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Was die Darmflora mit der Immunabwehr zu tun hat. Und was beides stärkt.

Die Darmforschung boomt dank neuer Technik und führt zu immer neuen Ergebnissen. So werden spezielle Darmbakterien mit Übergewicht, Diabetes, Neurodermitis, Allergien, Depressionen und vielem mehr in Verbindung gebracht. Auch die Bedeutung für die Immunabwehr wird dabei immer klarer. Was ist dran an diesen Aussagen? Und wie kann die richtige Ernährung Einfluss darauf nehmen? Diesen Fragen gehe ich in diesem Newsletter auf den Grund. Kommen Sie gut und gesund durch den Herbst.

Herzlichst
Ihre Dagmar von Cramm

Was ist eigentlich die Darmflora?

Der Begriff „Darmflora“ wurde bis vor wenigen Jahren für die Darmbakterien verwendet. Man ging davon aus, dass Bakterien und andere Einzeller, die in unserem Verdauungstrakt leben, Pflanzen sind – deshalb das Wort Flora. Heute weiß man, dass diese Bakterien einer eigenen Domäne angehören. Deshalb wird oft nicht mehr von Darmflora, sondern von Mikrobiom gesprochen (Biom = Lebensgemeinschaft von Tieren und Pflanzen). Das Mikrobiom setzt sich zusammen aus der Gesamtheit an Mikroorganismen, also Einzellern, die unseren Darm besiedeln und mit unserem Körper in Zusammenarbeit wirken. Dieses Zusammenleben nennt man Symbiose. Denn diese Bakterien leben von dem, was wir essen –, aber auch wir profitieren von ihnen.

Was macht die Darmflora?

Wir beherbergen unglaublich viele Mikroorganismen in unserem Darm: Auf eine unserer Körperzellen kommen zehn Mikroorganismen. Sie alle haben vielfältige Aufgaben in unserem Körper:

  • Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Verwertung der Nahrung. In erster Linie bauen sie Ballaststoffe ab, die unverdaut den unteren Darmbereich erreichen.
  • Durch ihre Stoffwechselprodukte bilden sie auch sogenannte kurzkettige Fettsäuren (Proprionat, Butyrat und Acetat), die die Darmtätigkeit anregen und Nährstoffe für unsere Darmschleimhautzellen sind.
  • Sie sind für die Synthese von B-Vitaminen, sowie Vitamin K verantwortlich. Darüber hinaus sind sie an der Entgiftung von Bestandteilen der Nahrung beteiligt. Sie wirken mit an der Darmbarriere, die uns davor schützt, dass Substanzen aus dem Darm durch die Darmwand in den Kreislauf übertreten.

Die Darmbarriere ist gestört bei Colitis Ulcerosa, Morbus Crohn, Reizdarm, Darmkrebs und chronisch-obstruktiven Darmerkrankungen. Wie das konkret mit der Darmflora zusammenhängt, ist noch nicht endgültig erforscht. Allerdings gibt es erste Erfolge bei der Behandlung mit „guten“ Bakterienstämmen.

Wie entsteht die Darmflora?

Bei der Geburt beginnt die „WG“ Mensch–Einzeller: Wird das Kind natürlich geboren, bekommt es eine andere Mikroorganismen-Ausstattung, als wenn es per Kaiserschnitt auf die Welt kommt. Auch das Stillen beeinflusst die Zusammensetzung der Darmflora des Babys, deswegen raten viele Ärzte dazu, das Kind möglichst lange (etwa ein halbes Jahr bis ein Jahr lang) zu stillen, denn dadurch wachsen vor allem gesundheitsförderliche Milchsäurebakterien. Die natürliche Geburt wirkt ebenfalls wie eine Impfung mit guten Bakterienstämmen.

Sobald das Kind Beikost bekommt, wird sein Mikrobiom dem eines Erwachsenen immer ähnlicher. Doch im Laufe des Lebens verändert sich die Besiedlung immer wieder: Je nach Ernährungsform – vor allem durch die Menge an verzehrten Ballaststoffen-, Infektionen, eingenommenen Medikamenten und vielem mehr – lebt ein anderes Kollektiv an Einzellern im Darm. Außerdem verändern sich auch die vorhandenen Mikroorganismen durch Mutation, also zufällige Veränderung der Gene.

Je nach Region, in der man lebt, verändern sich auch die Gene der Mikroorganismen. Bestimmte Gene bleiben gleich, doch vor allem diejenigen, die die Interaktion mit der Umwelt bewirken, sind sehr variabel. Das heißt, in zwei Menschen, die theoretisch dieselben Bakterien im Darm haben, aber an verschiedenen Orten leben und damit verschiedenen Umwelteinflüssen ausgesetzt sind, wirken dieselben Mikroorganismen unterschiedlich auf Stoffwechsel und Verdauung.

Wie hängen Mikrobiom und Immunsystem zusammen?

Unsere Darmbakterien sind am Immunsystem beteiligt: Sie verhindern, dass sich Krankheitserreger in unserem Darm breit machen, da sie ihnen keinen Platz und keine Nährstoffe übrig lassen. Die wichtigste Gruppe dieser guten Geister sind die Bifidobakterien. Dieses Prinzip der positiven Verdrängung macht man sich auch in der Lebensmittelherstellung mit sogenannten Schutzkulturen auf Schimmelkäse oder Salami zunutze. Auch hier verhindern gute Bakterien die Besiedlung mit schlechten und damit den Verderb.

Über zelluläre Signalwege beeinflussen Darmbakterien auch Entzündungsreaktionen. Hier ist auch der Zusammenhang mit Neurodermitis und Allergien zu suchen, da diese ebenfalls durch Entzündungsreaktionen des Immunsystems ausgelöst werden.

Was schädigt die Darmflora?

Antibiotika töten Einzeller ab und haben somit einen großen Einfluss auf unser Darmmilieu. Nach der Einnahme sind vorerst alle Mikroorganismen abgetötet und neue müssen erst wieder unseren Darm besiedeln. Damit ist unser Immunsystem auch geschwächt. Auch Kohletabletten, die früher gerne bei Durchfällen gegeben wurden, haben einen negativen Einfluss. Entsprechend zurückhaltend sollte man – gerade bei Kindern und geschwächten Personen – mit der Gabe dieser Medikamente sein. Es gibt aber Lebensmittel, die die Besiedlung mit guten Einzellern erleichtern.

Checkliste: Symptome einer ungesunden Darmflora

  • Blähungen
  • Übelkeit
  • Bauchschmerzen
  • Durchfall
  • Entzündungen des Darms -> Vitaminmangel
  • Migräne, Depressionen

 

 

Was stärkt die Darmflora? Was sind Prä- und Probiotika?

Beides sind Präparate bzw. Lebensmittel, die der guten Darmflora guttun. Deshalb werden sie auch gerne zur Immunstärkung empfohlen. Probiotika sind Präparate, die lebende oder lebensfähige Mikroorganismen enthalten, die eine positive gesundheitliche Wirkung entfalten. Auch im Supermarkt erhältliche Lebensmittel haben eine solche Wirkung; Joghurt, Kefir und Sauerkraut sind gute Beispiele. Sie werden von Bakterien fermentiert, die in unserem Darm eine wohltuende Wirkung entfalten. Auch Säuglingsmilchnahrung enthält häufig einen Zusatz von Probiotika. Die Forschungsergebnisse können jedoch einen positiven Zusammenhang noch nicht eindeutig belegen. Präbiotika sind Lebensmittel, deren Bestandteile positiv auf das Wachstum von gesundheitsförderlichen Bakterien wirken. So zählt Inulin zu den Präbiotika. Es ist in Spargel, Chicorée, Schwarzwurzeln, Pastinaken und Artischocken enthalten. Auch andere Ballaststoffe in Vollkorngetreide, Zwiebeln, Knoblauch und generell in Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte wirken als Nährstoffe für erwünschte Mikroorganismen. Selbst Muttermilch enthält natürliche Präbiotika in Form von Oligosacchariden.

Besser essen – 6 Ernährungstipps für eine gesunde Darmflora

Was im Volksmund als „gesund“ gilt, tut also meistens auch unseren Mitbewohnern im Darm gut – und damit unserem Immunsystem. Die wichtigsten Regeln, damit unsere Darmflora blüht:

DosDon’ts
Essen Sie so oft wie möglich Brot, Gebäck, Nudeln, Müsli und Getreidebeilagen wie Reis, Bulgur oder Couscous aus Vollkorn.Weißmehl-Produkte, Cornflakes
3 Portionen Gemüse am Tag sind toll. Roh enthält es mehr Ballaststoffe als gegart. Wer Kauprobleme hat, kann sie auch fein geraspelt als Salat genießen.Negativ wirken rote, verarbeitete Fleischwaren, also Aufschnitt, Würstchen oder Streichwurst.
Essen Sie 1 bis 2 Portionen Obst am Tag – statt Saft zu trinken. Der enthält nämlich viel weniger Ballaststoffe. Ein selbst gemixter Smoothie ist dagegen okay.Fruchtsaft, Süßigkeiten
Nüsse und Kerne – ohne Zucker und Salz – sind reich an guten Ballaststoffen, Spitzenreiter sind ungeschälte Mandeln.Geschälte Mandeln
Trinken Sie ausreichend kalorienfreie Flüssigkeit, damit die Ballaststoffe gut quellen können. Sonst wirken sie wie ein Pfropfen im Darm und führen zur Verstopfung.Softdrinks

Ballaststoffreiche Rezepte

  • Müsli-Riegel zum Mitnehmen

Dagmar von Cramm

Unsere Ernährungs-Expertin
hat bereits zahlreiche Bücher
und Zeitschriften über gesunde
Ernährung und Kochen veröffentlicht.
Ihr Spezialgebiet? Essen mit Kindern – schließlich ist sie nicht nur Food-Journalistin und Ernährungs-Wissenschaftlerin, sondern auch dreifache Mutter!

Fragen und Antworten zum "Meine Familie" Vorteilsprogramm