Stundenplan und Freizeitstress

Montags Turnen, dienstags Musikunterricht, mittwochs Ballett, donnerstags Schwimmen und freitags ein Kindergeburtstag. Zwischendurch sollten auch noch die Hausaufgaben gemacht und am Abend der Schulranzen für den nächsten Tag gepackt werden. Und das am besten ohne Hilfe. Aber wann ist mein Kind eigentlich selbstständig genug für diese Aufgaben? Und wie sieht eine gesunde School-Life-Balance aus? Was hat sich durch Mittagsbetreuung und Ganztagsschule geändert? Diesen Fragen gehe ich hier auf den Grund.

Herzlichst
Ihre Dagmar von Cramm

Was bedeutet Selbstständigkeit für Grundschulkinder?

Die Einschulung liegt hinter Ihrem Kind und der Schulalltag hat es voll im Griff. Doch bedeutet die Einschulung auch gleichzeitig eine neue Selbstständigkeit für Ihr Kind? Dass es ab jetzt ohne Sie zurechtkommt? Kinder im Grundschulalter können und sollen lernen, sich selbst zu organisieren. Das bedeutet beispielsweise, dass Kinder vom ersten Schultag an den Ranzen alleine packen. Anfangs noch mit elterlicher Unterstützung, damit es nichts vergisst – aber packen sollte es alleine. Auch das Tragen des Ranzens gehört zur Selbstständigkeit dazu. Natürlich kann man von einem Grundschulkind nicht verlangen, dass es schon an alles denkt. Das kommt erst mit der Zeit. Dabei hilft es, wenn Kinder schon früh Routine im Alltag entwickeln. Feste Regeln oder auch Checklisten helfen ihm, sich zu orientieren und eben nichts zu vergessen. Es hilft, wenn Eltern mit ihrem Kind einen Wochenplan aufstellen, der eben nicht nur den Stundenplan der Schule berücksichtigt, sondern auch alle anderen wichtigen Punkte wie Kleider herauslegen, Ranzen packen, Hausaufgabenzeit, Sport oder Musik und die Hilfe zu Hause.

Den nachfolgenden Plan können Sie ganz einfach ausdrucken und mit Ihrem Kind zusammen ausfüllen:

Wichtig: Loben Sie Ihr Kind für jede erledigte Aufgabe. Und schimpfen Sie nicht, wenn es eine Aufgabe nicht geschafft hat. Besser gemeinsam mit dem Kind besprechen, warum es nicht geklappt hat, und nach Lösungen suchen. Allerdings sollten Eltern ihre Kinder die Folgen erleben lassen, wenn es überhaupt nicht kooperiert. Das bedeutet, ihnen nicht die unerledigte Aufgabe abzunehmen, sondern sie die Konsequenzen erleben zu lassen. Wenn zum Beispiel der Ranzen nicht gepackt wurde, gibt es Ärger in der Schule, dem sich das Kind stellen muss. Das hört sich für Sie als Eltern vielleicht hart an, aber Sie können sicher sein: Kinder lernen schnell aus den Folgen ihrer Handlung. Sie lernen aber nichts, wenn Eltern sie ständig erinnern oder ihnen alles abnehmen.

School-Life-Balance: Was ist das?

Jeder kennt den Begriff „Work-Life-Balance“. Aber ist Ihnen bewusst, dass es diesen Begriff in abgewandelter Form auch schon bei unseren Kindern im Zusammenhang mit Schule und Freizeit gibt? Die School-Life-Balance, sprich: die Balance zwischen Schule und Freizeit ist zu meistern, ohne dass es in Stress ausartet. Die Nachmittagsbetreuung oder auch Ganztagsschule kann da be- oder entlasten. Während früher in der Schule nur Unterricht stattfand, ist Schule heute zum Lebensraum geworden mit vielfältigen freiwilligen Angeboten. Wenn Sport AGs oder Musik nachmittags angeboten werden, kann das private Initiativen ersetzen. Ihr Kind braucht nicht von A nach B, bleibt mit den Kameraden in vertrauter Umgebung zusammen – und Sie als Eltern müssen nicht Taxi spielen. Doch egal ob privat organisiert oder von der Schule angeboten: Zu viel Aktivitäten rauben Schulkindern die notwendige freie Zeit.
Das würde Freizeitstress erzeugen: Die Balance zwischen Schule und Freizeit ginge verloren. Und gerade diese unverplante Zeit ist wichtig, damit Kinder abschalten können.

Wie viel Freizeit ist genug?

Allerdings lautet die richtige Antwort auf eine Entzerrung der Nachmittage verplanter Kinder nicht automatisch „Weniger ist mehr“. Die wichtigere Frage sollte lauten: Was sind die Bedürfnisse meines Kindes? Wenn ein Kind problemlos Ballett und Klavierunterricht kombinieren kann und abends noch mit Leichtigkeit die Hausaufgaben erledigt, funktioniert die School-Life-Balance wunderbar. Zeigt ein Kind allerdings Erschöpfungssymptome oder gar Frust, weil es sich nicht mehr einfach mal mit Freunden treffen oder im Zimmer entspannt Musik hören kann, sollte man die Reißleine ziehen. Maximal zwei Nachmittage in der Woche sollten mit Hobbys verplant sein. Die restlichen Nachmittage sollte Ihr Kind frei gestalten dürfen. Allerdings ist das Daddeln am Computer oder Handy auch nicht freie Zeit im ursprünglichen Sinne. Besser ist es, dass Kinder sich austoben dürfen, am besten draußen beim Spielen mit Freunden. Denn Bewegung tut gut und fördert die positive Entwicklung Ihres Kindes genauso wie Klavier spielen oder Ballett.
Deshalb sollten Sie lieber nur ein bis zwei Hobbys unterstützen, als zu versuchen, Ihr Kind auf allen Hochzeiten tanzen zu lassen.

Gesunde School-Life-Balance: Was bringt das meinem Kind?

Wie viele Hobbys braucht mein Kind? Was können Eltern tun, damit Freizeitspaß nicht zu Freizeitstress wird? Dass Eltern sich diese Fragen stellen, ist im Hinblick auf unsere heutige Leistungsgesellschaft berechtigt. Allerdings lässt sich das nicht pauschalisieren, wichtig ist, dass das Wort „frei“ in Freizeit noch vorkommt. Denn das Spielen mit Freunden abseits von festen Regeln und Zeiten ist wichtig für die Entwicklung des Kindes.

In dieser freien Zeit lernen sie unter anderem:

  • sich an Regeln zu halten, die nicht Erwachsene aufgestellt haben,
  • auf die Gefühle anderer Rücksicht zu nehmen • eigene Bedürfnisse zu erkennen,
  • Kreativität und Fantasie auszuleben.

Denn das einfache Nichtstun im richtigen Maß, durchaus mit etwas Langeweile zwischendurch, ist für Kinder genauso wertvoll wie Vereinssport oder der Schachklub. Denn durch die Beschäftigung mit sich selbst und der Welt entwickeln Kinder Selbstbewusstsein, Kreativität und tanken neue Kraft für den nächsten (Schul-)Tag.

Und die Hilfe im Haushalt?

Eine aktuelle Studie zeigt: Kinder helfen immer seltener im Haushalt. Waren es 2016 37 Prozent, sind es heute nur noch 31 Prozent. Die Gründe wurden nicht detailliert abgefragt. Vermutlich ist es die längere Zeit, die Kinder außer Haus in der Schule verbringen. Dazu die sozialen Medien, die immer mehr Zeit schlucken. Und das Gefühl der Eltern, den Nachwuchs schonen zu müssen. Ob Sie ihnen damit einen Gefallen tun, ist zu bezweifeln. Zum einen lernen sie fürs Leben, wenn sie auch zu Hause mit anpacken, mal das Salatdressing rühren, den Tisch decken, den Müll wegbringen oder ihr Zimmer aufräumen und saugen. Das macht selbstbewusst und rücksichtsvoll. Außerdem bietet gerade die Hausarbeit Gelegenheit zur Kommunikation: Beim Kochen und Backen, aber auch beim Aufräumen oder Wäschelegen kommen Sie miteinander ins Gespräch. Und genau darauf kommt es jetzt an. Am besten, Sie legen bestimmte Pflichten gemeinsam fest – mit verbindlichen Zeiten. Die kommen dann auch in den Stundenplan. Dadurch haben Sie dann auch ein wenig mehr Zeit für Ihre Familie – das tut allen gut.