Der Kaiserschnitt – eine Modeerscheinung oder tatsächlich von Vorteil?

Die richtige Hebamme finden

Die spontane Geburt des ersten Kindes dauert im Durchschnitt 10 bis 12 Stunden. Demgegenüber steht eine kurze Betäubungsspritze, ein rascher Schnitt durch die Bauchdecke und schon ist das Baby da – der Kaiserschnitt ermöglicht die vermeintlich schmerzfreie Geburt in unter einer Stunde und das sogar zum Wunschtermin. Keine zehrende Eröffnungsphase, keine schmerzhafte Austreibungsphase und alles ohne Verletzungen im Intimbereich. Ist der Kaiserschnitt eigentlich eine Notfallmaßnahme der Medizin, hat er sich inzwischen zu einer Standard-Geburtsmethode entwickelt, die immerhin bei jedem dritten Kind in Deutschland angewendet wird. Regional ist die Häufigkeitsverteilung des Kaiserschnittes sehr unterschiedlich. In manchen Regionen werden mehr als die Hälfte aller Neugeborenen per Kaiserschnitt entbunden. Offiziell bezahlen die Krankenkassen den Wunschkaiserschnitt nicht; dennoch ist etwa ein Drittel aller Kaiserschnittgeburten auf den Wunsch der Eltern zurückzuführen, eine vaginale Geburt wäre möglich gewesen. Realisiert wird das durch so genannte weiche Indikationen, die der Arzt als Grund für den Kaiserschnitt angibt. Das können unter anderem Bluthochdruck, schlechte Erfahrungen, ein höheres Alter der Mutter oder auch ein großes Kind sein. Viele Eltern entscheiden sich bewusst für einen Kaiserschnitt. Die Gründe sind vor allem die Angst vor einem Dammriss und Inkontinenz und auch die Angst vor dem Wehenschmerz. Die Planbarkeit des Kaiserschnittes, der am Wunschtermin erfolgen kann, spielt eine eher untergeordnete Rolle.

Die Nachteile der Geburt per Kaiserschnitt

Ein Kaiserschnitt ist ein operativer Eingriff. Aus diesem Grund birgt er auch ein entsprechendes Risiko. Neben der Gefahr der Unverträglichkeit der Narkose bedeutet der Kaiserschnitt vor allem eine Operation im Bauchraum und an den inneren Organen. Bei der Sectio werden die oberen Schichten der Bauchdecke durchschnitten. Dafür müssen sowohl Fettgewebe als auch Muskelfasern aufgetrennt werden, um anschließend einen Schnitt durch die Decke der Gebärmutter setzen zu können. Das Risiko der Verletzung von Organen und Wundheilungsstörungen und Infektionen besteht. Zudem kann es zu Verwachsungen und Problemen bei der Narbenbildung kommen. Nach dem operativen Eingriff sind Mütter geschwächt und können oft ohne fremde Hilfe nicht für ihr Kind sorgen. Neben Problemen beim Stillen, die hormonelle Ursachen haben und daraus resultieren, dass bei der Geburt kein natürlicher Hormoncocktail ausgeschüttet wurde, der die Milchbildung eingeleitet hat, sind es vor allem die körperlichen Einschränkungen, mit denen die Mutter leben muss: Die schmerzende Narbe auf dem Schambein verhindert, dass das Baby auf dem Bauch schlummern darf. Bis die Heilung nach etwa sechs Wochen abgeschlossen ist, werden Sie sich nur bedingt um Ihr Kind kümmern können.

Welche Auswirkungen kann ein Kaiserschnitt auf das Baby haben?

Nicht nur für die Mutter birgt der Kaiserschnitt ein hohes Risiko, auch für das Baby ist der Eingriff in den natürlichen Ablauf der Geburt riskant: Kaiserschnitte werden oft vor Termin durchgeführt, die Kinder werden auf die Welt geholt, ohne dass sie dazu selbst bereit sind. Während eine natürliche Spontangeburt vom Kind, aus seiner Kraft angestoßen wird, erlebt das Kind bei einem Kaiserschnitt eine Fremdbestimmung, die es lebenslang prägen wird. Während bei der natürlichen Geburt Hormone ausgeschüttet werden, die das Kind auf den Geburtsprozess und seinen selbstbestimmten Weg durch den Geburtskanal vorbereiten, fehlt dieses Zusammenspiel von Mutter und Kind, die beide von diesem Hormoncocktail beeinfluss werden, bei einem Kaiserschnitt. Probleme beim Bonding und auch Verhaltensauffälligkeiten wie vermehrtes Schreien können die Folge sein. Zudem birgt ein verfrühter Geburtstermin für das Baby das Risiko Anpassungsschwierigkeiten, die sich in Atmung, Blutzuckerspiegel und Temperaturhaushalt zeigen können. Neugeborene, die per Kaiserschnitt entbunden werden, müssen etwa doppelt so häufig auf die Intensivstation verlegt werden und in den Lungen abgesaugt werden als spontan geborene Kinder. Die Lungen der Babys sind mit fetaler Lungenflüssigkeit gefüllt, die bei der natürlichen Geburt herausgedrückt wird. Hilfreich dabei ist ein Hormon, dass bei der Geburt ausgeschüttet wird und das zu einer spontanen Lungenreifung führt. Dieser Mechanismus fehlt bei einem Kaiserschnittkind, sodass dieses in der Regel abgesaugt werden muss, damit die Atmung in Gang kommen kann. Der fehlende Weg des Babys durch den Geburtskanal hat noch einen weiteren Aspekt: Die Bakterienflora des Kanals wird bei einer Spontangeburt auf das Baby übertragen, sodass sich seine Haut und sein Darm schneller mit einer natürlichen Flora besiedeln können und das Kind vor Infektionen besser geschützt ist. Kaiserschnittkinder können davon nicht profitieren und tragen deshalb ein höheres Risiko für Erkrankungen wie Adipositas und Diabetes in sich. Der Kaiserschnitt beeinflusst jedoch nicht nur Mutter und Kind, sondern auch folgende Geschwisterkinder: Bei einer Folgeschwangerschaft sind nach einem Kaiserschnitt überdurchschnittlich häufig Frühgeburten, Totgeburten oder Probleme beim Anwachsen der Plazenta oder deren frühzeitige Lösung zu beobachten.

Was sind die Vorteile des Kaiserschnitts?

Der Kaiserschnitt kann in einigen Fällen medizinisch indiziert sein und ist in diesem Fall als Notfallmedizin eine lebensrettende Maßnahme. Dreht sich das Kind während der Geburt in Querlage oder bleibt das Kind im Geburtskanal stecken und verschlechtert seine Herztöne dramatisch, dann ist ein so genannter sekundärer Kaiserschnitt absolut nötig. Der Kaiserschnitt ist beliebt, und zwar bei werdenden Müttern vor allem aus Angst vor dem Wehen- und Geburtsschmerz. Der Eingriff erfolgt unter Vollnarkose oder Regionalanästhesie, sodass Frauen tatsächlich keine Geburtsschmerzen haben. Auch Probleme aus einem Dammriss- oder -schnitt sind durch den operativen Eingriff durch die Bauchdecke gebannt. Vorteile hat der Kaiserschnitt vor allem für die Ärzte. Viele fürchten Klagen aufgrund von Schäden, die bei einer vaginalen Geburt beim Kind auftreten können. Sehr schnell greifen Ärzte deshalb im Fall der geringsten Indikation zum Skalpell. In Kreißsälen, die von Hebammen geleitet werden, ist die Kaiserschnittrate deutlich geringer als in solchen, wo Ärzte bestimmen. Zudem können Ärzte einen Kaiserschnitt besser planen und schneller abwickeln als eine natürliche Geburt. Bei der Entscheidung für oder gegen einen Kaiserschnitt sollten vor allem auch die psychischen Auswirkungen auf Mutter und Kind berücksichtigt werden. Viele Mütter benötigen eine Therapie, um mit den Erlebnissen im Nachhinein zurechtzukommen. Auch die unmündige Geburt, die dem Kind selbst bereitet wird, beschäftigt zunehmend Psychoanalytiker und sollte genauestens überlegt werden.