Die Milch macht’s?

Kuhmilch versorgt uns Erwachsene mit wertvollem Eiweiß, liefert Vitamine und Calcium für starke Knochen und gilt als Muntermacher. Für unsere Kleinsten ist sie dagegen in den ersten Monaten tabu. Selbst im zweiten Lebenshalbjahr ist sie nur in Maßen verträglich. Ganz schön verwirrend. Also lieber Kuhmilch ganz streichen? Lieber nicht! Ich verrate Ihnen hier, welche Milch wann die richtige ist und ab wann Ihr Baby auch Kuhmilch verträgt – und wieviel. Damit Ihr Nachwuchs gesund und munter ins neue Leben starten kann – denn das ist das Wichtigste.

Herzlichst
Ihre Dagmar von Cramm
Baby auch Kuhmilch

Milch von der Kuh – für’s Baby tabu

Diese Regel gilt für das erste halbe Lebensjahr. Grund hierfür ist die Zusammensetzung der Milch: sie enthält etwa dreimal so viel Eiweiß und mehr als dreimal so viele Mineralstoffe wie Muttermilch. Klingt erst mal gut, doch der Überschuss der Stoffe bzw. ihre Abbauprodukte stellen eine starke Belastung für die noch unreifen Nieren der Kleinen dar. Normalerweise wird nicht benötigtes Eiweiß in Harnstoff umgewandelt, der dann über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden wird. Ist die Eiweiß- oder Mineralstoffzufuhr zu hoch, sind die Nieren überfordert und der schädliche Harnstoff sammelt sich im Körper. Außerdem kann zu viel Protein in der Säuglingsernährung das Risiko für späteres Übergewicht deutlich erhöhen, so das Ergebnis einer Studie der Ludwig-Maximilian-Universität München. Und: Kuhmilch enthält im Vergleich zu Muttermilch weniger gut verwertbares Eisen, was zu einem Eisenmangel bei Säuglingen führen kann.

Die Alternativen

Muttermilch ist das Beste für Ihr Baby, doch auch mit der Flasche werden die Kleinsten groß und stark. Doch was soll in die Flasche? Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät nicht nur von Kuhmilch, sondern auch von Schaf-, Ziegen- oder Stutenmilch ab. Die Alternativen sind industriell hergestellte Säuglingsanfangs- und Folgenahrungen:

Pre-Milch ist der Muttermilch am nächsten, denn ihre Zusammensetzung ist an diese angepasst. Sie ist vor allem für die ersten 6 Lebenswochen geeignet, kann aber ohne Gefahr der Überfütterung das ganze erste Jahr gegeben werden.

1er-Nahrung ist sinnvoll, wenn die Mutter nach einigen Wochen oder Monaten abstillt. Sie kann dann im weiteren ersten Lebensjahr gegeben werden. Durch den höheren Gehalt an Kohlenhydraten ist sie sämiger und sättigt mehr. 2er- und 3er-Nahrung dürfen erst ab dem 8. Monat gefüttert werden – und sind deshalb eigentlich nicht notwendig, weil es dann schon Brei gibt.

HA-Nahrung ist eine allergenarme Milch speziell für Babys, deren Eltern Allergiker sind. Sie soll das Risiko einer späteren Allergie senken. Besteht bereits eine Allergie, z.B. gegen Kuhmilcheiweiß, sollte eine spezielle hydrolisierte Nahrung gegeben werden. Sie schmeckt bitter und ist deshalb wirklich nur sinnvoll, wenn der Kinderarzt sie empfiehlt. Säuglingsmilch auf Sojabasis ist keine Alternative, weil Sojaeiweiß ebenfalls ein starkes Allergen ist. Pflanzliche Milchgetränke sind von ihrer Zusammensetzung her völlig ungeeignet Säuglingsmilchnahrung zu ersetzen.

Vollmilch für den Milch-Brei

Ab dem sechsten Monat und mit Einführung des Milch-Getreide-Breis abends darf Ihr Baby etwas Kuhmilch bekommen: maximal 200 ml unverdünnte Vollmilch empfiehlt die DGE pro Tag. Ob Frisch- oder H-Milch macht keinen großen Unterschied. Von Rohmilch, Vorzugsmilch, fettarmer oder Magermilch wird aber abgeraten. Mehr Milch oder Milchprodukte sollte Ihr Baby zu diesem Zeitpunkt noch nicht erhalten – natürlich abgesehen von Muttermilch. Fertige Instant-Milchbreie sind in der Regel auch mit Kuhmilch hergestellt. Ins Fläschchen gehört Kuhmilch nicht, dafür gibt es die Säuglingsanfangsnahrungen (s. oben). Sollten Sie einmal vergessen haben Pre-Milch zu besorgen, sind Ausnahmen im zweiten Halbjahr erlaubt: verdünnen Sie die Vollmilch mit Wasser, am besten im Verhältnis 1:2. Wenn es auf den ersten Geburtstag zugeht und die Kleinen am Familientisch mitfuttern, darf es auch mal ein Glas Milch zum Frühstück oder eine kleine Portion Joghurt sein. Sogenannte Kindermilch für Kinder ab einem Jahr können Sie getrost links liegen lassen: das Ersatzprodukt für Trinkmilch mit der Extraportion Nährstoffe ist nicht nur teuer, sondern auch zu süß. Ab dem ersten Lebensjahr sind Kuhmilch und ihre Produkte ein wichtiger Ernährungsbaustein, der Ihr Kind mit viel Calcium versorgt.