Vollwertige Süße für kleine Kinder

Kinder mögen Süßes – das scheint genetisch so angelegt zu sein: Süß signalisiert ursprünglich, dass ein Lebensmittel ungiftig ist und schnell Energie liefert – so die Entwicklungspsychologen. Doch zwischen der ursprünglichen Süße von Früchten, Milch oder Getreide und heutigen Süßigkeiten liegen Welten. Zucker, die isolierte Süße, ist billig und wird durch zugesetzte Aromen und Farbstoffe interessant. Diese Süßigkeiten tun Ihrem Kind nicht gut. Aber was dann? Wie kann ich den natürlichen Süßhunger gesund stillen? Welche vollwertigen Alternativen es zum Naschen gibt, erfahren Sie in diesem Artikel.

Herzlichst
Ihre Dagmar von Cramm

Zu viel Zucker ist ungesund

Laut der WHO (Weltgesundheitsorganisation) liegt die maximal gesundheitlich akzeptable Tagesmenge an Zucker für Kinder bei 6 Teelöffeln, also circa 25 g: Für ein vier- bis sechsjähriges Kind wären das eine Kugel Eis und zwei Butterkekse. Allerdings essen Kinder heute viel mehr Zucker. Laut dem Forschungsinstitut für Kinderernährung 60 bis 70 g am Tag, also mehr als doppelt so viel. Die Folgen davon zeigen sich schon früh: Bereits dreijährige Kinder leiden unter Karies. Auch stellen Ärzte bei Kindern immer öfter Bluthochdruck oder Diabetes fest. Weitere Folgen von zu hohem Zuckerkonsum:

  • Gewichtszunahme: Bei Kindern im Alter von 3–6 Jahren haben circa 2 % Adipositas und 9 % Übergewicht, wobei der Anteil der übergewichtigen Kinder mit dem Lebensalter steigt. So haben bei den 7–9-Jährigen schon 15 % der Kinder Übergewicht. Das erhöht das Risiko für Bluthochdruck und Diabetes.
  • Verdauungsbeschwerden: Ballaststoffreiche Kost macht nicht nur kalorienarm satt, sondern vermeidet Verstopfung, da sie durch die Wasserbindung im Dickdarm den Stuhl weich macht. Lebensmittel, die viel Zucker enthalten, ähneln eher Astronautenkost und führen zu Darmträgheit.
  • Abwehrschwäche: Ballaststoffe dienen den guten Darmbakterien, die für unsere Immunabwehr zuständig sind, als Nahrung. Zucker befeuert eher eine ungünstige Darmflora.

Ist Traubenzucker gesünder?

Traubenzucker ist als Wachmacher und schneller Energielieferant bekannt. Aber was steckt eigentlich genau hinter dem Begriff? Traubenzucker oder auch Glukose bzw. Dextrose ist ein sogenannter Einfachzucker und Baustein vieler Kohlenhydrate. So bildet er mit Fruchtzucker den ganz normalen Haushaltszucker. Traubenzucker selber muss nicht mehr gespalten werden. Er geht schnell ins Blut und von da aus direkt in unsere Gehirnzellen, die er mit Energie versorgt. Das kann nach einer Hungerphase oder nach einem Sprint richtig wach und fit machen. Danach wird man aber schnell wieder müde. Traubenzucker enthält außerdem wie Zucker keine weiteren wertvollen Inhaltsstoffe – im Gegensatz zu Kohlenhydraten aus Gemüse, Getreide oder Obst. Diese sorgen für einen stetigen Zufluss von Traubenzucker, der ja nach und nach über Stunden durch den Verdauungsvorgang aus den Lebensmitteln gelöst wird und deshalb lange vorhält. Fazit: Traubenzucker ist nicht gesünder als weißer Zucker.

Süßen ohne Zucker - natürliche Zuckeralternativen

Seit einigen Jahren finden wir in den Supermarktregalen eine wachsende Auswahl von Zuckeralternativen. Gerade gefragt sind Agavendicksaft, Reissirup oder Kokosblütensirup:

  • Agavendicksaft: schmeckt intensiv-süß und hat wenig Eigengeschmack. Er wird aus dem Saft der Agave gewonnen. Im Endprodukt ist dann fast nur noch Fruktose enthalten – die benötigt kein Insulin, um abgebaut zu werden. Er hat mit circa 304 kcal weniger Kalorien als normaler Zucker mit circa 399 kcal und kann durch seine intensive Süße und gute Löslichkeit helfen, Zucker z.B. in Joghurts oder Desserts zu sparen. Aber: Fruktose beschäftigt die Leber – zu viel kann schaden.
  • Reissirup: hat einen mild-süßen leicht nussigen Eigengeschmack. Für seine Gewinnung wird Reis vermahlen. Reissirup besteht größtenteils aus Glukoseketten – benötigt also wie normaler Zucker Insulin, um abgebaut zu werden. Reissirup hat mit circa 316 kcal auch weniger Kalorien als Zucker, aber eine geringere Süßkraft. Also nicht wirklich sinnvoll.
  • Kokosblütensirup: hat einen süßen, intensiv karamellartigen Geschmack. Er wird aus der Kokospalme gewonnen und entspricht mit circa 390 kcal in Kalorien und Süßkraft in etwa dem normalen Zucker, enthält aber noch Spuren von Mineralstoffen, Vitaminen und Aminosäuren. Da er bis zu 90 % Saccharose enthält, wird er genauso abgebaut wie Zucker. Allerdings hat er einen niedrigeren glygämischen Index (54 vs. 103). Er lässt also den Blutzuckerspiegel nicht so schnell ansteigen. Als würzende Süße im Gebäck toll.

Fazit: Diese Sirups unterscheiden sich wenig von Haushaltszucker. Sie erweitern zwar die geschmackliche Palette beim Süßen, haben aber keine wissenschaftlich belegbaren Vorteile gegenüber Zucker. Sie sind kariogener als Zucker, da sie an den Zähnen kleben.

Gesünder Süßen

Grundsätzlich gilt: Wer wenig süßen will, sollte an Säure sparen. Sie erfordert nämlich besonders viel Süße als Gegengewicht, wie wir bei Rhabarber, Johannisbeeren oder Joghurt erleben. Milde Früchte wie Birnen, Trauben oder Pfirsiche kommen ganz ohne zusätzliche Süße aus. Mischen Sie am besten milde und saure Sorten. Desserts wie Kompott, Puddings oder Pfannkuchen lassen sich am besten mit Fruchtsäften süßen. Bevorzugen Sie Direktsäfte: Sie enthalten noch die meisten wertvollen Inhaltsstoffe. Am besten eignet sich Traubensaft, aber auch Apfel-, Birnen oder Pfirsichsaft. Trockenfrüchte wie Datteln, Feigen, Rosinen oder Apfelringe kann man prima zum Süßen verwenden für Müslis, Brotaufstriche oder Gebäck. Selbst Tees werden damit süß. Gewürze können Gerichten eine besondere süße Note verleihen: Zimt oder echte Vanille verstärken durch ihr Aroma den süßen Geschmack. Noch besser ist es, den Heißhunger von Kindern auf Süßes durch das Anbieten von Nüssen (Mandeln), Samen (Sonnenblumenkerne) und Obstsorten wie Weintrauben oder Bananen einzudämmen. Die liefern nämlich im Gegensatz zu Gummibärchen wichtige Nährstoffe und Vitamine. Wenn es doch mal Schokolade sein soll, greifen Sie auf die dunklen Sorten mit viel Nuss zurück: Die enthalten weniger Zucker, dafür viel wertvolle Nährstoffe.

Naschen - Das gesunde Maß finden

Trotz der vielen gesundheitlichen Risiken, die sich hinter einem hohen Zuckerkonsum verbergen, müssen Eltern Süßes nicht grundsätzlich verdammen. Besser ist, die Süßschwelle zu senken und die ganze Familie an einen etwas weniger süßen Geschmack zu gewöhnen. Das funktioniert tatsächlich und tut allen gut. Vor allem, wenn die Eltern als Vorbilder auftreten. Die Grundregel: Süßigkeiten bleiben eine Ausnahme und werden nicht zur Regel. Legen Sie keine süßen Vorräte an und geben Sie sie nicht zur Selbstbedienung frei – damit sind kleine Kinder überfordert. Sie brauchen noch Ihre Hilfe und Führung. Deshalb auch Süßes nie als Belohnung geben; das wäre eine falsche Ernährungserziehung und würde Süßigkeiten noch interessanter machen. Zwischendurch und gedankenlos naschen tut weder Blutzuckerspiegel noch Zähnen gut. Kinder verlieren dadurch ihr natürliches Hunger- und Sättigungsgefühl. Deshalb Süßes lieber ganz bewusst als Nachtisch oder kleine Mahlzeit anbieten – so wie in unserem Rezept. Und danach die Zähne putzen. Dann wird die Süßspeise zum Genuss ohne Reue!