Was darf ich abends noch essen?

Auf keinen Fall Salat – weil der so schwer verdaulich ist? Und keine Kohlenhydrate – weil die dann besonders dick machen? Nichts Fettes, weil das wie Wackersteine im Magen liegt? Am besten gar nichts nach 18 Uhr? Oder überhaupt abends fasten? Unser Abendbrot steht auf dem Prüfstand. Aber alles halb so schlimm – die meisten Vorurteile lassen sich widerlegen.

Herzlichst
Ihre Dagmar von Cramm

Was liegt wie schwer im Magen?

Je flüssiger, fettärmer und zuckerreicher eine Substanz ist, desto schneller passiert sie unseren Magen. Besonders lange braucht er für Fettes und Derbes – nachts erst recht, denn dann schaltet unser vegetatives Nervensystem, das auch für die Verdauung zuständig ist, auf Sparflamme.

Und so lange ist die „Verweildauer“ verschiedener Lebensmittel im Magen:

  • 1–2 Stunden: Getränke, Milch, fettarmer Käse, Reis, helles Brot, Kartoffelpüree, gekochter Fisch, Blattsalat, Kompott
  • 2–4 Stunden: Rührei, Sahne, Vollkornbrot, die meisten Gemüsesorten, Nudeln, frisches Obst, mageres Fleisch
  • 4–6 Stunden: Bratkartoffeln, Pommes, gebratenes Fleisch, fetter Fisch, Gurkensalat, rohe Paprika, Hülsenfrüchte
  • über 6 Stunden: Gänse- oder Entenbraten, Ölsardinen, Salami

Wer also 3 bis 4 Stunden vor dem Schlafen isst, der kommt mit Gemüse- und Blattsalaten bestens zurecht – wenn das Dressing mager ist. Sogar Vollkornbrot, magerer Käse und Aufschnitt oder Rührei wird bestens vertragen. Mit der Butter sollten Sie dagegen sparsam umgehen – vielleicht lieber leichten Frischkäse oder Veggie-Aufstrich nehmen. Gegen die Schlummermilch spricht dagegen wirklich nichts!

Schlank im Schlaf?

Aber setzt ein kohlenhydratreiches Abendessen besonders an? Das behauptet die „Insulin-Trennkost“, bekannt unter „Schlank im Schlaf“, die am liebsten Kohlenhydrate abends ganz vom Tisch verbannen möchte. Grund: Die besonders leicht verdauliche Energie aus Brot, Pizza und Pasta sowie Süßem würde nachts nicht mehr abgerufen und in unseren Fettpolstern landen. Das würde bedeuten: Abends kein Brot! Und das trifft uns Deutsche hart. Schließlich essen wir traditionell ein kaltes Abendbrot. Oder neuerdings eine Pizza vom Lieferdienst, die letzten Endes auch eine Brotmahlzeit ist. Wer nun vor lauter Verunsicherung nichts isst – der nimmt tatsächlich ab. Doch für die Wirksamkeit des Low Carb-Abendessens gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg.

Auf die Tagesmenge kommt es an!

Mehr noch: Studien konnten nicht nachweisen, dass ein üppiges Abendessen dicker macht als ein opulenter Brunch. Es kommt vielmehr auf die gesamte Kalorienmenge an. Wenn die am Tag höher ist als der Verbrauch, dann legen wir die überschüssige Energie in Form von Fett in unseren Zellen ab. Wer also mittags eher wenig isst, wie ein Süppchen oder einen Salat, der darf sich abends satt essen. Das letzte Wort hat ohnehin die Waage.