Sie haben in Ihren Browsereinstellungen Cookies deaktiviert. Wir nutzen Cookies auf der real.de für eine Vielzahl von Funktionen.
Wenn Sie die Website vollumfänglich nutzen möchten, sollten Sie das Setzen von Cookies über Ihre Browsereinstellungen zulassen.

Fencheltee für Babys – alles über Wirkung und Zubereitung 

Bei Blähungen, Verstopfung, Erkältung, Husten, Hitze oder auch beim Einschlafen: Fencheltee für Babys scheint ein Allheilmittel zu sein. Zugleich machen Magen-Darm-Erkrankungen von Babys Schlagzeilen, weil der Tee mit noch nicht kochendem Wasser gebrüht wurde. Welche Wirkung Fencheltee tatsächlich hat, was Sie beim Kauf beachten sollten und wann und wie viel Tee Sie Ihrem Baby geben sollten, beantworte ich in diesem Artikel. Kommen Sie gut durch die kalten Tage.

Herzlichst
Ihre Dagmar von Cramm


1. Vorteile und Wirkung von Fencheltee 

Die meisten Wirkstoffe in Fencheltee stammen aus Fenchelblüten und -samen. Umgangssprachlich wird oft von Fenchelsamen gesprochen, aus botanischer Sicht handelt es sich jedoch um Fenchelfrüchte. Sie enthalten die ätherischen Öle Anethol und Fenchon. Diese entfalten eine beruhigende und verdauungsfördernde Wirkung

Bei folgenden Beschwerden kann Fencheltee zum Einsatz kommen:

  • Blähungen
  • Bauchschmerzen
  • Verstopfung
  • Husten
  • Erkältung

Obwohl die in ihm enthaltenen ätherischen Öle eine beruhigende Wirkung besitzen, hilft der Tee nicht beim Einschlafen. Geben Sie Ihrem Kind nicht jeden Abend Fencheltee – er ist eine Medizin und kein Schnuller-Ersatz! Nur bei Bauchschmerzen kann er helfen; diese könnten das Kind am Schlafen hindern. Nur in diesem Fall kann Fencheltee beim Einschlafen helfen.

2. Ab welchem Alter kann mein Baby Fencheltee trinken?

Werden sie voll gestillt, brauchen gesunde Säuglinge bis zum vollendeten 5. Monat, also der 20. Woche, keine zusätzliche Flüssigkeit. Aber sobald es den ersten Brei bekommt, also nach Einführung der Beikost, braucht Ihr Baby ein wenig zusätzliche Flüssigkeit. In diesem Fall ist Wasser aus einem Glas oder vom Löffel und nicht aus der Nuckelflasche empfehlenswert. Es gibt auch sogenannte Trinklernbecher, wenn Ihr Baby später mehr trinkt. Dabei können Sie ruhig auf Leitungswasser zurückgreifen, das Sie so lange laufen lassen, bis es kühl ist. Aber wenn Ihr Baby Beschwerden wie Blähungen hat, ist ein dünner Fencheltee empfehlenswert!

Aber bitte erst verabreichen, wenn Ihr Baby Beikost bekommt. Das bedeutet: frühestens ab Ende des 4. Monats. Denn solange Sie Ihr Kind voll stillen, ist die salz- und proteinarme Muttermilch der perfekte Durstlöscher. Sie ist maßgeschneidert für Ihr Kind, wird am besten vertragen und sogar automatisch dünner, wenn es draußen sehr heiß ist.

3. Fencheltee zubereiten – so funktioniert’s

Kaufen Sie fertigen Fencheltee, sollten Sie auf die Zutatenliste schauen: Sind Zucker, Saccharose, Laktose, Maltodextrin oder Dextrose zugesetzt? Diese Produkte lieber im Regal stehen lassen: Gesüßte Tees sollten nicht nur mit Blick auf die Zahngesundheit Ihres Babys tabu sein, sie fördern auch die Gewöhnung an Süßes, sodass es später Wasser verweigert. Deshalb gilt: Je weniger Zutaten auf der Liste stehen, desto besser!

Wenn Sie genau über Inhaltsstoffe und Dosierung Bescheid wissen möchten, kochen Sie den Fencheltee selbst; alle Zutaten zu diesem Rezept gibt’s in der Apotheke. Dort wird der Fenchel auf Wunsch auch schon angestoßen. Das macht die ätherischen Öle leichter lösbar. Besser ist es allerdings, das erst kurz vor dem Brühen zu Hause zu tun. Dann verfliegen die ätherischen Öle nicht schon vorher und lösen sich besser im Teewasser. Das Süßholz macht den Tee nicht nur süßlicher – es unterstützt auch die entspannende, wohltuende Wirkung des Fenchels auf die Verdauung. Sie können es notfalls aber auch weglassen.

Übrigens: Auch wenn die kleinen Körner wie Samen aussehen: Es handelt sich um die Früchte der Fenchelpflanze. Der Gemüsefenchel dagegen ist der verdickte Stiel der Pflanze.

Rezept: Fencheltee

Zutaten für eine Flasche

  • Teelöffel Fenchelsamen (ca. 0,4 g)
  • 1 kleines Stückchen Süßholz
  • 1/8 Liter Wasser

Zubereitung

  1. Die Fenchelsamen im Mörser leicht anstoßen und mit dem Süßholz in eine Kanne geben.
  2. Das Wasser 2 Minuten sprudelnd kochen lassen, dann über die Samen gießen.
  3. 5 bis 10 Minuten ziehen lassen, dann durch ein Sieb seihen.

(Buch DvC: Unser Baby – das erste Jahr)

Es ist wichtig, den Tee ausreichend ziehen zu lassen. Der Tee sollte 5 bis 10 Minuten ziehen, bei Fertigtees die Packungsanweisung beachten. Je länger er zieht, desto stärker wird er. 

Auch die richtige Trinktemperatur sollte nicht vergessen werden, damit sich Ihr Kind nicht verbrennt. Am besten hat der Tee 37 Grad Celsius, also Körpertemperatur, wenn Ihr Kind ihn trinkt. Lassen Sie einige Tropfen Tee auf die Innenseite Ihres Handgelenks tropfen. Haben Sie dabei ein Gefühl angenehmer Wärme, stimmt die Temperatur.

Den Fencheltee wieder aufwärmen? Wird der gebrühte Fencheltee lange bei Zimmertemperatur stehen gelassen, können sich Bakterien darin vermehren. Das empfindliche Immunsystem Ihres Babys kommt mit Keimen nicht klar, die ein Erwachsener gar nicht bemerken würde; Magen-Darm-Erkrankungen können die Folge sein. Deshalb gilt: Tee frisch kochen, auf Körpertemperatur abkühlen lassen, frisch verwenden. Länger als 2 bis 3 Stunden sollte er nicht stehen. Am besten in eine Thermoskanne abfüllen – dann bleibt er länger frisch.

4. Wann kann Fencheltee für mein Baby gefährlich werden?

Da es sich bei Fencheltee um ein Naturprodukt handelt, enthält er in der Natur vorkommende Bakterien. Wird der Tee mit sprudelnd kochendem Wasser aufgegossen, stellen Bakterien keine Gefahr mehr dar. Also lieber nicht nur mit heißem Wasser aufbrühen – das tötet die Keime nicht ab. Auch sollten Sie den Tee nicht vor der minimal angegebenen Ziehzeit verwenden. Denn erst dadurch können die Wirkstoffe ja übergehen und alle Keime getötet werden. Bei zu niedriger Brühtemperatur und zu kurzer Ziehzeit kann der Tee sogar zu Magen-Darm-Problemen führen.

5. Wie oft und wie viel Fencheltee sollte mein Kind trinken?

Nur bei Bauchschmerzen oder Blähungen ist ein Glas Fencheltee für Ihr Baby empfehlenswert. Und auch erst nach Einführung der Beikost! Weder jeden Tag noch mehr als 250 ml pro Tag sind empfehlenswert, da die Pflanzenwirkstoffe im Tee therapeutische Wirkung haben. Geben Sie zu viel Tee, treten eher mehr Blähungen auf. Viel hilft hier nicht viel! Als reiner Durstlöscher ist Wasser ideal. Fencheltee dagegen ist kein Erfrischungsgetränk – das braucht Ihr Baby noch nicht!

Wenn Sie noch stillen, stellt sich die Frage, ob es besser ist, den Fencheltee vor oder nach dem Stillen zu geben? Wenn Sie nach der Beikosteinführung weiter stillen, können Sie den Tee jederzeit verabreichen. Dann, wenn Beschwerden auftreten, ist der richtige Zeitpunkt; unabhängig davon, wann gestillt wird. Wenn Ihr Kind allerdings eher wenig wiegt und kaum Appetit hat, lieber erst stillen und dann bei Bedarf den Tee geben.

6. Was ist besser: lose Fenchelfrüchte, Teebeutel oder Instanttee?

Für Babys gibt es extra Instant-Babytee; dieser ist jedoch oft mit Zucker oder anderen süßen Trägersubstanzen versetzt. Er muss gar nicht mehr ziehen, sondern nur noch aufgegossen werden.

Da vor allem die Fenchelfrüchte die ätherischen Öle enthalten, hat frisch gebrühter Tee die stärkte Wirkung. Alternativ können Sie auch Fencheltee in Fertigbeuteln verwenden. Die können Sie aber nicht anstoßen – seine Wirkung ist deshalb schwächer. Außerdem enthält Teebeutel-Tee oft nicht nur Früchte, sondern auch die billigeren Fenchelblüten, -stängel und -blätter. Dann ist er wesentlich wirkstoffärmer als reiner Fenchelfrüchte-Tee.

Und wie sieht es mit den Kosten aus? Hier eine kleine Übersicht über die Preise von unterschiedlichen Fencheltees:

HerstellerPreisPreis pro PortionKommentar
HiPP Erster Fenchel-Tee zuckerfrei (Instant)3,99 Euro für 
15 Portionen
0,27 EuroBio-Produkt, keine Info darüber, ob der Tee aus Blättern, Blüten oder Samen besteht
Milupa Baby-Tee milder Bauchwohl-Tee (Instant)2,99 Euro für circa 50 Portionen0,06 Euroenthält Fenchel, Anis, Hagebutte, natürliches Fenchelaroma
Ganze Fenchelsamen von Lebensbaum1,69 Euro für 30 Gramm (1 Portion sind 0,4 g)0,02 Eurozum Selbermachen, Bio-Produkt
Ganze Fenchelsamen (Apotheke)circa 1,63 Euro für 30 g0,02 Eurozum Selbermachen

Ganze Fenchelsamen zu kaufen und den Tee selbst herzustellen ist in diesem Vergleich die kostengünstigste Variante.

Die Baby-Instant-Tees sind am teuersten und es bleibt unklar, wie hoch in ihnen der Wirkstoffgehalt ist, da hier keine Information über den Fenchelfruchtgehalt vorliegt.

7. Fencheltee für Babys süßen – darauf sollten Sie achten

Wenn ein Baby Fencheltee nicht mag und Blähungen hat, ist die Versuchung groß, ihn mit süßenden Zutaten schmackhaft zu machen.

Honig ist im 1. Lebensjahr aufgrund von Botulismus-Gefahr tabu! Das Bakterium Clostridium botulinum kann auch durch Abkochen nicht abgetötet werden, da es sehr hitzeresistent ist. Es kann sich im Darm von Säuglingen ansiedeln und dort auskeimen. Es bildet ein Nervengift, das Botulinumtoxin, das zu Lähmungen führt und lebensbedrohlich ist. Bei Erwachsenen und Kindern über 1 Jahr droht diese Gefahr nicht. Man vermutet, dass eine ausgereifte Darmflora diese geringen Mengen Clostridium botulinum verdrängt.

Zucker oder Fruchtsäfte sind nicht so gefährlich, aber überflüssig. Zucker gewöhnt das Kind an einen süßen Geschmack, liefert Energie ohne ernährungsphysiologischen Mehrwert und fördert Karies schon bei den Milchzähnen. Beim Fruchtsaft schädigt zusätzlich zum natürlichen Zucker auch die Fruchtsäure die Zähne.

Auch Muttermilch oder Säuglingsmilchnahrung sollte nicht beigemischt werden. Schließlich soll der Tee gegen Beschwerden wirken und nicht durch andere Zutaten verwässert werden. 

Bei ernsthaften und anhaltenden Bauchschmerzen sollten Sie in jedem Fall den Kinderarzt konsultieren.

8. Fencheltee in Schwangerschaft und Stillzeit

Fencheltee kann unbesorgt sowohl in der Schwangerschaft als auch in der Stillzeit getrunken werden. Er hilft nicht nur Ihrem Baby bei Blähungen, sondern auch Ihnen. Darüber hinaus ist Fencheltee ein bewährtes Hausmittel bei Schwangerschaftsübelkeit und Krämpfen.

In der Stillzeit wirkt Fencheltee milchfördernd und die positiven Inhaltsstoffe können über die Muttermilch an Ihr Baby weitergegeben werden; dadurch können Blähungen und Koliken entgegengewirkt werden. Auch hier gilt: in Maßen trinken und nicht jeden Tag literweise.

9. Fazit

Fencheltee ist ein sinnvolles Hausmittel bei leichten Verdauungsbeschwerden oder Erkältung ab Einführung der Beikost. Er ist jedoch weder ein Allheilmittel noch sollte er mit zuckrigen Zusätzen oder Aromen vermischt werden. Dass Babys nicht durchschlafen und manchmal unruhig sind, ist ganz normal. Das wird durch Fencheltee in den meisten Fällen auch nicht besser. Weil es sich hier um ein Naturprodukt handelt, sollten Sie bei der Zubereitung besonders sorgfältig sein!

Dagmar von Cramm

Unsere Ernährungs-Expertin
hat bereits zahlreiche Bücher
und Zeitschriften über gesunde
Ernährung und Kochen veröffentlicht.
Ihr Spezialgebiet? Essen mit Kindern – schließlich ist sie nicht nur Food-Journalistin und Ernährungs-Wissenschaftlerin, sondern auch dreifache Mutter!

Fragen und Antworten zum "Meine Familie" Vorteilsprogramm