Wann und wie gelingt der Kita-Start?

Wer kennt die Situation nicht morgens am Kindergartentor – eigentlich wollten Sie nur kurz Ihr Kind verabschieden und dann weiter. Aber dann mag es einfach nicht loslassen. Manchmal gibt es sogar Tränen – obwohl sich Ihr Liebling eigentlich dort rundum wohlfühlt. In solchen Situationen taucht die Frage auf: Ist mein Kind schon reif für die Kita? Und tut ihm das wirklich gut? Ich fragte mich das auch gerade bei meinem Enkel. Und teile hier gerne meine Überlegungen zu diesem kontroversen Thema mit.

Herzlichst
Ihre Dagmar von Cramm
Wann und wie gelingt der Kita-Start?

Wann ist mein Kind reif für den Kindergarten?

Immer mehr Kleinkinder werden bereits vor ihrem 3. Lebensjahr in einer Kita oder Krippe betreut. Wann genau der richtige Zeitpunkt dafür ist, hängt weniger mit dem Alter zusammen als vielmehr mit seiner Fähigkeit, sich längere Zeit von Bezugspersonen zu trennen. Am einfachsten haben es Kinder, die von Natur aus extrovertiert sind. Ein Kind ist „reif“ für die Kita, wenn es sich ohne Angst eine gewisse Zeit von Bezugspersonen lösen kann, gerne mit anderen Kindern spielt, neugierig ist, alleine essen und sich weitgehend alleine anziehen kann. Diese Voraussetzungen sind in der Regel mit 3 Jahren erreicht. Früher gehörte auch dazu, windelfrei zu sein. Heute öffnet sich die Kita zunehmend auch für kleinere Kinder: U(unter)3. Das hilft auch alleinerziehenden Eltern, die diese Möglichkeit brauchen, wenn sie wieder in den Beruf einsteigen möchten. Für diese Altersgruppe gibt es einen besonders hohen Erzieherschlüssel. Also pro Kind eine intensivere Betreuung. Denn Einjährige können sich weder alleine anziehen noch ganz selbstständig essen: Sie brauchen mehr Hilfe.

Wie lange dauert die Eingewöhnung?

Auch wenn Ihr Kind „reif“ ist für die Kita, bedeutet das ein großer Einschnitt in seine bisherige Lebenswelt. Deshalb braucht es eine gewisse Zeit, bis es sich an die fremde Umgebung, die neuen Regeln und die neuen Gesichter gewöhnt hat. Grundsätzlich gelingt das besser, wenn ein Kind vorher schon mehrere Stunden ohne die Eltern bei Verwandten oder in Spielgruppen mit anderen Kindern zusammen war. Je sicherer ein Kind in diesen Situationen ist, desto einfacher und kürzer wird die Eingewöhnung. Viele der Kindertagesstätten in Deutschland arbeiten mit dem sogenannten Berliner Modell. Das geht von einer Zeit von vier Wochen für die Eingewöhnung aus. Doch jedes Kind hat sein ganz individuelles Tempo. Deshalb am besten als Puffer bis zu sechs Wochen für die Eingewöhnung einplanen. Sie sollten in dieser Phase für Ruhe und Stabilität rundum sorgen – Reisen, Umzüge oder die Geburt eines Geschwisterchens sind ungünstige Voraussetzungen für eine harmonische Eingewöhnung. Das beste Zeichen für eine gelungene Eingewöhnung in die Kita: Ihr Kind lässt sich in kritischen Situationen wie nach dem Aufwachen von der Erzieherin trösten, die auch seine Bezugsperson dort ist.

Darf mein Kind auch ohne Impfung in die Kita?

Die Kita bedeutet auch, dass sich Ihr Kind mit vielen neuen Keimen auseinandersetzen muss und zunächst viel häufiger krank wird – von einer simplen Erkältung bis zur Grippe. Auch wenn das die ganze Familie quält: Das trainiert seine Abwehrkräfte! Doch was ist mit gefährlicheren Krankheiten wie Röteln, Masern oder Keuchhusten? Ist der Impfschutz Ihres Kindes komplett? Schließlich bedeutet der intensive Kontakt mit anderen Kindern auch ein erhöhtes Ansteckungsrisiko. Deshalb müssen Eltern von nicht geimpften Kindern auch damit rechnen, dass ihr Kind im Krankheitsfall einige Wochen vom Besuch der Kita ausgeschlossen wird. Bisher musste niemand geimpft werden, damit er in die Kita darf. Die Eltern konnten selbstständig abwägen, welche Vor- und Nachteile Krankheiten oder Impfungen für ihr Kind mit sich bringen. Ob geimpft oder nicht – die meisten Kindertagesstätten verlangen mittlerweile einen Nachweis über eine ärztliche Impfberatung. Diese ist gesetzlich vorgeschrieben. Nach Todesfällen durch Masern wird die Forderung nach einer Impfpflicht lauter. Brandenburg hat sie bereits umgesetzt. Die Bundesregierung diskutiert darüber. Und einzelne private Kitas verlangen ebenfalls den Impfnachweis.

Essen in der Kita – eine Chance?

In manchen Kitas – gerade in den U3-Gruppen – bringen die Kinder ihre Verpflegung selber mit. Dazu finden Sie eine Menge Anregungen auf unserer real-Seite ((Link Lunchboxes, www.real.de/meine-familie/dagmar-von-cramm/rezepte/mein-mitnehm-fruehstueck) – auch wenn die Portionen natürlich noch klein sein dürfen. Immer öfter gibt es aber ein gemeinsames Essen, entweder in den Kitas gekocht oder geliefert. Und hier werden ganz nebenbei Lebensgewohnheiten geprägt – wie früher zu Hause am Esstisch. So essen Kinder teilweise ganz selbstverständlich, was sie zu Hause verweigern – eine große Chance! Dabei sind nicht nur die anderen Kinder wichtig: Die Erzieher haben eine Vorbildfunktion. Deshalb ist es wichtig, dass sie mitessen – und den Kindern Appetit auf Gesundes machen! Neben dem Essverhalten sollte die Kita auch Tischmanieren und Kommunikationsregeln vermitteln. Besonders toll, wenn die Gepflogenheiten mit denen von zu Hause übereinstimmen. Tauschen Sie sich mit den Erziehern aus – dann wird Ihr Kind davon besonders profitieren.