Die zehn wichtigsten Fakten zur Elternzeit

Elternzeit

Windeln wechseln, Bilderbücher anschauen, im Sandkasten buddeln – immer mehr Arbeitnehmer in Deutschland entscheiden sich für eigene Kinder und nehmen die vom Staat im Jahr 2007 eingeführte Elternzeit in Anspruch. Die Elternzeit und das Elterngeld lösten den 20 Jahre lang geltenden Erziehungsurlaub und das Erziehungsgeld ab. Noch immer herrscht unter werdenden Eltern aber große Unsicherheit bezüglich Anmeldefristen und Dauer der Elternzeit sowie der Höhe, Berechnung und Bezugsdauer des Elterngeldes. Deshalb finden Sie hier die wichtigsten Fakten zur Elternzeit noch einmal übersichtlich zusammengefasst.

1. Was verbirgt sich hinter dem Begriff Elternzeit?

Angestellte Arbeitnehmer haben nach der Geburt ihres Kindes einen Anspruch auf eine Freistellung von ihrer Arbeit. Diesen begrenzten Zeitraum bezeichnet man in Deutschland und auch in anderen europäischen Ländern als Elternzeit. In dieser Zeit ruht das Arbeitsverhältnis. Nach der Elternzeit haben Eltern Anspruch auf eine Rückkehr zur früheren Arbeitszeit. In Deutschland wird die Elternzeit durch das im Januar 2007 in Kraft getretene Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) geregelt. Dieses Gesetz besagt, dass alle Eltern nach der Geburt ihres Kindes Anspruch auf eine sogenannte Entgeltersatzleistung haben, die man als Elterngeld bezeichnet.

2. Wie lange kann ich Elternzeit in Anspruch nehmen?

Die Elternzeit ist auf drei Jahre begrenzt. Beginn und Ende sind vom Antragssteller innerhalb der ersten Jahre frei wählbar. Ist der Arbeitgeber einverstanden, können zwölf der insgesamt 36 Monate auch in der Zeit zwischen dem 3. und 8. Geburtstag des Kindes als Elternzeit genommen werden. Es besteht auch die Möglichkeit, dass beide Elternteile gleichzeitig in Elternzeit gehen.

3. Wer hat Anspruch auf Elternzeit, wer auf Elterngeld?

Anspruch auf Elternzeit haben alle angestellten Arbeitnehmer. Anspruch auf Elterngeld hat, wer

  • sein Kind nach der Geburt selbst betreut und erzieht,
  • mit seinem Kind in einem Haushalt lebt,
  • seinen ständigen Wohnsitz in Deutschland hat und
  • nicht mehr als 30 Stunden in der Woche arbeitet.

Für Studenten und Auszubildende gilt die 30-Stunden-Regelung nicht. Diese können ihrer Ausbildung in vollem Maße nachgehen. Eltern, die im Kalenderjahr vor der Geburt ein zu versteuerndes Einkommen von mehr als 500.000 Euro vorweisen können, haben keinen Anspruch auf das Elterngeld. Bei Alleinerziehenden reduziert sich der Betrag auf 250.000 Euro. Nicht erwerbstätige Arbeitnehmer erhalten einen Betrag von 300 Euro monatlich.

4. Wie hoch ist das Elterngeld?

Die Höhe des Elterngeldes richtet sich nach dem Nettoeinkommen des Antragstellers, das der Arbeitnehmer vor der Geburt seines Kindes verdient hat. Das Elterngeld wird monatlich ausgezahlt und beträgt mindestens 300 Euro und höchstens 1.800 Euro. Eltern, die vor der Geburt ihres Kindes ein Nettoeinkommen von mindestens 1.240 Euro erzielten, haben Anspruch auf 65 % dieses Betrags. Bei einem Nettoeinkommen von 1.220 werden 66 % gezahlt und bei einem Nettoeinkommen zwischen 1.000 Euro und 1.200 Euro 67 %. Bei Mehrlingsgeburten oder älteren Geschwistern kann sich der monatliche Betrag erhöhen.

5. Wie wird das Elterngeld berechnet?

Ausschlaggebend für die Berechnung des Elterngeldes ist die Einkommenssituation des Antragsstellers in den letzten zwölf Kalendermonaten vor der Geburt. Um das durchschnittliche Monatseinkommen zu ermitteln, wird das bereinigte Nettoeinkommen dieser Monate addiert und die Summe durch zwölf geteilt. Weiter zurückliegende Monate werden nur unter besonderen Bedingungen berücksichtigt.

6. Wie lange kann ich Elterngeld beziehen?

Das Elterngeld kann ausschließlich in den ersten 14 Lebensmonaten eines Kindes bezogen werden. Ein Elternteil hat Anspruch auf mindestens zwei und höchstens zwölf Monate Elterngeld. Nehmen beide Elternteile das Elterngeld in Anspruch, haben sie Anspruch auf zwei weitere Monate, die sogenannten Partnermonate. Insgesamt können also 14 Monate lang Elterngeld gezahlt werden.

7. Wo und wie kann ich Elternzeit bzw. Elterngeld beantragen?

Die Elternzeit wird beim Arbeitgeber mit einem förmlichen Schreiben beantragt. Ansprechpartner für alle Fragen bezüglich des Elterngeldes sind die sogenannten Elterngeldstellen. Diese wurden nach der Einführung der Elternzeit in allen Städten und Kreisen eingerichtet. Hier erhalten Sie auch die Vordrucke für die Elterngeldanträge. Die nächstgelegene Elterngeldstelle finden Sie im Internet.

8. Welche Anmeldefristen müssen beachtet werden?

Der Antrag auf Elternzeit muss spätestens sieben Wochen vor dem Beginn der Elternzeit beim Arbeitgeber eingereicht werden. In diesem Antrag müssen Sie sich verbindlich festlegen, in welchem Zeitraum der nächsten zwei Jahre Sie in Elternzeit gehen möchten.

Das Elterngeld kann erst nach der Geburt eines Kindes beantragt werden. Es wird rückwirkend aber nur bis zu drei Monaten gezahlt. Deshalb sollten Sie den Antrag möglichst rechtzeitig bei Ihrer Elterngeldstelle einreichen.

9. Darf ich Elterngeld beziehen und trotzdem arbeiten?

Eltern, die in Teilzeit arbeiten und eine wöchentliche Arbeitszeit von 30 Stunden nicht überschreiten, können Elterngeld beziehen. Allerdings wird die Höhe des Einkommens aus der Teilzeitarbeit bei der Berechnung des Elterngeldes berücksichtigt. Haben Sie vor, nach dem Mutterschutz Teilzeit zur arbeiten, müssen Sie das der zuständigen Elterngeldstelle schnellstmöglich mitteilen. Diese muss das Elterngeld dann für die Monate mit Teilzeitbeschäftigung neu berechnen.

10. Muss ich Elternzeit nehmen, um Anspruch auf Elterngeld zu haben?

Nein, der Anspruch auf Elterngeld setzt nicht zwingend voraus, dass der Antragssteller in Elternzeit geht. Auch Freiberufler, Hausfrauen und Hausmänner sowie Auszubildende und Studenten haben Anspruch auf Elterngeld. Arbeitnehmer gehen aber in der Regel in Elternzeit, um die für den Anspruch auf Elterngeld erforderliche 30 Stunden Wochenarbeitszeit nicht zu überschreiten.

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