So lernt mein Kind schmecken

Jeder Mensch – auch der kleinste – hat Geschmacksknospen auf der Zunge: Bisher wissen wir von fünf. Doch zum Schmecken gehört noch viel mehr. Bestimmte Vorlieben sind zwar angeboren, andere werden erlernt. Und hier beginnt die Aufgabe der Eltern: Sie können Ihr Kind mit der Zeit auf den gesunden Geschmack bringen – seine „Süßschwelle“ senken und seine Begeisterung für natürliche Aromen wecken.

Herzlichst
Ihre Dagmar von Cramm

Angeboren oder erlernt?

Wir schmecken von Geburt an: süß, sauer, salzig, bitter und „umami“ (würzig). Das kann sogar schon eine Babyzunge unterscheiden. Geschmack half unseren Vorfahren dabei, alle lebenswichtigen Nährstoffe zu bekommen – und Unverträgliches zu vermeiden. Süß signalisiert: ungefährlich und sättigend, bitter warnt: Achtung giftig! Sauer bedeutet „unreif“ und umami „eiweißreich“. Besonders bei Kindern sind diese instinktiven Vorlieben ausgeprägt, weil sie noch wenig eigene Schmeck-Erfahrung haben. So kann der Tee oder Kakao gar nicht süß genug sein, grünes, eher herbes Gemüse wird dagegen strikt abgelehnt. Geben Sie diesen Wünschen nicht völlig nach. Denn jetzt sind die Schmeck-Gewohnheiten noch formbar: Ein Kleinkind muss bis zu 15-mal probieren, bevor es ein Gericht oder ein Lebensmittel mag.

Erinnerung und Emotion

Das Gehirn speichert vertraute Geschmäcker und sorgt dafür, dass wir diese Lebensmittel auch in Zukunft mögen. Ist beispielsweise der Geschmack von Ketchup vertrauter als der einer echten Tomate, schmeckt das frische Gemüse nicht. Echte Erdbeeren kommen nicht so gut an wie der Joghurt mit Aroma, Spinat zieht gegenüber Rahmspinat den Kürzeren. Was tun? Das Geschmacksgedächtnis beginnt sich bereits im Bauch der Mutter zu entwickeln und wird auch durch die Ernährung in der Stillzeit beeinflusst. Mit der Familienmahlzeit hat das Verhalten von Ihnen als Eltern dann den größten Einfluss auf die Vorlieben des Nachwuchses. Denn Kinder schauen sich viele Dinge ab und übernehmen ganz unbewusst geschmackliche Abneigungen. Andererseits: Was Ihnen schmeckt, ist für Ihr Kind auch attraktiv. Bei einer positiv entspannten Atmosphäre schmeckt dann auch ein natürlich-süßer Nachtisch oder frisches Obst.

Zucker sparen leicht gemacht

Bei Kuchenteig kann man meist 1/3 der Zuckermenge einfach weglassen. Gewürze wie Vanille, Zimt, Anis oder Nelke verstärken den Süßgeschmack und helfen so beim Zucker sparen. Als Ersatz können Sie z.B. pürierte Trockenfrüchte oder frische Bananen verwenden. Dann sollten Sie aber die Flüssigkeit im Rezept entsprechend reduzieren. Wenn Sie einen Obstkuchen backen, wählen Sie am besten Früchte, die weniger Säure enthalten. Gute Beispiele sind Apfelsorten wie Cox Orange oder Delicious, mildes Obst sind außerdem Birnen, Trauben, Feigen, Mangos oder Bananen. Das gilt auch für Naturjoghurt: Je milder, desto weniger Zucker brauchen Sie. Und die süßen Alternativen? Kokosblütenzucker und Vollrohrzucker oder auch Sirups aus Reis, Ahorn, Agave oder Früchten haben besondere Aromen, sind aber nicht gesünder. Es kommt auch hier auf die Menge an! Nach dem Motto: Zucker ist ein Gewürz, das irrtümlich für ein Grundnahrungsmittel gehalten wird!