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Wehen fördern – was hilft wirklich?

Der Geburtstermin ist verstrichen und nichts ist passiert? Was jetzt?
Der errechnete Termin trifft nur in seltenen Fällen eins zu eins zu und so ist es oft eine kleine Überraschung, wann die Wehen tatsächlich einsetzen. Ist der Geburtstermin bereits verstrichen, gibt es viele Möglichkeiten, die helfen können, das Einsetzen der Wehen zu fördern. Dieser Artikel hilft Ihnen, sich zu informieren, welche Möglichkeiten es gibt, Wehen zu fördern, und welche Ratschläge aus dem Internet keine gute Idee sind.

Herzlichst
Ihre Dagmar von Cramm


1. Vier Dinge, die Sie beim Thema Wehen-Förderung beachten sollten

  1. Die angesprochenen Hausmittel wirken nur, wenn die Gebärmutter bereit für die bevorstehende Geburt ist und Ihr Baby in der richtigen Position liegt. Fangen Sie nicht vor der 40. Schwangerschaftswoche (SSW) mit den wehenfördernden Tricks an.
  2. Wenn Sie sich dazu entschieden haben, das Auslösen Ihrer Wehen zu fördern, halten Sie Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme.
  3. Wenden Sie nicht alle wehenfördernden Tricks auf einmal an. Entscheiden Sie sich für eine Methode, die am besten zu Ihnen passt. Bis sich die Wirkung entfaltet, kann es ein paar Tage dauern. Auch wenn es Ihnen schwerfällt: Geduld ist gefragt.
  4. Das Allerwichtigste: Der Körper muss entspannt sein, um mit den Wehen zu beginnen. Setzen Sie sich nicht unter Druck und lassen Sie sich nicht stressen, dann steht Ihnen und Ihren Wehen nichts mehr im Wege.

2. Wie können Wehen gefördert werden?

Es gibt viele Möglichkeiten, Wehen auf die sanfte Art zu fördern:

Bewegung hilft

Runter vom Sofa und raus ins Grüne, das ist eine der besten Methoden. So bringen Sie nicht nur Ihren Kreislauf in Schwung, sondern auch die Durchblutung. Dadurch wird die Plazenta besser durchblutet, was wiederum wehenfördernd wirkt. Leichte Bewegungen helfen Ihrem Baby, in die richtige Startposition zu rutschen. Der Druck des Köpfchens auf den Muttermund sorgt für die Produktion von Oxytocin, das „Wehen-Auslöser-Hormon“.

Wichtig ist, dass Sie sich hier nicht überanstrengen. Exzessives Treppensteigen und richtiger Sport sind nicht empfehlenswert. Ihr Körper braucht die Energie für die bevorstehende Geburt. Wenn Sie sich draußen bewegen, nehmen Sie unbedingt Ihr Handy mit, falls unterwegs die Wehen einsetzen oder Sie anderweitig Hilfe brauchen.

Weitere leichte Tätigkeiten können auch wehenfördernd wirken, wie zum Beispiel:

  • Übungen auf einem Gymnastikball, wie zum Beispiel rhythmische Beckenbewegungen.
  • Kleine Tätigkeiten im Haushalt: hier jedoch nicht übermotiviert sein und auf Leitern klettern, um noch die Fenster im ganzen Haus zu putzen.
  • Schwimmen regt sanft an und entspannt. Aber nicht in kaltem Wasser.
  • Yoga gibt es sogar speziell für die Schwangerschaft.

Sex kann helfen

Wenn Sie fit und voller Energie sind, kann Geschlechtsverkehr durchaus eine Möglichkeit sein, um Wehen auszulösen. Wenn es Spaß macht und es sich richtig anfühlt, ist es sogar die effektivste und natürlichste Methode, um Wehen zu fördern. Die Bewegung und der Orgasmus der Frau regt die Muskulatur der Gebärmutter an, die Gebärmutter zieht sich zusammen, wodurch Wehen ausgelöst werden können. Gleichzeitig entspannen sich die Muskeln in Bauch und Becken. Durch die Erregung wird auch das Hormon Oxytocin ausgeschüttet.

Das Sperma enthält Prostaglandine, Gewebshormone, welche den Muttermund weich machen und dafür sorgen, dass sich der Gebärmutterhals öffnet. 

3. Welche natürlichen Hausmittel gibt es, um Wehen auszulösen?

Es gibt viele Hausmittel, die eine Wehen anregende Wirkung haben:

Ein warmes Bad hilft

Warmes Wasser fördert die Durchblutung und entspannt die Muskulatur in Bauch und Becken. Die Temperatur von 38 Grad sollte niemals überschritten werden, da es ansonsten zu Kreislaufproblemen kommen kann. Deshalb gilt auch: nicht baden, wenn niemand zu Hause ist, und nicht länger als 20 Minuten im Wasser liegen! Ätherische Öle als Badezusatz können die wehenfördernde Wirkung des warmen Wassers verstärken und sorgen gleichzeitig für noch mehr Entspannung. Als Öle eignen sich:

  • Zimtblätteröl
  • Nelkenöl
  • Lavendelöl
  • Eukalyptusöl
  • Ingwerwurzelöl

Bauchmassage

Den Bauch pflegen und gleichzeitig Wehen auslösen, das verspricht die Bauchmassage mit ätherischen Ölen. Die Wirkung tritt häufig erst nach 2 bis 3 Tagen auf, ist jedoch eine sehr sanfte Art. Achten Sie, im wahrsten Sinne des Wortes, auf Ihr Bauchgefühl: Alles, was angenehm ist, ist gut. Vermischen Sie Mandelöl als Grundsubstanz mit Zimt-, Nelken-, Ingwer- und Eisenwurzöl und lassen Sie sich verwöhnen.

4. Kann Ernährung wehenfördernd wirken?

Eine Antwort auf diese Frage ist schwierig, da es hierzu noch keine wissenschaftlichen Beweise gibt, jedoch einige positive Erfahrungsberichte. Ist der Geburtstermin überschritten, können Sie beim Zubereiten Ihrer Speisen vermehrt auf folgende Gewürze zurückgreifen:

  • Chili oder Cayennepfeffer (hier nicht übertreiben mit der Schärfe!)
  • Ceylon-Zimt
  • Ingwer
  • Nelken
  • Majoran
  • Koriander

Die Kräuter bringen nicht nur mehr Aroma ins Essen, sondern enthalten auch viele Nährstoffe, wie Eisen und Kalzium, die vermehrt in der kommenden Stillzeit benötigt werden.

Ein Tee, welchem Wehen auslösende Wirkungen nachgesagt werden, ist der Himbeerblätter-Tee. Hebammen empfehlen, ab der 37. Woche regelmäßig diesen Tee zu trinken. Die Blätter der Himbeere sind reich an Vitamin C, Kalzium und Eisen. Sie sollen die Durchblutung in Gewebe und Muskeln fördern und den Beckenboden dadurch weicher machen. Außerdem schmeckt er einfach gut!

Rezept: Himbeerblätter-Tee

Zutaten für 1 Portion

  • 1-2 TL Himbeerblätter
  • 1 EL Holunderblütensirup

Zubereitung

  1. 150 ml Wasser aufkochen und die Himbeerblätter damit übergießen. Alles 5-8 Minuten ziehen lassen.
  2. Den Tee durch ein Sieb in eine Tasse gießen, mit Holundersirup süßen und entspannt genießen.

(Rezept Himbeerblätter-Tee: S. 23 aus „Richtig Essen in Schwangerschaft und Stillzeit“ von Dagmar von Cramm)

Beim Tee nicht übereifrig werden. Genießen Sie ihn in Maßen und trinken Sie nicht mehr als 2 bis 3 Tassen am Tag davon.

Als Alternative zum Himbeerblätter-Tee eignen sich auch andere Gewürztees aus den oben genannten Gewürzen. Ein Zimt-Tee lässt sich beispielsweise schnell selbst herstellen: Hierfür 2 bis 3 Ceylon-Zimtstangen mit 200 ml sprudelnd heißem Wasser übergießen und nach 10 Minuten abseihen.

5. Eignet sich der Wehen-Cocktail als Wehen-Auslöser?

Nicht zu spaßen ist mit dem Wehen-Cocktail. Der Cocktail ist ein Gemisch aus Rizinusöl, Saft und Alkohol. Das Öl ist ein effektives Abführmittel und regt die Darmbewegung und die Muskeln der Gebärmutter an, wodurch Wehen verursacht werden können. Ärzte raten von diesen Cocktails ab, da sie oft Übelkeit verursachen können und zu Kreislaufproblemen, Schmerzen und Darmkrämpfen führen.

Wenn Sie sich dennoch für diese Methode entscheiden, mischen Sie den Cocktail niemals selber, sondern ausschließlich unter der Anleitung Ihrer Hebamme. Wenn der Cocktail wirkt, können die Wehen recht schnell einsetzen.

6. Welche Möglichkeiten gibt es noch, um Wehen auszulösen?

Ist der Geburtstermin deutlich überschritten, werden die Wehen nach 2 Wochen von Ärzten oder Hebammen eingeleitet. Diese können eine der folgenden Methoden anwenden:

  • Muttermund-Massage: Der Muttermund wird leicht massiert. Dadurch wird versucht, den Eipol zu lösen; das ist das untere Ende der Fruchtblase, das direkt hinter dem Muttermund liegt. So wird der Körper angeregt, Oxytocin zu produzieren.
  • Nelkenöl-Tampon: Dieser Tampon wird zuvor in Nelkenöl getunkt und anschließend in die Scheide eingeführt. Dies hat zur Folge, dass der Muttermund weicher und nachgiebig wird.
  • Wehentropf: Über eine Nadel wird das Hormon Oxytocin in die Armbeuge injiziert. Das sorgt für einen hohen Oxytocin-Spiegel im Blut, wodurch die Gebärmutter mit Wehen reagiert. Bei dieser Methode ist mit Nebenwirkungen zu rechnen, da es oft zu heftigen Wehenschmerzen kommt.
  • Prostaglandin: Ist der Muttermund noch zu hart, wenn das Baby auf die Welt soll, wird in der Klinik ein Gel mit dem Hormon Prostaglandin in die Scheide eingeführt. Dadurch ziehen sich die Muskelfasern zusammen, was zu vorbereitenden Wehen führt. Auch diese Methode ist oft mit starken Schmerzen verbunden.
  • Brustwarzenstimulation: Durch die Stimulation der Brustwarze wird Oxytocin ausgeschüttet, das Hormon, das für die Gebärmutterkontraktion verantwortlich ist. Massieren Sie in Abständen von mehreren Minuten immer für eine Minute die Brustwarzen. Aber sanft, damit diese nicht wund werden. Entscheiden Sie sich für diese Methode, ist es wichtig, dass Ihr Muttermund schon weich und etwas geöffnet ist. Die Stimulation kann sehr intensiv die Wehen fördern, deshalb eignet sich diese Methode, wenn bereits ein Geburtshelfer vor Ort ist.

7. Welche Wehenförderer sind nicht empfehlenswert?

Die Antwort ist klar: Alkohol. Im Internet kursieren viele Empfehlungen, Wehen durch alkoholische Genussmittel hervorzurufen. Die Rede ist von Sekt, Rotwein und Bier. Der Alkohol soll Wehen auslösen und gleichzeitig eine entspannende Wirkung haben. Auch wenn er vielleicht eine Wirkung auf die Einleitung von Wehen hat, die Wirkung auf Ihr Baby besteht mit Sicherheit. Deshalb: Alkohol ist tabu!

Wie oben aufgeführt, sollte auch der Wehen-Cocktail gemieden werden. Die Gefahr von unerwünschten Nebenwirkungen ist hier zu groß und sollte – wenn erforderlich – nur unter Aufsicht von Ärzten oder Hebammen stattfinden.

8. Fazit

Ihr Körper weiß, wann es Zeit wird, die Geburt einzuleiten. Konzentrieren Sie sich nicht zu sehr auf das errechnete Datum des Geburtstermins. Tatsächlich macht jeder zusätzliche Tag Ihr Kind lebenstüchtiger. Genießen Sie die letzten ruhigen Tage vor dem freudigen Sturm. Wehenförderung kann Sie und Ihr Baby unnötig stressen. Möchten Sie dennoch Wehen auslösen, da der errechnete Geburtstermin bereits verstrichen ist, sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihr Vorhaben. Er wird ohnehin überprüfen, ob es Ihrem Kind gut geht und Sie noch ein bisschen warten können.

Dagmar von Cramm

Unsere Ernährungs-Expertin
hat bereits zahlreiche Bücher
und Zeitschriften über gesunde
Ernährung und Kochen veröffentlicht.
Ihr Spezialgebiet? Essen mit Kindern – schließlich ist sie nicht nur Food-Journalistin und Ernährungs-Wissenschaftlerin, sondern auch dreifache Mutter!

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