Die zehn besten Methoden, Ihr Kind sprachlich zu fördern

Kind sprachlich fördern

Das Thema Sprachförderung ist seit dem PISA-Schock vor mehr als zehn Jahren in aller Munde. Wie Sie Ihr Kind schon von klein auf sprachlich fördern können, erfahren Sie hier. Jedes fünfte Kind in Deutschland leidet unter Sprachentwicklungsstörungen – Tendenz steigend. Kinderärzte, Logopäden, Sprachheilpädagogen und Psychologen äußern sich besorgt angesichts voller Praxen. Die Gründe für Spracharmut und Sprachstörungen sind nur in den seltensten Fällen physischer Natur. Hauptursache für einen verspäteten Grammatik- und Wortschatzerwerb ist vielmehr ein kommunikationsarmes Umfeld. Der steigende Medienkonsum im Kleinkindalter und die fehlende soziale Interaktion innerhalb der Familie führen bei vielen Kindern zu Sprachentwicklungsstörungen, die sich, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt werden, zu dauerhaften Sprachstörungen entwickeln können. Mit Sprachförderprogrammen in den Kitas und Grundschulen bemühen sich Logopäden und Pädagogen, Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu behandeln. Denn Sprachkompetenz gilt als wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Schul- und Berufslaufbahn. Wie Sie Ihr Kind von Anfang an mit einem sprachanregenden Umfeld fördern können, lesen Sie im Folgenden.

1. Vorsingen und gemeinsam singen

Schon Babys und Krabbelkinder reagieren äußerst positiv auf Musik, indem sie lächeln und sich bewegen. Singen Eltern ihren Kindern etwas vor, lauschen Sie gespannt dem Klang ihrer Stimme. Das Vorsingen und das spätere gemeinsame Singen vermitteln Kindern Sprachrhythmus und Sprachmelodie ihrer Muttersprache(n), vor allem aber den Spaß an der Sprache – eine wichtige Voraussetzung für die Sprachentwicklung.

2. Fingerspiele, Kniereiter und Reime

Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen, … - viele Eltern werden dieses altbekannte Fingerspiel noch aus ihrer eigenen Kindheit kennen. Unbewusst förderten Generationen von Eltern ihre Kinder mit Fingerspielen, Kniereitern und Reimen sprachlich. Die z.T. sehr alten Sprachspiele sind bei Babys und Kleinkindern immer noch unglaublich beliebt und stärken auch die emotionale Bindung zwischen Eltern und Kind. Kleinkinder gewöhnen sich an den Rhythmus und die Laute der Sprache.

3. Gemeinsam Bilderbücher anschauen

Ab etwa einem halben Jahr können Sie mit Ihrem Kind anfangen, einfache Bilderbücher anzuschauen. Besonders beliebt bei ganz kleinen Lesern sind sogenannte Fühlbücher zum Anfassen. Für den Anfang eignen sich Bilderbücher mit einem Bild pro Seite. Sie helfen Kindern, die Symbolebene zu verstehen – eine wichtige Voraussetzung für das spätere Lesenlernen. Ab ca. anderthalb Jahren stehen bei Kleinkindern Wimmelbücher ganz oben auf der Beliebtheitsskala: Auf den großflächigen Bildern gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken und zu benennen. Die farbenfrohen und detailreichen Illustrationen bieten zahlreiche Sprachanlässe. Beim gemeinsamen Betrachten der Bilder erweitern und festigen Kinder spielerisch ihren Wortschatz.

4. Viel vorlesen

Das Vorlesen ist eine der wichtigsten Methoden, um Kinder sprachlich zu fördern. Leider kommt es heute in vielen Familien zu kurz. Neben der Sprachentwicklung fördert das Vorlesen die Konzentration sowie die Fantasie und die Kreativität. Nehmen Sie sich deshalb regelmäßig Zeit für das Vorlesen. Lassen Sie Ihr Kind selbst ein Buch auswählen und machen Sie es sich beim Lesen gemütlich. Leseempfehlungen für Kinder und Jugendliche finden Sie bei der Stiftung Lesen.

5. Viel mit dem Kind sprechen

Kinder lernen eine Sprache unter anderem durch Imitation. Wachsen sie in einer kommunikationsarmen Umgebung auf, bleiben sie sprachlich auf der Strecke. Deshalb sollten Sie von Anfang an viel mit ihrem Baby und Kleinkind sprechen. Die Ansprache ist nicht nur eine Form der Zuwendung, sondern sorgt auch dafür, dass Kinder ein Gefühl für ihre Muttersprache bekommen. Sie lernen die Sprachmelodie kennen und unterschiedliche Stimmen zu unterscheiden.

6. Das eigene Handeln sprachlich begleiten

Begleiten Sie Ihr eigenes Tun sprachlich, auch wenn das Monologisieren Ihnen am Anfang gewöhnungsbedürftig erscheint. Erklären Sie Ihrem Kind, was Sie gerade tun und binden Sie es soweit es geht in Ihre Tätigkeiten ein. Ihr Kind wird Ihnen aufmerksam zuhören und schon bald einen Zusammenhang zwischen Ihrem Handeln und Ihren Worten herstellen.

7. Gemeinsam spielen

Beim Spielen entdecken Kinder die Welt – und auch die Sprache. Bieten Sie Ihrem Kind deshalb vielfältige Spielanregungen. Das müssen aber keine speziellen Spiele zur Sprachförderung sein. Besonders beliebt bei Kleinkindern sind Rollenspiele wie Mutter und Kind, Kaufladen oder Doktor. Beim Nachstellen von Alltagssituationen bauen Kinder ihren Wortschatz aus und festigen grammatische Strukturen. Ab 3 bis 4 Jahren können Sie mit Ihrem Kind auch einfache Gesellschaftsspiele wie Memory oder Domino spielen. Bei diesen Spielen benennen Kinder viele unterschiedliche Gegenstände und erweitern so ihren Wortschatz.

8. Korrigieren - die verbesserte Wiederholung (corrective feedback)

Kein Kind spricht von Anfang an perfekt. Die richtige Aussprache und die grammatisch korrekte Bildung von Wörtern und Sätzen müssen geübt werden. Korrigieren Sie Ihr Kind immer, indem Sie die sprachlich korrekte Formulierung beiläufig noch einmal wiederholen. Machen Sie sich nie über eine Formulierung lustig oder ziehen Sie Ihr Kind mit seinen Fehlern auf. Das verunsichert Kinder und nimmt ihnen die Lust und Freude am Sprechen.

9. Babysprache nur in Maßen verwenden

Wau wau, brumm brumm, Kikeriki – die lautmalerische Bezeichnung von Gegenständen und Handlungen wird von vielen Eltern vor allem in den ersten zwei Lebensjahren benutzt. Doch die Vereinfachung ist für die Sprachentwicklung Ihres Kindes nicht immer förderlich. Bemühen Sie sich möglichst frühzeitig, Gegenstände, Personen und Handlungen bei ihrem richtigen Namen zu nennen.

10. Dem Kind Gelegenheit zum Sprechen geben

Übung macht den Meister – das gilt auch für das Sprechen. Je mehr Gelegenheit Ihr Kind hat, sich sprachlich zu äußern, desto besser und sicherer wird es sich sprachlich ausdrücken.

  • Unterbrechen Sie Ihr Kind nicht beim Erzählen und hören Sie ihm aufmerksam zu. Nur so fühlt es sich ernst genommen.
  • Ermuntern Sie es mit Fragen zum Sprechen.
  • Beantworten Sie alle Fragen Ihres Kindes ausführlich.
  • Loben Sie Ihr Kind, auch wenn Formulierungen und Wörter noch fehlerhaft sind.