Tobezeit ist wichtig

Es gibt nichts Schöneres am Kindsein, als ausgelassen herumzutoben. Von Natur aus haben kleine Weltentdecker einen starken Bewegungsdrang. Den sollten wir Großen fördern. Ob an der frischen Luft oder zu Hause: Mobil sein gelingt überall! Das Klettern auf das Baumhaus, das Balancieren über eine Mauer, das Hüpfen von Stein zu Stein – Natur macht erfinderisch. Wer Anregung braucht, um auf die Sprünge zu kommen, kann sich schon früh mit mobilen Geräten üben. Ich verrate Ihnen, was in welchem Alter das Richtige ist, um auf Touren zu kommen. Und warum Bewegung richtig schlau macht!

Herzlichst
Ihre Dagmar von Cramm

Vom Laufen zum Hüpfen

Schon Babys wollen die Welt mit Hand und Fuß erkunden. Im sicheren Hafen der Krabbeldecke stärken sie erst in Bauchlage ihren Nacken und fangen sich dann mit 4 bis 5 Monaten erstmals an zu drehen. Ab dem 6. Monat folgt das Robben, bald darauf das Krabbeln und bereits ab 10 Monaten das selbstständige Hochziehen – jedes Kind in seinem eigenen Tempo. Mit den ersten Schritten rund um den ersten Geburtstag ist schließlich nichts mehr sicher vor den kleinen Rackern, die spätestens dann ungehemmt zeigen, wie viel Energie in ihnen steckt. Ein stabiler Lauflernwagen unterstützt nicht nur das aufrechte Gehen, sondern gibt Sicherheit und erste Unabhängigkeit. Gleichermaßen beliebt bei Jungen und Mädchen ist für den Start in die mobile Welt ein Hüpftier. Das Springen auf dem Gummigerät kribbelt im Bauch und bringt so manchen Lacher. Eine Steigerung des Hüpfvergnügens ist ein Trampolin, das bereits ab dem Kindergartenalter der Hit ist. Für den Außenbereich gibt es Trampoline XXL mit Schutznetz, auf dem auch die Eltern mithüpfen können. Wer keinen Garten hat, kommt auch mit dem Zimmertrampolin zurecht. Manchmal reicht auch eine Matratze, um Kleinkinder in Bewegung zu bringen. Ihr Kind lernt dadurch auch zunehmend, Balance zu halten. Außerdem macht Hüpfen schlau: Das Gehirn schüttet bei rhythmischen Bewegungen einen Botenstoff aus, der die Bildung von Gehirnzellen sowie das Wachstum und die Vernetzung von Nervenzellen anregt. Das tut dem Gedächtnis, der Lernfähigkeit und der Laune gut.

Echte Klassiker auf Rädern für Anfänger

Rot, klein und echt wendig: kaum einer, der nicht selbst vor vielen Jahren auf einem Bobby Car per pedes Gas gegeben hatte. Das bequeme Sitzauto darf seit den 70er-Jahren auf keiner heimischen Rennstrecke fehlen. Aber es gibt weitere über Generationen lieb gewonnene Geräte. Dabei reduziert sich die Zahl der Räder mit zunehmendem Alter von 4 über 3 auf 2, denn der Gleichgewichtssinn wird besser. Je nach Vorliebe wagen sich die Kleinen um den zweiten Geburtstag an einen dreirädrigen Roller oder auf ein Dreirad. Schon manches Kind traut sich in dem Alter bereits auf ein niedrig eingestelltes Laufrad. Ohne Pedale und nur mit den Füßen laufend, bewegen sich die Kinder nach einiger Übung blitzschnell vorwärts. Ein Laufrad sollte in der Höhe so eingestellt sein, dass das Kind mit leicht abgespreizten und gestreckten Beinen den Boden berührt. Sitzt das Kind zu tief, würde es die Gelenke belasten. Insbesondere Roller und Laufrad schulen den Gleichgewichtssinn enorm und sind eine wichtige Vorstufe für das spätere Fahrradfahren. Das Treten der Pedale beim Dreirad ist hierfür ebenfalls eine gute Übung. Die koordinierten Bewegungen von Armen und Beinen trainieren spielerisch das Arbeitsgedächtnis des Gehirns. Das ist zuständig fürs Erinnern, aber auch für die ständige Aktualisierung des Gelernten, also auch das Löschen und Neu-Aufnehmen von Informationen.

Radfahren – Meilenstein der Kindheit

Mit etwa 3,5 Jahren starten die ersten Versuche mit einem Kinderrad – da werden auch bei den Eltern Kindheitserinnerungen wach. Ideal für die ersten Tretübungen ist flaches und asphaltiertes Gelände, zum Beispiel leere Schulhöfe oder Parkplätze. Nun ist Konzentration und Koordination gefragt, denn Lenken, Treten und Bremsen müssen gleichzeitig gemeistert werden und fordern einiges an Übung. Ein kurzes Anschieben erleichtert das anfangs noch schwierige Anfahren. Erwachsene können Sicherheit vermitteln, indem sie mitlaufen. Beim gemeinsamen Fahren mit älteren und geübteren Kindern können Fahranfänger sich einiges abschauen. Wichtig: Jede Übung sollte mit einem positiven Erlebnis enden. Neben dem Radfahren setzt sich aber auch bei größeren Kindern immer mehr der Tretroller durch, der sich zusammengeklappt auch gut in Bus und Bahn mitnehmen lässt.

Stützrad – ja oder nein?

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) rät von Stützrädern ab. Die Kinder lernen dadurch nicht, das Gleichgewicht zu halten. Im Gegenteil: Kinder können sich durch längeres Fahren mit diesen angeblichen Helfern auch eine falsche Kurvenfahrhaltung angewöhnen. Mit Stützrädern verlagern sie ihr Gewicht nach außen statt nach innen. Zum koordinierten Tretenlernen können sie dennoch zu Beginn unterstützen, sollten aber nur kurzfristig zum Einsatz kommen.

Gut geschützt unterwegs

Stürze bleiben fast nie aus. Aber auch Fallen will gelernt sein: Nur so können sich der Gleichgewichtssinn und das eigene Körpergefühl vollständig entwickeln. Eltern sollten dies zulassen – mit einer kräftigen Portion Geduld und Gelassenheit gelingt dies auch. Bei den alltäglichen Touren darf also ein gut und fest sitzender Kinderhelm nicht fehlen. So gewöhnt sich Ihr Kind von Anfang an daran. Damit das so bleibt, sollten Sie mit gutem Vorbild vorangehen und ebenfalls nur mit Helm radeln. Wichtig ist auch bei den Kleinen die richtige Passform – und die ändert sich noch mit den Jahren. Für den richtigen Kinderhelm empfiehlt sich deshalb eine Beratung und regelmäßige Überprüfung. Lustige Kindermotive und bunte Farben motivieren Ihr Kind, den Helm zu tragen.