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Erziehungsstile: was sie unterscheidet und worauf Eltern achten sollten

Verschiedene Erziehungsstile und worauf Eltern achten sollten

Ein Kind bringt große Freude – und große Verantwortung. Vor allem das Thema Erziehung stellt Eltern vor eine große Herausforderung. Denn kaum etwas wird so kontrovers diskutiert wie die Frage nach der „richtigen“ Erziehung. Ob streng oder locker, laut oder leise, autoritär oder liebevoll – jede Meinung findet in der Ratgeberliteratur sowohl Verfechter als auch Kritiker. Warum es für Erziehung keine Patentlösung gibt, was hinter den einzelnen Erziehungsstilen steckt und mit welchen Tipps Sie die Basis für Ihren ganz persönlichen Erziehungsstil schaffen, lesen Sie hier.

Alles Gute!
Ihr Meine Familie Team

Was ist Erziehung?

Vereinfacht werden unter Erziehung alle sozialen Handlungen verstanden, die den Geist und Charakter eines Menschen bilden und seine Entwicklung fördern. Bringen Sie Ihrem Kind also beispielsweise bei, dass Lügen nicht in Ordnung ist oder dass es keine Schwäche ist, Fehler einzugestehen; so vermitteln Sie ihm damit eine bestimmte Wertvorstellung – Ehrlichkeit ist wichtig, Fehler sind menschlich. Durch Erziehung werden also persönliche oder gesellschaftliche Werte und Einstellungen transportiert. Und diese sind vor allem für Kinder wichtig, um sich in der Welt zurechtzufinden. Erziehung ist deshalb ein wesentlicher Bestandteil des Sozialisationsprozesses.

Und obwohl Erziehung genauso vielfältig ist wie die Familien, in denen sie stattfindet – bei dem übergeordneten Ziel sind sich alle Eltern einig. Erziehung soll Kinder dabei unterstützen, sich zu glücklichen, selbstständigen und selbstsicheren Menschen zu entwickeln. Dafür werden, je nach Überzeugung und eigener Erfahrung, ganz unterschiedliche Absprachen getroffen, Regeln formuliert und Grenzen gezogen – oder auch nicht

Alles eine Frage des Erziehungsstils?

Erziehen Sie autoritär oder eher demokratisch? Die wenigsten Eltern können ihren Erziehungsstil konkret benennen. Kein Wunder, denn Erziehung ist situationsabhängig und komplex – kein Elternteil ist immer streng oder immer laisser faire, ein Kind braucht Ermutigung, ein anderes klare Ansagen und Grenzen. Trotzdem lassen sich bei näherem Hinschauen oft gewisse Grundhaltungen erkennen, die Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder einnehmen. In der Pädagogik werden diese oft danach unterschieden, wie autoritär die Elternrolle ist und inwieweit die kindlichen Bedürfnisse respektiert und berücksichtigt werden. Im Folgenden stellen wir Ihnen fünf verschiedene Erziehungsstile etwas genauer vor.

     

    Autoritärer Erziehungsstil – „Du tust, was ich dir sage!“

    Der autoritäre Erziehungsstil steht für strenge Regeln, Vorschriften und Anweisungen. Hier stehen ganz klar die Eltern an der Spitze der Familienhierarchie. Sie entscheiden, was wie getan werden soll, und bestrafen unerwünschtes Verhalten:

    • strenge Hierarchie, klare Regeln und Vorschriften
    • Eltern tragen Verantwortung, bestimmen und entscheiden
    • Lob und Bestrafung als typische Erziehungsmittel
    • eher distanziertes Eltern-Kind-Verhältnis
    • Bedürfnisse des Kindes sind zweitrangig

    Warum autoritäre Erziehung problematisch ist
    Autoritär erzogenen Kindern fällt es oft schwerer, eigene Entscheidungen zu treffen und ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln – schließlich sind sie es gewohnt, sich den Entscheidungen der Eltern zu fügen, auch wenn die eigenen Wünsche und Bedürfnisse auf der Strecke bleiben. Autoritäre Erziehung wird heute kritisch betrachtet, denn zwischen Regeln, Vorschriften und Verboten bleibt nicht viel Raum für Selbstentfaltung und Kreativität. Im Extremfall wird beim autoritären Stil Erziehung mit Einschüchterung verwechselt und es werden nicht nur Lob und Bestrafung, sondern auch Drohungen ausgesprochen. Eine Situation, in der sich Kinder weder geborgen, noch sicher fühlen und wenig Chancen haben, sich zu selbstbewussten und selbstständigen Erwachsenen zu entwickeln.

    Autoritativer Erziehungsstil – bestimmt, aber liebevoll

    Auch wenn „autoritär“ und „autoritativ“ ähnlich klingt – in einem Punkt unterscheiden sich die beiden Erziehungsstile durchaus. Denn im Gegensatz zur autoritären Erziehung zeichnet sich die autoritative Erziehung durch mehr emotionale Wärme, Akzeptanz und Kommunikationsbereitschaft seitens der Eltern aus:

    • strenge Hierarchie, klare Regeln und Vorschriften
    • Eltern tragen Verantwortung, bestimmen und entscheiden
    • kindliche Bedürfnisse werden respektiert, Interaktionsversuche werden ernst genommen
    • Kombination aus strenger Führung und emotionaler Wärme

    Laisser-faire-Erziehungsstil – „Mach, was du willst!“

    „Laisser-faire“ bedeutet sinngemäß so viel wie „machen lassen“ oder „laufen lassen“. Und der Name ist Programm – denn in der Laisser-faire-Erziehung können Kinder tun und lassen, was sie wollen. Die Eltern nehmen hier eine passive bzw. neutrale Rolle ein. Regeln und Grenzen gibt es nicht, es wird weder fördernd noch erziehend in das Leben des Kindes eingegriffen:

    • Eltern verhalten sich übermäßig tolerant und passiv
    • Regeln, Richtlinien und Verbote existieren so gut wie gar nicht
    • Das Kind kann tun und lassen, was es will
    • Es werden keine Erwartungen an das Kind gestellt
    • Wenig Unterstützung und Wertschätzung seitens der Eltern
    • Gefahr der Vernachlässigung

    Nachteile einer Laisser-faire-Erziehung: Viel Freiraum ist nicht immer positiv – denn nicht jedes Kind kann mit einer solchen Verantwortung umgehen. In der Extremform werden Kinder beim Laisser-faire-Erziehungsstil sozusagen sich selbst überlassen und bleiben orientierungslos zurück.

    Demokratischer Erziehungsstil – gemeinsam entscheiden

    Wertschätzung, Mitbestimmung, Augenhöhe – auf diese Prinzipien baut der demokratische Erziehungsstil. Ein Rahmen aus klaren Regeln und Grenzen schafft Sicherheit und Orientierung. Gleichzeitig werden aber auch selbstständiges Denken und Handeln gezielt gefordert und gefördert:

    • Eltern-Kind-Beziehung auf Augenhöhe
    • Beziehung geprägt von Wärme, Zuneigung und Verbundenheit
    • respektvoller, wertschätzender Umgang
    • Eltern beziehen Kind in Entscheidungen ein
    • offener Umgang mit Emotionen und Fehlern
    • Förderung von Eigeninitiative und Selbstständigkeit

    Egalitärer Erziehungsstil – gleiches Recht für alle

    Die egalitäre Erziehung ist eine Steigerungsform des demokratischen Erziehungsstils. Hier gibt es keine Hierarchie, d.h., Eltern und Kind sind vollkommen gleichberechtigt

    • keinerlei Hierarchie innerhalb der Familie
    • Eltern und Kind sind vollkommen gleichberechtigt
    • Eltern geben keine „Befehle“
    • Alle Entscheidungen werden gemeinsam diskutiert und getroffen
    • starker Fokus auf Eigeninitiative und Selbstständigkeit

    Nachteile einer egalitären Erziehung: Egalitär erzogene Menschen haben als Erwachsene tendenziell mehr Schwierigkeiten damit, sich Autoritätspersonen unterzuordnen und Befehle entgegenzunehmen. 

    Erziehung braucht eine Basis – Tipps für Eltern und Erzieher

    Neben den oben aufgeführten Erziehungsstilen gibt es noch viele weitere Meinungen und Ansätze, die sich teilweise ähneln, teilweise aber auch widersprechen.  Kein Wunder, dass es vielen Eltern schwerfällt, sich in Erziehungsfragen klar und selbstbewusst zu positionieren.

    Jede Familie ist anders, jedes Kind hat individuelle Bedürfnisse und Eigenschaften, jedes Alter bringt besondere Herausforderungen mit sich. Maßnahmen, die bei einem Kleinkind funktionieren, lassen ein Schulkind völlig kalt – und interessieren einen Teenager erst recht nicht. Was Sie als Eltern tun können, um trotzdem eine sichere Basis zu schaffen und eine vertrauensvolle Beziehung zu Ihren Kindern aufrechtzuerhalten, lesen Sie hier.

    Von Mensch zu Mensch – begegnen Sie Ihrem Kind auf Augenhöhe

    Kinder sind auch nur Menschen. Sie wollen gehört, respektiert, gebraucht und ernst genommen werden.

    Unser Tipp für den Alltag: Warten Sie auf die nächste Situation, in der Sie ein Verbot aussprechen müssen (sie wird kommen, versprochen). Jetzt verhalten Sie sich so, als säße nicht Ihr Kind, sondern ein geschätzter Freund vor Ihnen. Wie würden Sie mit ihm umgehen? Vermutlich würden Sie ihm in aller Ruhe erklären, warum Sie sich über die trotzige Art ärgern, warum der geäußerte Wunsch nicht realisierbar ist, oder dass Sie das Verbot nur aussprechen, weil Ihr Freund Ihnen so wichtig ist und Sie ihn beschützen wollen. Auf jeden Fall würden Sie auf Aussagen wie „Weil ich es sage“ oder „Wenn du nicht aufhörst, dann…“ verzichten, oder?

    Machen Sie doch einfach aus „Ich möchte, dass du die warme Jacke anziehst“ den folgenden Satz: „Diese Jacke ist zu dünn, damit wirst du draußen auf dem Spielplatz frieren. Nimm lieber die dicke Jacke, dann können wir lange draußen bleiben.“ Sie werden sehen: Verstehen ist langfristig sehr viel wertvoller als gehorchen.

    Bleiben Sie flexibel
    Seien Sie aufmerksam für individuelle Bedürfnisse, Stärken und Schwächen Ihrer Kinder und wenden Sie nicht stur den Erziehungsstil an, auf den Sie sich festgelegt haben, sondern den Erziehungsstil, den die konkrete Situation erfordert.

    Bedingungslose Liebe – Kinder sind nicht ihr Verhalten

    „Du bist ein böses Kind“, „Du bist ungeschickt“ – ohne es böse zu meinen, setzen Eltern mit Aussagen wie diesen ihre Kinder mit deren Verhalten gleich. Und das ist nicht fair – auch wir Erwachsenen finden es nicht in Ordnung, wenn uns jemand aufgrund unseres Verhaltens in einer Situation gleich in eine Schublade steckt. Hinzu kommt, dass Kinder oft nur schwer mit einem solchen „Abstempeln“ umgehen können. Vor allem der beliebte „Gutes Kind/böses Kind“-Vergleich gibt Kindern das Gefühl, sie müssten sich die elterliche Liebe erst „verdienen“. 

    Unser Tipp für den Alltag: Haben Sie keine Angst, Ihr Kind zu kritisieren, aber tun Sie es auf Augenhöhe und konstruktiv. Unterscheiden Sie dabei klar zwischen Person und Verhalten. Ein Beispiel: Sagen Sie nicht: „Du kannst dich nicht benehmen“, sondern: „Dein Verhalten gerade war sehr unhöflich. Ich finde es schade, dass du Tante Anna nicht die Hand geben wolltest, sie hat sich so gefreut, dich zu sehen!“ Achten Sie darauf, Ihr Kind nicht zum Objekt Ihrer eigenen Erwartungen, Wünsche und Vorstellungen zu machen, und zeigen Sie deutlich, dass Ihre elterliche Liebe und Zuneigung zu keinem Zeitpunkt an irgendwelche Bedingungen geknüpft sind.

    Die Dosis macht das Gift – vermeiden Sie Extreme

    Ständiges Lob vs. dauernde Nörgelei, völlige Freiheit vs. permanente Kontrolle: Wie bei so vielen Dingen ist auch bei Erziehungsfragen ein gesundes Mittelmaß gefragt. Ständige Anerkennung und unverhältnismäßiges Lob kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass Ihr Kind sich selbst und seine Fähigkeiten überschätzt oder auch im Erwachsenenalter immer auf der Suche nach Halt und Anerkennung ist. Auch mit anderen Extremen wie völliger Freiheit oder absoluter Kontrolle tun Sie weder Ihren Kindern noch sich selbst einen Gefallen. 

    Unser Tipp für den Alltag: Geizen Sie nicht mit Lob und zeigen Sie, dass Sie stolz sind. Achten Sie aber darauf, dass Ihre Anerkennung in der Situation auch angemessen ist. Nicht jede Rutschfahrt muss mit einem „Das hast du prima gemacht!“ belohnt werden – vor allem, wenn Sie merken, dass Ihrem Kind etwas leichtfällt. Sonst werden bald die schönsten Sandburgen gebaut, nur um Sie zu beeindrucken, nicht aber, weil es Spaß macht. Auch in Bezug auf die Kontrolle ist ein Mittelmaß gefragt. Lassen Sie sich die Zügel nicht aus der Hand nehmen, aber dulden Sie hin und wieder auch mal einen Richtungswechsel – so zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie ihm vertrauen.

    Finden Sie Ihren eigenen Erziehungsstil
    Lassen Sie sich nicht verunsichern und vertrauen Sie auf Ihr Gefühl. Denn Sie kennen Ihre Kinder besser als jeder Ratgeber, Nachbar oder Ihre Schwiegermutter.

    Vorbilder gesucht – kehren Sie vor der eigenen Haustür

    Kluge Ratschläge und pädagogische Maßnahmen hin oder her – ein Großteil der Erziehung findet durch Imitation und zwischen den Zeilen statt. Denn Kinder orientieren sich intuitiv an dem Verhalten ihrer Eltern. Wenn Sie also von Ihrem Kind erwarten, dass es freundlich, respektvoll, sozial und fröhlich ist, dann seien auch Sie freundlich, respektvoll, sozial und fröhlich.

    Unser Tipp für den Alltag: Machen Sie sich Ihre wichtige Vorbildfunktion immer wieder bewusst und hinterfragen Sie ehrlich, ob Sie Ihre Erwartungen an andere auch selbst erfüllen. Leben Sie Ihrem Kind jeden Tag genau das vor, was Sie ihm vermitteln möchten – durch Ihren Umgang mit den eigenen Eltern, Geschwistern, Nachbarn und Kollegen und durch Ihre Art, Konflikte zu lösen, zu diskutieren, zu streiten, zu leben und zu lieben.

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