Welche Säuglingsnahrung ist am besten?

Natürlich ist Stillen das Beste für Ihr Baby: Muttermilch ist individuell auf die Bedürfnisse Ihres Babys zugeschnitten und versorgt es mit allem, was es braucht. Außerdem sorgt das Stillen für viel Nähe und Hautkontakt, die es für seine Entwicklung braucht. Doch manchmal gibt es Gründe, warum das nicht möglich ist oder nach einiger Zeit allein nicht reicht. Dann ist Säuglingsmilchnahrung die beste Alternative. Im Supermarkt gibt es eine verwirrende Bandbreite an Produkten, aber welche ist die richtige? Worauf muss ich bei der Zubereitung achten? Das alles erfahren Sie in folgendem Artikel.

Herzlichst
Ihre Dagmar von Cramm

Welche Säuglingsnahrung gibt es?

Die Nähe, die Mutter und Kind beim Stillen teilen, lässt sich auch mit dem Fläschchen herstellen und schließt den Vater mit ein. Seit 1992 gilt EU-weit eine Einteilung der Milchnahrung für Babys. Säuglingsanfangsnahrung ist für die Ernährung Ihres Babys von Anfang an geeignet. Ist sie nur aus Kuhmilch hergestellt, wird sie als „Säuglingsmilchnahrung“ bezeichnet.

Bei der Anfangsnahrung gibt es zwei unterschiedliche Gruppen: die Pre-Anfangsnahrung und die 1er-Nahrung. Beide kommen dem Muttermilch-Original in Sachen Kaloriengehalt, Eiweiß, Fett, Mineralstoffe und Vitamine sehr nahe. Folgenahrung wird meist mit der Ziffer 2 oder 3 bezeichnet. Sie wird offiziell ab dem 4. Monat empfohlen, sollte aber nicht vor dem 5. Monat angeboten werden.

Welche Vor- und Nachteile haben die verschiedenen Säuglingsnahrungen?

Säuglingsnahrung Vorteile Nachteile
Pre-Nahrung  
  • Ist der Muttermilch am ähnlichsten
  • Enthält als einzigen Zucker Laktose (Milchzucker)
  • Man kann so viel füttern, wie das Baby möchte
  • Gut für die ersten 4 Monate
  • Kann im ganzen 1. Lebensjahr gefüttert werden, wenn nötig
 
 
  • Macht ähnlich wie Muttermilch nicht ganz so lange satt
 
1er-Nahrung  
  • Kann von Anfang an gefüttert werden
  • Mit ihr lässt sich gut in einem bestimmten Rhythmus füttern
  • Sättigt durch die enthaltene Stärke länger
  • Nicht so leicht verdaulich wie Pre-Nahrung
 
 
  • Enthält oft andere Zuckersorten und ist dadurch süßer
  • Das Baby gewöhnt sich früh an den süßen Geschmack
 
Folgenahrung  
  • Geeignet, wenn bis zum 5. Monat gestillt wird; dann kann man gleich mit der Folgemilch einsteigen
  • Ist mit Eisen angereichert
  • Etwas günstiger
 
 
  • Enthält zusätzlichen Zucker und Stärke, manchmal sogar Aromen: stört die Geschmacksbildung
  • Weicht von der Zusammensetzung der Muttermilch ab
  • sollte deshalb erst bei Beikosteinführung gegeben werden
  • Birgt das Risiko für Übergewicht
  • Zusammensetzung weniger streng geregelt
 
HA-Nahrung (hypoallergene Kost)  
  • Für Babys von Geburt an, wenn Eltern und/oder Geschwister Allergiker sind
  • Kann Allergierisiko nachweislich senken
 
 
  • Nur nach Absprache mit Kinderarzt einführen
  • Teuer
 
Gesundheitsfördernde Zusätze (Probiotika und Präbiotika)  
  • Bei Säuglingen mit Darmproblemen sinnvoll
  • Sollen Immunsystem steigern und die Verdauung fördern
 
 
  • Positive Wirkungen bisher nicht sicher belegt
 

Wie viel muss mein Baby trinken?

Dies hängt ganz von Ihrem Baby ab. Mal hat es gar keinen Appetit, mal kann es nicht genug bekommen. Wenn Sie Pre-Nahrung geben, können Sie auf das natürliche Sättigungsgefühl des Kleinen vertrauen. Entscheidend ist immer, ob es im richtigen Maße zunimmt und in der Mitte der Gewichtskurve liegt. Diese finden Sie in Ihrem U-Heft. Ihre Hebamme kann Ihnen beim Wiegen und Beurteilen helfen.

Mit der 1er-Nahrung können Sie versuchen, Ihrem Baby ab dem 3. bis 4. Lebensmonat einen Rhythmus mit 5 Mahlzeiten am Tag anzugewöhnen. Mit den Monaten wächst nicht nur das Baby, sondern auch die Größe des Fläschchens. Im 2. Halbjahr kann das Baby zwischen Tag und Nacht unterscheiden. Erst danach können Sie versuchen, eine kurze Nachtruhe einzuhalten und eine mindestens 6-stündige Trinkpause einzulegen.

Aber machen Sie diesen Rhythmus nicht zum Maß aller Dinge: Nicht jedes Baby ist schon so weit. Haben Sie Geduld und versuchen Sie lieber, in der Zeit zwischen den Mahlzeiten selber etwas Ruhe zu bekommen und Schlaf nachzuholen. Ihr Baby muss erst in diese Welt hineinfinden und kann noch nicht so viel auf einmal trinken und verdauen.

Tipp: Bei Pre-Nahrung ist die Gefahr des Überfütterns am geringsten: Diese Milch eignet sich sehr zum „Füttern nach Bedarf“ wie beim Stillen. Wenn Sie Ihrem Baby immer so viel füttern, wie es will, wird es im richtigen Maße zunehmen. Vorausgesetzt, der Sauger hat die richtige Lochung (s. u.).

Wie bereite ich Säuglingsmilchnahrung zu?

Auf keinen Fall selbst wie in früheren Zeiten! Für die selbst hergestellte Säuglingsnahrung wurde Kuhmilch, Wasser sowie Öl, Milchzucker und Stärke vermischt. Kuh-, Ziegen-, Schafs- oder Stutenmilch sind erst recht keine Option, weil sie zu viel Protein enthalten, was die noch unreifen Nieren überfordert. Außerdem entspricht der Nährstoffgehalt nicht den Bedürfnissen des Babys und es besteht ein erhöhtes Risiko für Magen-Darm-Infektionen. Deshalb ist Instant-Säuglingsmilchnahrung die beste Alternative zur Muttermilch. Für ihre Herstellung gelten besonders strenge Vorschriften. Zu Hause sollten Sie selbst bei der Zubereitung auf eine strenge Hygiene achten – vor allem in den ersten Monaten.

5 Dinge, die bei der Zubereitung von Säuglingsmilchnahrung beachtet werden sollten:

  1. Trinkwasser aus der Leitung
    Leitungswasser ist zur Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet. Eine Ausnahme stellt Trinkwasser aus Bleileitungen dar. Die sind aber nur noch selten in Altbauten zu finden. Sollten Sie den Verdacht haben, dass in Ihrem Haus Bleileitungen liegen, sprechen Sie mit Ihrem Vermieter: Er ist verpflichtet, Ihnen Auskunft zu geben. Das Trinkwasser sollte nicht warm aus einer Leitung kommen, sondern immer frisch aus der Kaltwasserleitung entnommen werden. Der Nitratgehalt im Wasser sollte unter 50 mg/l sein. Nitrat ist eine Stickstoffverbindung und gelangt durch den übermäßigen Einsatz von Dünger in der Landwirtschaft ins Grundwasser. Ihr Wasserwerk sollte Ihnen die Nitratwerte nennen können. Wer sicher sein will, bestellt online einen Wassertest für Babys und untersucht selber. Die Proben werden ins Labor geschickt. Im 1. Halbjahr sollte das Leitungswasser abgekocht werden. Sobald es auf 50° abgekühlt ist, mit dem Milchpulver verrühren.
  2. Mineralwasser
    Gekauftes Mineralwasser sollte den Vermerk „für Säuglingsnahrung geeignet“ tragen. Die Grenzwerte für Nitrat sind hier noch niedriger. Verwenden Sie möglichst eine frisch geöffnete Flasche. Steht das Wasser länger bei Zimmertemperatur, können sich Keime entwickeln. Dann lieber vor Gebrauch aufkochen.
  3. Die richtige Trinktemperatur
    Die Milchnahrung wird heißer zubereitet als getrunken. Deshalb immer vor dem Füttern überprüfen! Tropfen Sie sich vor dem Füttern ein wenig Säuglingsmilch auf die Innenseite des Handgelenks. Die Temperatur sollte zwischen 35° bis 40° liegen.
  4. Hygiene bei der Zubereitung im Haushalt
    Säuglingsnahrung sollte immer frisch zubereitet werden. Vor der Zubereitung sollten Sie sich gut die Hände mit Seife unter fließend warmem Wasser waschen. Halten Sie die Nahrung höchstens 45 Minuten warm, sonst können sich Keime entwickeln. Nach dem Füttern müssen Flasche und Sauger gleich ausgewaschen werden – mit Spülmittel und heißem Wasser. Die meisten Produkte dürfen auch in den Geschirrspüler. Prüfen Sie sicherheitshalber die Herstellerangaben. Milchnahrungsreste entsorgen und nicht wieder aufwärmen. Oder in Ihren Kaffee gießen – der wird dann süßlich.
  5. Die richtige Dosierung
    Halten Sie sich immer an die Angaben des Herstellers. Wiegen Sie mit der Briefwaage den Inhalt des Dosierlöffels nach: Es gab Fälle, da war der Löffel zu groß. Versuchen Sie nicht, durch mehr Pulver die Milchnahrung sämiger zu machen. Im schlimmsten Fall kann eine Überdosierung zu einer Nierenschädigung führen. Wenn es immer nur ein bisschen zu viel ist, führt dies langfristig zu Übergewicht.