbar? Zudem sollten Eltern nur an Regeln festhalten, die unbedingt nötig sind und nicht an solchen, die „aus Prinzip“ gelten oder „weil es eben so ist“.

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