Einheimische Superfoods der Saison

Wo man auch hinschaut: Superfoods sind im Trend. Aber verdienen sie den Namen tatsächlich oder ist das Ganze reines Verkaufen von teuren Lebensmitteln? Was macht ein Superfood aus? Was muss es können? Und gibt es frische, regionale Alternativen zu den exotischen, oft getrockneten Superfoods? Hier erfahren Sie, welche heimischen Pflanzen es mit den Exoten aufnehmen können und warum sie so gesund sind. Viel Spaß bei der Entdeckung von ganz schlichtem, regionalem Superfood.

Herzlichst
Ihre Dagmar von Cramm
Einheimische Superfoods der Saison

Was sind Superfoods?

Eine offizielle Definition für Superfood gibt es nicht. Doch im Allgemeinen werden darunter Lebensmittel verstanden, die einen herausragend hohen Gehalt an bestimmten Nähr- und Bioaktivstoffen wie etwa Vitamine, Mineralstoffe, Flavonoide, Phenole oder ungesättigte Fettsäuren aufweisen und daher besonders positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden wirken. Entsprechend sind es in der Regel pflanzliche Lebensmittel, weil deren Nährwertdichte an wertvollen Substanzen höher ist als bei Lebensmitteln tierischen Ursprungs. Als Superfoods angeboten wird vor allem Exotisches wie Chiasamen, Gojibeeren oder Quinoa. Und das mit großem Erfolg. Laut den Marktforschern der IRI, Information Resources GmbH, hat sich zum Beispiel der Verkauf von Chiasamen in Deutschland zwischen 2014 und 2015 um sagenhafte 94.000 Prozent von 7.000 auf fast 665.000 kg gesteigert. Das war möglich, weil die ursprüngliche Menge so niedrig war. Die Experten von IRI sind dabei überzeugt, dass das erst der Anfang war und sich das Wachstum in den kommenden Jahren ähnlich rasant fortsetzen wird. Neben all den Exoten gibt es aber auch heimische Lebensmittel wie Leinsamen, Sanddorn oder Hirse, die mit jeder Menge gesunden Inhaltsstoffen auch als Superfoods gelten und mit den Newcomern durchaus mithalten können.

Die besten regionalen Alternativen

Es gibt einige Renner im großen Angebot der Superfoods. Wir haben recherchiert, welche heimischen Lebensmitteln es mit den Stars der Szene aufnehmen können. Und sind fündig geworden. Hier unsere Liste.

Chiasamen – Leinsamen

Chiasamen strotzen nur so vor Gesundem: viel Eiweiß, Ballaststoffe, Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, wichtige Mineralien wie Eisen und Kalzium und eine gute Portion Antioxidantien. Da die Samen in Flüssigkeit stark aufquellen und ein Gel bilden, sind sie gute Magenfüller und tun der Verdauung gut. Sie schmecken neutral und passen so zu fast allem: in Müslis, Smoothies, Salaten oder Gebäck. Aufgequollen sind sie ein guter Ei-Ersatz, zum Beispiel in Bratlingen. Die braunen Leinsamen haben eine ähnliche Zusammensetzung und überzeugen wie diese mit vielen Ballaststoffen und Omega-3-Fettsäuren. Auch sie enthalten Schleimstoffe, die unsere Verdauung fördern und Balsam für Magen und Darm sind. Allerdings werden sie erst wirksam, wenn der Leinsamen geschrotet wird. Denn im Gegensatz zu den Chiasamen, wo die gelbildenden Stoffe außen auf der Schale sitzen, befinden sich die Schleimstoffe bei den Leinsamen im Inneren. Chiasamen enthalten etwas mehr gesundes Fett als Leinsamen und einen bedeutend höheren Anteil an Antioxidantien. Sie haben außerdem den Vorteil, dass sie auch ungeschrotet wirksam sind und länger gelagert werden können, ohne ranzig zu werden. Durch ihre höhere Quellfähigkeit und die Gelbildung sind sie außerdem vielfältiger einsetzbar. Die sehr viel preiswerteren Leinsamen sind trotzdem eine gute Alternative für die Versorgung mit Omega-3-Fett und zur Anregung der Verdauung, besonders wenn sie geschrotet sind.

Gojibeeren – Sanddornbeeren

Die chinesische Gojibeere ist mit einem Mix aus Antioxidantien, Vitamin C und Zink ein starker Abwehr-Booster. Mit Vitamin E und Betacarotin tut sie aber auch der Haut und den Augen gut und soll insgesamt eine belebende Wirkung haben. Zudem ist die Gojibeere ein Adaptogen, das bedeutet, sie hilft dem Körper, sich an körperliche und psychische Belastungen anzupassen, indem sie zum Beispiel die Muskelregeneration bei Sportlern beschleunigt. Die leicht süßlichen Früchte sind bei uns in der Regel nur getrocknet erhältlich und lassen sich so wie Rosinen verwenden. Auch die Sanddornbeeren aus dem Norden sind Power pur für die Abwehrkräfte. Mit etwa 260 mg pro 100 g gehören sie zu den absoluten Vitamin-C-Stars. Vitamin E, Betacarotin, einige B-Vitamine und Antioxidantien wie Flavonoide runden den Nährstoffcocktail ab und haben eine stärkende Wirkung auf den Körper. Pur ist die Beere sehr sauer, daher wird sie oft gesüßt als Saft oder Fruchtmark angeboten. Beide Beeren sind absolute Gewinner für unsere Abwehrkräfte und sorgen schon in kleinen Mengen für ein starkes Immunsystem.

Acaibeeren – Blaubeeren

Die dunkle Farbe der brasilianischen Beeren verrät es: Sie strotzen nur so vor Antioxidantien, vor allem Anthocyane und Flavonoide. Sie enthalten mehr davon als jede andere Frucht auf der Welt und können so zellschädigende freie Radikale besonders effektiv abfangen. So sollen sie den Alterungsprozess verlangsamen und den Stoffwechsel beschleunigen. Sie werden bei uns als Pulver, Saft oder gefrorenes Püree angeboten und passen vor allem in süße Speisen oder Getränke wie Smoothies. Auch die heimische Blaubeere verdankt ihre Superkräfte Antioxidantien, vor allem Anthocyane, die unsere Körperzellen vor schädlichen Einflüssen schützen können. Zusätzlich versorgen sie uns mit Vitamin C, E und einigen B-Vitaminen und haben mit ihren Gerbstoffen eine darmreinigende Wirkung. Wilde Blaubeeren, im Sommer selbst gesammelt oder tiefgefroren, mit dunklem Fruchtfleisch enthalten mehr Antioxidantien als die meist im Handel erhältlichen Kulturblaubeeren mit hellem Fruchtfleisch. An den Antioxidantiengehalt der exotischen Acai kommt die heimische Blaubeere nicht heran. Aber auch sie liefert eine große Portion davon und hat den großen Vorteil, dass sie frisch erhältlich ist. Auch andere dunkle, bläuliche Früchte wie Holunderbeeren, Brombeeren, rote Weintrauben oder Kirschen sind gute Lieferanten der zellschützenden Anthocyane.

Moringa – Kräuter

Dass die grünen Blätter des indischen Moringabaums als Gesundwunder gelten, liegt vor allem an den über 40 verschiedenen Antioxidantien, die in ihnen stecken sollen. Die sollen – zusammen mit vielen Vitaminen, Mineralien, pflanzlichem Eiweiß und besonders viel vom grünen Blattfarbstoff Chlorophyll – unsere Zellen schützen, gegen Entzündungen wirken und belebend auf Körper und Geist wirken. Ebenso wie Gojibeeren ist die Pflanze ein Adaptogen, das den gesamten Körper in Balance bringen kann. Die getrockneten Blätter eignen sich als Tee oder gemahlen als Zusatz für Dressings, Dips, Pestos oder Smoothies. Kräuter wie Petersilie, besonders aber auch Wildkräuter wie Löwenzahnblätter oder Brennnesseln sind ebenfalls reich an Chlorophyll, das eine belebende, reinigende und zellschützende Wirkung auf den Körper hat. Auch mit Vitaminen wie Vitamin C und Mineralien können sie aufwarten und den Körper damit zum Beispiel bei der Bekämpfung von Entzündungen unterstützen. Auch wenn Moringa einen außergewöhnlich hohen Gehalt an gesunden Stoffen aufweisen kann, können heimische Kräuter gut mithalten. Denn sie enthalten zwar weniger von den gesunden Stoffen, haben aber den großen Vorteil, dass sie im Gegensatz zum getrockneten Moringa frisch auf den Tisch kommen.

Superfood am besten frisch!

Exotische Superfoods sorgen für Abwechslung und gesunde Nährstoffe auf dem Teller. Aber es lohnt sich auch, bei heimischen Alternativen zuzugreifen. Denn auch sie versorgen uns mit viel Gesundem, sind dazu sehr viel preiswerter und haben keine langen Transportwege hinter sich. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für den Erhalt der wertvollen Nährstoffe. Egal für welches Superfood Sie sich entscheiden: Keines davon ist ein Wundermittel, auch wenn sie oft mit überzogenen Versprechungen angepriesen werden. Selbst größere Mengen davon gleichen eine insgesamt ungesunde Ernährung nicht aus. Aber bei einer ausgewogenen Ernährung können Superfoods – egal ob exotisch oder heimisch – das positive i-Tüpfelchen für Ihre Gesundheit sein.

Einkaufstipps

  • Kaufen Sie Superfoods in möglichst natürlicher Form als Lebensmittel, nicht als Medizin. Also zum Beispiel besser getrocknete Gojibeeren als ein Fruchtjoghurt mit Gojibeeren-Extrakt oder gar Kapseln wählen.
  • Schauen Sie genau hin und studieren Sie die Zutatenlisten, besonders bei Pulvern, Kapseln und verarbeiteten Lebensmitteln mit Superfoods: Wie viel Superfood steckt tatsächlich im Produkt? Was steckt noch drin? Bei Produkten mit minimalem Superfoodanteil, aber vielen Füll- und Zusatzstoffen oder Zucker besser die Finger davonlassen!
  • Besonders bei Superfoods, die aus fernen Ländern kommen, sollten Sie im Hinblick auf mögliche Rückstände Bioqualität bevorzugen.