Sie haben in Ihren Browsereinstellungen Cookies deaktiviert. Wir nutzen Cookies auf der real.de für eine Vielzahl von Funktionen.
Wenn Sie die Website vollumfänglich nutzen möchten, sollten Sie das Setzen von Cookies über Ihre Browsereinstellungen zulassen.

Der Wehencocktail – ja oder nein?

Am Ende der Schwangerschaft kommt es oft zu einer Geduldsprobe: Wann setzen endlich die Wehen ein? Tatsächlich kommen lediglich 4 % aller Babys zum errechneten Geburtstermin auf die Welt. Normalerweise setzen die Wehen von alleine ein, wenn der Körper und das Kind so weit sind. Hier sollte man der Natur freien Lauf lassen. Doch nach der 41. Schwangerschaftswoche wird eine Geburt in Deutschland in der Regel medizinisch eingeleitet. Zu Recht. Eine Studie in Schweden wurde abgebrochen, weil  mehrere übertragene Babys die 42. Schwangerschaftswoche nicht überlebten. In der Klinik werden zur Unterstützung der Geburt Hormone eingesetzt. Doch gibt es alternative Methoden, die Wehen in Gang zu bringen? Eine Möglichkeit ist der Wehencocktail. Was es damit auf sich hat und ob er zu empfehlen ist, erfahren Sie in diesem Artikel.

Herzlichst
Ihre Dagmar von Cramm

Aus welchen Zutaten besteht der Wehencocktail und wie wirkt er?

Beim Wehencocktail gibt es nicht „das eine“ Rezept. Genauso, wie Sie 100 verschiedene Rezepte für Kartoffelgratin im Internet finden, finden Sie auch Rezepte für einen Wehencocktail. Meistens enthält der Cocktail jedoch folgende Zutaten:

  • Rizinusöl
  • Aprikosensaft
  • Mandelmus
  • Alkohol (Sekt, Rotwein oder Schnaps)
  • Eisenkraut

Rizinusöl ist der Hauptbestandteil des Cocktails. Das Öl wird aus den Samen des Wunderbaums (Rizinus) gewonnen und gehört zu den ältesten Arzneimitteln der Menschheit. Die Rizinussamen sind bekannt als ein altbewährtes Abführmittel. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts konnten 2012 die wehenfördernde Wirkung des Rizinusöls nachweisen . Aus dem Öl wird die Rizinolsäure freigesetzt, die vom Körper über die Darmschleimhaut aufgenommen wird. Dadurch kommt es zu der Aktivierung des Prostaglandin-Rezeptors in den Muskelzellen des Darms und der Gebärmutter, wodurch es zu einer vermehrten Bildung von Prostaglandinen kommt. Prostaglandine sind chemische Verbindungen, die als Gewebshormone wirken und die Wehentätigkeit fördern. 

Die Wirkung des Rizinusöls sorgt für weichen Stuhl bis hin zu Durchfall. Bei Durchfall kommt es zu einem Verlust an Mineralstoffen. Der Aprikosensaft soll diesen Verlust durch das enthaltene Kalium wieder ausgleichen.

Und warum enthält der Cocktail Alkohol? Der Alkohol wird als Emulgator benötigt. Er hilft, das Öl im Saft zu lösen um seine Wirkung zu entfalten, und überdeckt den eher unangenehmen Geschmack.

Eisenkraut – auch Verveine genannt – fördert als Tee ebenfalls die Wehentätigkeit. Ähnliches gilt für Frauenmantel, Ingwer oder Nelken.

Bei dem Wehencocktail kommt es auf das richtige Mischverhältnis an, da es ansonsten schnell zu Komplikationen kommen kann. Entscheidend ist das Rizinusöl. Allerdings kann es danach recht schnell gehen. Deshalb ist es wichtig, den Cocktail niemals alleine zu Hause zu mixen, sondern nur unter Anleitung Ihrer Hebamme.

Wann wird der Wehencocktail angewendet und wie schnell wirkt er?

Beginnt die 42. Schwangerschaftswoche, wird von Übertragung gesprochen. Statistisch gesehen steigt das Risiko mit der 2. überfälligen Woche, dass das Baby nicht mehr richtig versorgt wird. Deshalb werden Sie und Ihr Baby vom Entbindungstermin an engmaschig betreut und untersucht. Gibt es bei den Ultraschalluntersuchungen, den Blutwerten und den Herztönen keine Auffälligkeiten, kann es sein, dass Ärzte und Hebammen das Thema natürliche Geburtseinleitung ansprechen. Als eine natürliche Möglichkeit bietet sich der Wehencocktail an. Hierfür müssen jedoch zwei Voraussetzungen erfüllt werden:

  1. Ihr Muttermund ist bereits weich.
  2. Ihr Baby sitzt schon tief im Becken.

Nach der Einnahme des Cocktails können 3 bis 6 Stunden verstreichen, bevor die ersten Wehen ausgelöst werden. Mit ziemlicher Sicherheit kommt es zu Bauchkrämpfen und Durchfall durch das Zusammenziehen der Darmmuskulatur. Es gibt jedoch auch immer wieder Fälle, in denen der Cocktail-Mix außer Bauchkrämpfe und Durchfall nichts bewirkt. Ist dies der Fall, liegt nahe, dass Ihr Körper und/oder Ihr Baby noch nicht bereit für die bevorstehende Geburt sind. In diesem Fall ist Entspannung angesagt. Sorgen Sie für eine angenehme und ruhige Atmosphäre für Sie und Ihr Baby.

Welche Risiken sind mit dem Wehencocktail verbunden?

Die Wirkung des Rizinusöls ist unberechenbar. Von „es passiert nichts“ bis hin zur „sehr schnellen Wirkung, die Geburt setzt ein“ ist alles möglich:

  • Kommt es zu einer sehr schnellen Wirkung, ist es möglich, dass das Baby unter Stress gerät, was zu Sauerstoffmangel unter der Geburt führen kann.
  • Eine falsche Dosierung führt zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall, Erbrechen sowie Kreislaufbeschwerden. Ihre Kräfte für die Geburt werden schon vorher geschwächt.
  • Rizinusöl kann in den Blutkreislauf des Babys gelangen und bei diesem ebenfalls zu Stuhlgang führen, was wiederum zu Stress für das Baby führt.
  • Es kann zu Leberschädigungen der Mutter kommen.
  • Befindet sich der Körper der Mutter in einem geburtsunreifen Befund und der Wehencocktail wird dennoch eingenommen, kann es zu Komplikationen während der Geburt kommen.

Wichtig: Wenn Sie allergisch gegen den Wirkstoff sind oder an chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sowie Gallenwegserkrankungen leiden, sollten Sie diesen Cocktail auf keinen Fall zu sich nehmen!

Das sagt die Wissenschaft über den Wehencocktail

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärztegesellschaft äußert Bedenken zur Geburtseinleitung mit Rizinusöl, da die tatsächliche Wirkung wissenschaftlich nicht erschlossen ist. Die Ergebnisse von Studien zum Thema „Wehenförderung durch Rizinusöl“ reicht von nicht hilfreich über sehr hilfreich und bedenkenlos bis hin zu gesundheitsgefährdend. Durch die unklare Studienlage ist es nicht möglich, allgemeine Empfehlungen auszusprechen. 

Wird in der Klinik über eine wehenförderne Maßnahme gesprochen, wird meist eine medikamentöse Einleitung empfohlen. Hierfür eignet sich die Gabe von prostaglandinhaltigen Präparaten, die oral oder vaginal verabreicht werden. Ist der Muttermund noch nicht weich genug, ist ein Wehentropf möglich, der den Wirkstoff Oxytocin enthält, das „Wehen-Auslöser-Hormon“. 

Welche Alternativen zum Wehencocktail gibt es?

Wer sich gegen den Wehencocktail entscheidet, für den gibt es weitere zahlreiche Methoden, um Wehen auszulösen, wie Spaziergänge, heiße Bäder oder einfach Sex. Hier lesen Sie mehr über „Wehen fördern – was hilft wirklich“.

Auch wenn Spielen und Sandburgenbauen in der Sonne besonders viel Spaß machen, sollten Kleinkinder die direkte Einstrahlung meiden und sich im Schatten aufhalten.

Dagmar von Cramm

Unsere Ernährungs-Expertin
hat bereits zahlreiche Bücher
und Zeitschriften über gesunde
Ernährung und Kochen veröffentlicht.
Ihr Spezialgebiet? Essen mit Kindern – schließlich ist sie nicht nur Food-Journalistin und Ernährungs-Wissenschaftlerin, sondern auch dreifache Mutter!

Fragen und Antworten zum "Meine Familie" Vorteilsprogramm