Mama, das juckt!

Fast 10 % der in Deutschland lebenden Kinder leiden an Neurodermitis – oder auch atopischer Dermatitis. Die lästige Hautkrankheit ist genetisch mitbedingt und bricht am häufigsten im ersten Lebensjahr aus. Doch die juckende, entzündete Haut kann im weiteren Lebensverlauf auch wieder verschwinden. Welche Rolle die Ernährung spielt und wie Sie Ihrem Kind helfen können, lesen Sie hier.

Herzlichst
Ihre Dagmar von Cramm

Neurodermitis – was ist das?

Neurodermitis ist eine chronische Hauterkrankung, die sich in Schüben – mal stärker und mal weniger stark – über trockene, rötliche und schuppige Hautstellen bemerkbar macht. Und fürchterlich juckt. Der Grund für das Ausbrechen der Krankheit kann unterschiedlich sein: Äußerliche Faktoren, wie eine hohe Schimmelpilz- und Hausstaubmilbenbelastung oder Umweltgifte, aber auch Stress und psychische Belastungen sind mögliche Auslöser. Dabei liegt der komplexen Krankheit eine genetisch bedingte Störung der Barrierefunktion der Haut zugrunde. Durch einen Mangel an bestimmten Eiweißen trocknet die Haut schneller aus, ist empfindlicher und empfänglicher für Substanzen aus der Umwelt. Das wiederum führt zu einem geschwächten, unausgeglichenen Immunsystem: Durch das Kratzen gelangen Bakterien, Pollen und andere Erreger in den Körper – ein Teufelskreislauf.

Die Bedeutung der Ernährung

Etwa ein Drittel der an Neurodermitis erkrankten Kinder leiden auch an einer Lebensmittelunverträglichkeit – eine sogenannte IgE(Immunglobulin E)-vermittelte Allergie auf Grundnahrungsmittel. Das kann, muss aber nicht unbedingt in einem direkten Zusammenhang mit der Neurodermitis stehen. Die meisten Kinder reagieren dann auf wenige Lebensmittel. Häufig sorgen Weizen, Nüsse (vor allem Erdnüsse), Hühnereier oder Kuhmilch für Beschwerden. Positiv: Diese Unverträglichkeiten, vor allem gegen Milch, verschwinden meist bis zur Pubertät. Dennoch: Es gibt keine „Neurodermitis-Diät“! Welche Lebensmittel gut oder weniger gut vertragen werden ist sehr individuell. Viel wichtiger ist, dass keine voreiligen Schlüsse gezogen werden: Verbannen Sie keine Nahrungsmittel nur auf bloßen Verdacht vom Teller Ihres Kindes. Eine ausgewogene Ernährung mit reichlich frischen, unverarbeiteten Zutaten und wenig Fertigprodukten ist dagegen besonders wichtig, um das Immunsystem zu stärken. Farb- und Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker und Süßungsmittel können dagegen die empfindliche Haut zusätzlich reizen: Lesen Sie die Zutatenliste von Fertigprodukten und versuchen Sie, diese zu vermeiden.

Wie Sie Ihrem Kind helfen – Tipps für den Alltag

  • Parfümierte Drogerieartikel, wie Shampoos, Cremes, aber auch Waschmittel und Seifen, meiden: Sie reizen die Haut zusätzlich.
  • Weniger heiß duschen, dafür ab und zu ein Meersalzbad geben und Ihr Kind danach sorgfältig eincremen.
  • Kratzen nicht verbieten, sondern Alternativen bieten: z. B. leichte Streicheleinheiten oder Massagen mit dem Igelball. Wichtig: Fingernägel kurz schneiden.
  • Das Eincremen kindgerecht und möglichst angenehm gestalten: Legen Sie die Creme in den Kühlschrank, so ist sie angenehm kühl; zeichnen Sie beim Cremen Figuren auf die Kinderhaut oder massieren Sie Ihr Kind damit.
  • Möglichst Fertigprodukte, die Farb- und Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker und Süßungsmittel enthalten, meiden.
  • Kleidung aus Wolle reizt und kratzt zusätzlich, darum lieber zu Baumwolle oder synthetischen Materialien greifen.
  • Bei akutem Juckreiz: feuchte Umschläge, am besten mit Schwarztee, auf die Stellen legen. Die Gerbstoffe im Tee lindern den Juckreiz und sind angenehm wohltuend.
  • Führen Sie ein Tagebuch, um herauszufinden, worauf Ihr Kind reagiert: Das macht eine allergenarme Kost, die auf Ihr Kind zugeschnitten ist, einfacher.