Wann bekomme ich mein eigenes Handy?

Ob zu Hause auf der Couch, beim Warten auf den Bus oder kurz vor der Schule – das Smartphone ist bei den meisten Kindern und Jugendlichen überall mit dabei. Und den Satz „Mama, Papa, ich will ein Handy, alle meine Freunde haben schon eins!“ hören Eltern immer früher. Doch wann ist es eigentlich so weit? Und welches Handy, welcher Vertrag ist am besten? Gibt es Schutzfunktionen? Und wie begrenze ich die Surfzeit meines Kindes? Diese und weitere Fragen kläre ich in diesem Artikel.

Herzlichst
Ihre Dagmar von Cramm

Ist mein Kind reif für ein Handy?

Tippen, wischen, surfen – immer früher wollen Kinder heute ein Handy und die damit verbundenen Möglichkeiten nutzen. Aber wann ist ein Kind eigentlich alt genug für ein Handy? Als Eltern wünscht man sich oft eine konkrete Altersangabe, aber leider gibt es die nicht pauschal. Für viele Eltern ist der richtige Zeitpunkt gekommen, wenn ihr Kind von der Grundschule auf eine weiterführende Schule wechselt. Grund hierfür sind die oft weiteren Schulwege: Durch ein Handy bleiben Eltern und Kind in Verbindung.

Besser ist es, wenn Eltern die Entscheidung vom Entwicklungsstand und den Erfahrungen ihres Kindes mit dem Handy abhängig machen. Testen Sie zunächst, ob Ihr Kind überhaupt mit den vielen Funktionen im Handy umgehen kann und ob es Absprachen hierzu zuverlässig einhält. Solange es geradezu spielsüchtig ist und trotz aller Versprechen das Handy nicht aus der Hand legt, ist es noch zu früh. Wichtig ist außerdem, dass Sie sich darauf verlassen können, dass es mit Problemen, die im sozialen Netz auftauchen können, zu Ihnen kommt. Und dass sie sich nach und nach gemeinsam mit dem Handy vertraut machen.

Welches Handy ist geeignet?

Die Entscheidung steht – Ihr Kind bekommt sein Handy. Aber soll es für den Einstieg ein Kinderhandy oder ein „echtes“ Handy sein? Kinderhandys gibt es von verschiedenen Anbietern. Sie haben deutlich weniger Funktionen. Allerdings konnten sich Kinderhandys bisher nicht durchsetzen, da die Kinder lieber ein Handy wie die Großen haben wollen. Das ist im Prinzip auch sinnvoll, denn Kinder sollten lernen, verantwortungsvoll mit ihrem Handy umzugehen. Doch auch ohne Kinderhandys gibt es eine Fülle von verschiedenen Modellen, die alle unterschiedliche Funktionen haben. Das macht es schwer, das geeignete Modell für Ihr Kind auszuwählen.

Um Ihnen die Entscheidung leichter zu machen, hier die drei wichtigsten Tipps:

  • Zur Orientierung dienen immer der Kenntnisstand und die Wünsche Ihres Kindes. Je sicherer Ihr Kind im Umgang mit Kosten beispielweise durch eigenes Taschengeld und durchs Surfen im Internet ist, desto mehr Funktionen können Sie ihm ungesichert zur Verfügung stellen.
  • Betriebssystem und App-Angebote sollten den Wünschen Ihres Kindes entsprechen und in der passenden Preisklasse liegen. Entscheiden Sie am besten gemeinsam. Einkäufe im Netz gelten als Vertrag und sind ohne Einwilligung der Eltern sowieso ungültig.
  • Bei wenig erfahrenen Kindern sind ergänzende Filtereinstellungen sinnvoll wie Apps zur Kindersicherung und die Sperrung problematischer Dienste durch den Anbieter. Am besten beim Kauf diesbezüglich nachfragen.

Kinder und Handys – Sicherheit geht vor

Oft werden persönliche Daten wie Kontakte oder Standorte ganz unbewusst und ungewollt gesammelt und übermittelt. Deshalb sollten Sie als Eltern darauf achten, dass beim ersten Einrichten des Handys die vorgeschlagenen Standardeinstellungen nicht ohne genaue Prüfung übernommen werden. Das betrifft gerade schon ab Werk installierte Apps. Sollten hier Apps dabei sein, die nicht unbedingt nötig sind, sollten Sie diese deinstallieren bzw. deaktivieren. Des Weiteren sollten Sie Ihrem Kind dabei helfen, die Inhalte seines Handys mit Passwörtern, PIN-Nummern und Datenverschlüsselung vor Dritten zu schützen. Klären Sie Ihr Kind über den Sinn einer geschützten Privatsphäre auf. Sensible Daten sollten generell nicht auf dem Handy gespeichert sein. Überlegen Sie sich gemeinsam mit Ihrem Kind, welche Daten privat sind – und wie es sie schützen kann.

Ist Handystrahlung gefährlich?

Es gibt bislang keine wissenschaftlichen Studien, die eine gesundheitsschädigende Wirkung von elektromagnetischen Feldern eindeutig nachweisen. Also keine Panik! Schließlich sind wir umgeben von Handys und WLAN-Netzen. Wenn Sie sichergehen möchten: Bei der Auswahl eines Handys auf den sogenannten SAR-Wert achten. Diese „Spezifische Absorptions-Rate“ ist ein Maß für Absorption von elektromagnetischen Feldern in einem Material. Diese führt immer zu einer Erwärmung – also auch in der Haut – und wird in Watt pro Kilogramm gemessen.

  • Ein neues Handy sollte einen SAR-Wert unter 2 Watt pro kg haben. Den SAR-Wert erfährt man zum Beispiel über die Herstellerinformationen im Internet oder auf der Website des Bundesamts für Strahlenschutz (www.bfs.de). Hier findet man auch eine Übersicht der Strahlungswerte gängiger Handys. Je geringer dieser Wert ist, desto besser!
  • Besonders intensiv sendet das Handy, wenn es eine Verbindung aufbaut. Also erst ans Ohr halten, wenn der Verbindungsaufbau abgeschlossen ist und es klingelt.
  • Generell gilt: Je weiter das Handy vom Kopf entfernt ist, desto besser. Auch aus diesem Grunde ist ein Headset (Kopfhörer mit eingebautem Mikrofon) sinnvoll.

Handyzeit eingrenzen

Im Schulunterricht gilt klar: Handy ausschalten und ab in die Tasche! Mittlerweile gibt es an einigen Schulen ein komplettes Handyverbot, auch in den Pausen und auf dem Schulhof. Zu Hause sollten Sie als Eltern auch die Nutzungszeit begrenzen. 30 bis 45 Minuten sind für Kinder ausreichend, um sich am Stück mit dem Handy zu beschäftigen. Dazwischen sollten Handypausen gelegt werden, da eine exzessive Handynutzung die Entwicklung beeinträchtigen kann. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Kinder in ihrer Freizeit auch ohne Handy etwas unternehmen.

Gerade weil sie heute selbstverständlich mit Handy und Co. aufwachsen, sollten sie nicht abhängig davon werden. Fördern Sie deshalb Aktivitäten und Hobbys im Hier und Jetzt – sei es Sport, Musik, Basteln oder Malen. Und zwar nicht als passiver Konsum, sondern aktiv betrieben. Spielen Sie mit Ihrem Kind Gesellschaftsspiele, treiben Sie selber Sport, machen Sie Ausflüge, besuchen Sie Ausstellungen und Museen. Ein aktiver Lebensstil schützt am besten vor Handy-Sucht. Dann ist es sogar eine Bereicherung: beim Vokabelnlernen, beim Nachschlagen von Fakten, zur Orientierung im öffentlichen Nahverkehr, bei Verabredungen mit Klassenkameraden oder bei der Beziehung zu entfernt lebenden engen Verwandten oder Freunden. Nur Mut, liebe Eltern!