Was verraten die Lebensmittel-Kennzeichen?

Auf den Verpackungen von Lebensmitteln gibt es viel zu entdecken: Die ansprechenden Bilder auf der Vorderseite, die klein gedruckte Zutatenliste auf der Rückseite bis hin zu Begriffen und schnörkeligen Labels wie „ohne Zuckerzusatz“, „ohne Geschmacksverstärker“ und „glutenfrei“. Das Etikett liefert viele Informationen, die bei der Lebensmittelauswahl im Supermarkt hilfreich sein können, jedoch nicht immer für Klarheit sorgen. Ich habe für Sie den Kennzeichen-Dschungel durchforstet und verrate Ihnen, was wichtig ist und worauf Sie achten sollten.

Herzlichst
Ihre Dagmar von Cramm

Big 7 oder nur Small 4?

Die Kennzeichnung von Lebensmitteln soll die Kaufentscheidung erleichtern und Verbraucher vor Irreführung schützen. Die Nährwertkennzeichnung ist seit Dezember 2016 für alle vorverpackten Lebensmittel EU-weit verpflichtend. Danach müssen 7 Nährwerte, die sogenannten „Big 7“, tabellarisch auf dem Etikett stehen, bezogen auf 100 g oder 100 ml eines Lebensmittels:

  • der Energiegehalt (in kcal = Kilo-Kalorien und kJ = Kilo-Joule) und die Gehalte an
  • Fett
  • gesättigten Fettsäuren
  • Kohlenhydraten
  • Zucker
  • Eiweiß und
  • Salz

Aber es gibt auch noch eine kleine Kennzeichnung: die „Small 4“: Das ist die Minimalversion: Kcal, Kohlenhydrate, Eiweiß, Fett. Sie reicht aus, wenn keine bestimmten Nährstoffe ausgelobt werden (siehe unten). In allen anderen Fällen müssen es die 7 sein. Also wenn da etwa steht: „reich an Kalzium“ oder „enthält Ballaststoffe“ oder „energiereduziert“, dann müssen es alle 7 sein.

Werbung mit dem Nährwert

Pflichtangaben wie die Nährwerttabelle dürfen durch bestimmte freiwillige Angaben, etwa über den Gehalt an Ballaststoffen oder Fett, ergänzt werden. Auch Informationen über den Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen sind unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Ein kleiner Wegweiser durchs Wirrwarr der Hinweise:

  • energiereduziert: Der Kaloriengehalt ist um mindestens 30 Prozent gegenüber dem Original verringert. Die Eigenschaften, die den Kaloriengehalt des Lebensmittels reduzieren, müssen genannt werden, zum Beispiel: „Teile des Zuckers werden durch Ballaststoffe, Wasser und Süßungsmittel ersetzt.“
    Tipp: Ist nicht unbedingt gesünder. Für Normalgewichtige nicht relevant.
  • hoher Ballaststoffgehalt oder ballaststoffreich: Im Lebensmittel sind mindestens 6 g Ballaststoffe pro 100 g oder mindestens 3 g Ballaststoffe pro 100 kcal enthalten. Tipp: Die Angabe pro Kalorie sagt mehr aus! Und: Wir alle bekommen zu wenig Ballaststoffe, die wichtig für Sättigung, Verdauung und Immunabwehr sind.
  • Kalzium-Gehalt: „enthält Kalzium“ heißt: Das Produkt liefert pro 100 g, 100 ml oder pro Portion 15 % der empfohlenen Tagesdosis. Bei Mineralwasser sind es mindestens 150 mg Kalzium pro Liter.
    Tipp: etwas unklare Angabe, denn der Kaloriengehalt spielt dabei keine Rolle. Nur bei Mineralwasser ist er klar. Wer täglich Milch und Milchprodukte konsumiert, hat keine Probleme.
  • hoher Proteingehalt: Mindestens 20 % des Energiegehaltes entfallen auf den Proteinanteil.
    Tipp: Bei vollwertiger Ernährung bekommen wir genug Eiweiß = Protein! Nur Veganer sollten darauf achten.
  • ohne Zuckerzusatz: Dem Produkt dürfen keine Ein- und Zweifachzucker oder süßende Sirups zugesetzt werden.
    Tipp: Lassen Sie sich hier jedoch nicht beirren, der Zuckerzusatz darf nicht mit dem Zuckergehalt eines Produktes verwechselt werden. Trockenfrüchte oder Molkenerzeugnisse werden häufig als süßende Zutaten hinzugefügt, die natürlicherweise Zucker liefern. Ein Blick auf die „Big 7“ hilft, den absoluten Zuckergehalt zu erkennen. Denn der Hinweis "enthält von Natur aus Zucker" muss nicht auf der Verpackung stehen. • zuckerfrei: Das Produkt enthält nicht mehr als 0,5 g Zucker pro 100 g oder 100 ml. Tipp: eine ehrliche Angabe.
  • zuckerarm: Das Produkt darf nicht mehr als 5 g Zucker auf 100 g enthalten. Bei Getränken nicht mehr als 2,5 g pro 100 ml.
    Tipp: Gut, dass die Grenze für Getränke niedriger ist als für feste Lebensmittel. Bei ihnen gibt es nachweislich einen Zusammenhang zu Übergewicht.
  • reduzierter Zuckergehalt: Wie bei „energiereduziert“ sollte der Gehalt an Zucker 30 % niedriger als bei vergleichbaren Produkten sein. Zusatz: Das Lebensmittel darf nicht mehr Kalorien enthalten als vorher.
    Tipp: Zuckerreduziert heißt also nicht unbedingt kalorienarm! Auf die Gesamtkalorien achten. Und die Angabe „weniger süß“ hat für den Zuckergehalt keine Relevanz: Sie bezieht sich nur auf den Geschmack.
  • natürliche Aromen: Die Bezeichnungen naturidentische und künstliche Aromastoffe gehören der Vergangenheit an. Es wird zwischen den zwei Kategorien „natürliche Aromastoffe“ und „Aromastoffe“ bzw. „Aroma“ unterschieden.
    Tipp: „Natürliches Aroma“ muss aus einem natürlichen Ausgangsstoff stammen. Dazu zählen nicht nur Lebensmittel, sondern auch Schimmelpilze und andere Mikroorganismen, die dieses Aroma erzeugen. Natürlich heißt also nicht, dass diese Aromen aus dem ursprünglichen Lebensmittel gewonnen werden.
  • ohne Geschmacksverstärker: Geschmacksverstärker sind Stoffe, die den Geruch und Geschmack vieler Lebensmittel verstärken. Diese unterdrücken Geschmacksfehler und lassen Speisen und Getränke immer gleich schmecken, was eine wichtige Voraussetzung für Markenware ist. Der wohl bekannteste Geschmacksverstärker ist Glutamat.
    Tipp: Zahlreiche Produkte, die damit werben, ohne diesen Zusatzstoff auszukommen, enthalten dennoch Glutamat. Er versteckt sich in anderen Zutaten wie Hefeextrakt, aber auch in Sojaprotein, Sojasauce und Würze. Hefe enthält von Natur aus die Substanz Glutamat, die eine geschmacksverstärkende Wirkung besitzt. Glutamat wird traditionell in der China-Küche verwendet. Es gibt Menschen, die das nicht vertragen. Außerdem macht Glutamat Appetit – bei Übergewicht fatal.
  • glutenfrei: Gluten ist eine Eiweißkomponente in bestimmten Getreiden wie Weizen, Roggen oder Gerste. Glutenfreie Produkte dürfen beim Verkauf an den Endverbraucher einen Glutengehalt von maximal 20 mg/kg aufweisen. Das Siegel wird von der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft (DZG) verliehen.
    Tipp: Bei etwa 1 Prozent der Bevölkerung, die von einer Glutenunverträglichkeit betroffen sind, auch Zöliakie genannt, löst Gluten Beschwerden aus. Für diese Menschen sind glutenfreie Produkte ein Segen. Für die restlichen 99 % bringen sie keine gesundheitlichen Vorteile, sondern schränken die Ernährung ein und reißen ein tiefes Loch in den Geldbeutel.
  • vegan: Lebensmittel, die als vegan deklariert werden, dürfen keine Zutaten oder Verarbeitungshilfsstoffe enthalten, die tierischen Ursprungs sind. Das Label wird vom Vegetarierbund (VEBU), der jetzt ProVeg heißt, verliehen.
    Tipp: Ist man aufgrund der Religion oder einer speziellen Lebensweise auf vegane Produkte angewiesen, ist dieses Label eine große Hilfe beim Einkauf. Allerdings sind sie teuer. Und bei manchen Produkten wie Olivenöl, Reis oder Zucker ist das Label überflüssig.

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