Paleo – wie gesund ist das eigentlich?

Zurück in die Steinzeit – zumindest auf dem Esstisch ist das gerade im Trend. Verzicht auf Getreide, verarbeitete Lebensmittel und Milchprodukte lautet die Devise. Dafür gibt es reichlich frisches Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch. Ob das so gesund ist, wie es klingt, verrate ich Ihnen heute.

Herzlichst
Ihre Dagmar von Cramm

Was heißt eigentlich Paleo?

Es müsste eigentlich "Paläo" heißen - nach der Altsteinzeit, die sich über 2,5 Millionen Jahre ersteckte und vor etwa 10.000 Jahren endete. In dieser frühen Phase hatte die menschliche Nahrung nicht viel mit dem zu tun, was wir heute im Supermarkt finden. Es wurde gejagt und gesammelt, was die Natur bot. Ackerbau und damit Getreide und Nutztiere gab es noch nicht. Auch Kochen und Backen war noch nicht erfunden - allenfalls Garen auf dem heißen Stein. Deshalb glauben die Paleo-Verfechter, dass unsere Verdauung mit der modernen Kost überfordert ist. Denn die gibt es erst seit ein paar Hundert Jahren. Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck ist für die Paleo-Fans eine Folge dieser ungewohnten Kost. Deshalb wird vom Speiseplan gestrichen, was verarbeitet wurde. Nicht erlaubt sind auch alle Getreide- und Milchprodukte sowie Hülsenfrüchte und pflanzliche Öle - außer Olivenöl. Fleisch, Fisch, frisches Obst und Gemüse, Eier, Nüsse und Samen sind die Basis der Paleo-Kost. Die These klingt einleuchtend, aber tatsächlich haben wir keine Beweise dafür, was vor mehr als 10.000 Jahren gegessen wurde. Klima und Lebensstil haben sich seither drastisch geändert - und Menschen auf allen Kontinenten haben sich daran angepasst. Nicht umsonst sind wir "Omnivore" - Allesfresser -, denn wir vertragen viel.

Zu viel Eiweiß kann krank machen

Der hohe Fleischkonsum bei Paleo ist nicht nur schlecht fürs Klima, sondern auch für unsere Gesundheit. Der "World Cancer Report" hält vor allem größere Mengen rotes Fleisch, also auch Wild, Lamm oder Rind, für krebsauslösend. Außerdem wirken sie durch ihren Eiweißgehalt im Körper säurebildend - schlecht für Knochen und Nieren. Maximal 100 g Fleisch sollten es am Tag sein, um das Risiko für Erkrankungen gering zu halten. Aber wovon sollen wir dann satt werden, wenn Magenfüller wie Brot, Pasta und Reis wegfallen? Und wenn selbst Hülsenfrüchte "verboten" sind? Nüsse und Saaten können das nicht ganz ausgleichen. Und Gemüse hat einfach zu wenig Kalorien, um davon satt zu werden.

Lieber Paleo light!

Weil eine strenge Paleo-Kost nicht nur ungesund, sondern auch langweilig ist, wird sie mittlerweile ganz pragmatisch abgewandelt. Statt Weizen gibt es Buchweizen, Kichererbsen oder Linsen. Auch Kochen ist erlaubt: Das erhöht die Verträglichkeit und den Geschmack. Das Gute am Paleo-Trend: Es wird viel frisch gekocht, mit natürlichen Lebensmitteln. Fertigprodukte, Zucker und weißes Mehl zu reduzieren ist sicherlich sinnvoll. Dafür braucht man allerdings weder eine strenge Paleo-Diät noch muss man so viele positive Lebensmittel vom Speiseplan streichen. Hülsenfrüchte liefern wertvolles Protein und sind ballaststoffreich. Getreide, vor allem Vollkorn, bringt Vitamine und wertvolle Kohlenhydrate. Rapsöl enthält Omega-3-Fettsäuren und trägt zur Herzgesundheit bei. Milchprodukte liefern Calcium und sind gut für die Knochen. Darauf sollte man nicht einfach verzichten. Immer gut ist es, die eigenen Essgewohnheiten zu überdenken und etwas Neues auszuprobieren. Mehr Rohkost zu essen und Vollkorn zu verarbeiten lässt sich wunderbar in eine vollwertige Ernährung einbeziehen.