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Clusterfeeding – wenn Ihr Baby immerzu an die Brust will

Sie haben Ihr Baby gerade zu Ende gestillt, sich kurz einen Tee gekocht und schon wird es wieder unruhig und verlangt nach der Brust? Das Stillen wird zum Dauerzustand und Sie wissen nicht, warum? Viele Milchmahlzeiten hintereinander nennt man auch „Clusterfeeding“. Wann Clusterfeeding auftritt, wieso Babys manchmal stundenlang an der Brust hängen, wie Sie das Stillen positiv gestalten können, ob es Ihrem Kind überhaupt guttut und ob man Babys Clusterfeeding abgewöhnen kann, erfahren Sie in diesem Artikel.

Herzlichst
Ihre Dagmar von Cramm

Was ist Clusterfeeding?

„Cluster“ bedeutet auf Deutsch „Anhäufung“, „Feeding“ ist die Ernährung: Ihr Kind sammelt über mehrere Trinkmahlzeiten kurz hintereinander Nährstoffe aus der Milch. Vor allem ganz am Anfang der Stillzeit verlangt Ihr Kind in sehr kurzen Abständen nach der Brust. In den ersten Tagen fließt noch die Vormilch in kleinen Mengen, die Milch schießt erst nach 1 bis 2 Tagen ein. Der Magen Ihres Babys ist noch sehr klein und es hat noch nicht so viel Kraft, länger zu saugen. Stillen Sie es deshalb so oft wie möglich.

Vorteile von häufigem Stillen

Clusterfeeding ist weder ein Grund zur Sorge noch muss es etwas Unangenehmes für Sie sein. Nutzen Sie die Chance, das Stillen in den ersten Lebenstagen zu üben und genießen Sie die gemeinsame Kuschelzeit! Denn das häufige Stillen hat auch einige Vorteile:

  • Sie gewöhnen sich schneller ans Stillen, denn Übung macht den Meister.
  • Die Nähe tut Ihnen und dem Baby gut: Sie können die gemeinsame Kuschelzeit genießen.
  • Ihr Baby kann sich in der wohligen Atmosphäre Ihrer Nähe nach einem Tag mit vielen neuen Eindrücken entspannen.
  • Gerade während des Wochenbetts in den ersten 6 Wochen sollten Sie frei von Pflichten sein und sich ganz auf Ihr Kleines konzentrieren. Der gesetzliche Mutterschutz von 8 Wochen unterstützt das.

Wie oft stille ich bei Clusterfeeding?

In den ersten Lebenstagen ist es ganz normal und sogar sehr empfehlenswert, Ihr Kind mindestens 8- bis 12-mal anzulegen. Vor allem abends möchte das Kind in kürzeren Abständen gestillt werden. Durch dieses „Päppeln“ kommt Ihr Baby schnell zu Kräften und nimmt zu. Ab der 2. Woche hat Ihr Baby das Trinken gelernt. Achten Sie auf seine Bedürfnisse und stillen Sie weiter nach Bedarf, Ihr Baby weiß am besten, wie viel Milch es braucht.

Warum meist abends mehr gestillt wird

Stillen deckt nicht nur den Nährstoff-Bedarf Ihres Babys: Auch Ihre Nähe und Zuwendung ist in diesen Momenten für Ihr Kind wichtig. Ihr Baby kann sich in der wohligen Atmosphäre in Ihren Armen nach einem Tag mit vielen neuen Eindrücken entspannen. Oft hat es aber auch handfeste Gründe: Nach der Nachtruhe sind die Brüste prall gefüllt mit Milch. Am Ende eines langen Tages ohne fehlende größere Schlafpausen der Mutter steht meist weniger Milch zur Verfügung. Gönnen Sie sich deshalb auch tagsüber so viel Ruhe wie möglich.

Wenn Sie abends stillen, können Sie Ihr Baby auch mit in Ihr Bett nehmen und in den Schlaf stillen. Danach sollten Sie es aber in sein Bettchen legen, das am besten direkt neben Ihrem steht.

Tritt Clusterfeeding nur bei Stillkindern auf?

Clusterfeeding kann sowohl bei vollgestillten Babys auftreten als auch, wenn Sie Ihrem Baby Milch aus der Flasche geben. Das hat nichts mit dem Nährstoffgehalt in der Milch zu tun: Halten Sie sich unbedingt beim Zubereiten der Säuglingsmilchnahrung an die Packungsanweisungen. Gerade wenn Ihr Kind noch zart und schwach ist, aber auch nach Krankheiten kann es womöglich nicht so viel auf einmal trinken und braucht deshalb viele kleine Mahlzeiten.

Es kann auch sein, dass Ihr Baby nur ein Saugbedürfnis hat – ohne Hunger. Wenn es gut trinkt, aber ständig nuckeln möchte, dann können Sie versuchen, es zwischendurch mit einem Schnuller zu beruhigen.

Habe ich zu wenig Milch und mein Kind trinkt so oft, weil es nicht satt wird?

Entspannen Sie sich. Sie haben nicht zu wenig Milch, am Anfang braucht Ihr Baby für sein rasches Wachstum viel Energie, aber hat noch einen kleinen Magen. Muttermilch ist zudem sehr leicht verdaulich und wandert in Nullkommanichts vom Magen in den Darm. Auch wenn sich sein Nährstoffbedarf erhöht, sollten Sie Ihr Kind öfters anlegen, sodass sich Ihre Milchmenge daran anpasst. Oft gibt es Wachstumsschübe. Wenn Sie merken, dass Ihr Kind beide Brüste leer trinkt und noch immer Appetit hat, dann ist es sinnvoll, wieder 1 oder 2 Tage Clusterfeeding einzulegen – bis die Menge wieder stimmt und die Trinkabstände größer werden. 

Bei Flaschenkindern kann es an heißen Tagen vorkommen, dass Ihr Kind zusätzliche Flüssigkeit benötigt. Muttermilch hingegen wird bei Hitze dünnflüssiger und ist so der perfekte Durstlöscher in allen Lebenslagen.

Dos und Don‘ts beim Clusterfeeding

Hier ein paar Tipps und Tricks beim Clusterfeeding; nach der Tabelle folgen einige Erläuterungen:

DosDont's
Erst eine Brust leer trinken lassen, dann die nächste anbieten. Beim nächsten Stillen dann mit der „zweiten“ Brust zuerst stillen.Zwischen den Brüsten abwechseln, wenn sie wund sind, bevor eine jeweils leer ist.
Bis zum 5. Monat das Kind nur stillen!Mit der Flasche zufüttern aus Angst, das Kind werde nicht satt.
Darauf vertrauen, dass Ihre Milchmenge ausreicht. Bis zur Beikost braucht Ihr Kind keine zusätzliche Flüssigkeit.Die Milch mit Wasser verdünnen.
Das Kind so oft und so lange (bzw. kurz) trinken lassen, wie es möchte.Das Kind zum Trinken zwingen.
Eine bequeme Nackenhaltung einnehmen. Bringen Sie das Kind zur Brust!Die Brust zum Kind bringen ist ein Garant für Nackenverspannungen nach längerem Stillen.
Eine gemütliche Stillecke einrichten und dort immer nach Bedarf stillen.Sich mit festen „Stillzeiten“ unter Druck setzen.

Betten Sie Ihr Neugeborenes so auf Stillkissen, Decken und Ihren Unterarm, dass es die Brustwarze bequem erreichen kann, ohne dass Sie Ihren Rücken krümmen müssen. Schaffen Sie sich auch sonst eine gemütliche Atmosphäre und sorgen Sie auch für sich selbst; stellen Sie sich zum Stillen ein großes Glas Wasser bereit, sodass auch bei Ihnen das Trinken nicht zu kurz kommt. Auch eine Thermoskanne mit Stilltee oder einfach heißem Wasser ist toll: Wärme unterstützt die Milchbildung. Ruhen Sie sich nach jeder größeren Stillmahlzeit eine Viertelstunde aus und essen Sie eine Kleinigkeit: eine Portion Getreidebrei, ein Stück Obst, ein Müsli oder einen Joghurt. Besonders geeignet sind milde Obstsorten wie Melone, Birne, Heidelbeere oder Banane. Clusterfeeding kann zwar ein wenig anstrengend sein, aber wenn Sie alles andere hintanstellen, dann wird es auch Ihnen guttun.

Wie kann ich meinem Baby Clusterfeeding abgewöhnen?

Kurz gesagt: gar nicht. Clusterfeeding ist eine ganz normale Sache in den ersten Wochen Ihrer Stillzeit. Versuchen Sie nicht, das Trinkbedürfnis Ihres Kindes zu unterdrücken und ihm seinen Hunger oder Durst „abzugewöhnen“. Der Versuch, seinem Kind Genügsamkeit beizubringen, indem man es schreien lässt, wird heute von Entwicklungspsychologen kritisch gesehen. Wenn Sie später aber merken, dass es nicht trinkt, sondern nuckelt, sollten Sie versuchen, es mit dem Schnuller oder Wiegen zu beruhigen. Oft klappt das besser, wenn es der Vater oder die Großeltern des Babys übernehmen.

Die besten Tipps gegen wunde Brustwarzen

Um zu verhindern, dass Ihre Brust wund wird, achten Sie auf die folgenden Punkte: 

  • Führen Sie die Brustwarze immer senkrecht in den Mund des Babys ein. Liegt sie nämlich schräg und nicht in der Mittellinie der Zunge oder Mundhöhle, wird die Saugbelastung ungleich verteilt und es können wunde oder rissige, schmerzhafte Stellen entstehen.
  • Es ist außerdem entscheidend, dass Ihr Baby den gesamten Warzenhof mit seinem Mund umfasst: Nuckelt es nur an der Warze, tut das sehr weh und verletzt die empfindliche Haut.
  • Hat Ihr Baby angesaugt, können Sie die Brust loslassen, es saugt sich mit erstaunlicher Kraft fest!
  • Gerade in den ersten Wochen können Stillhütchen Ihre Brustwarzen schonen.
  • Lassen Sie viel Luft an die Brust, benetzen Sie die Warzen mit Muttermilch und lassen Sie sie trocknen. 
  • Manchmal helfen auch Salben oder Johanniskrautöl. Lassen Sie sich von einer Hebamme oder einem Arzt beraten.

Wann hört Clusterfeeding auf?

Bis sich alles stabilisiert hat, vergehen nach der Geburt einige Wochen. Mit der Zeit wird der Magen Ihres Babys größer und Ihre Milchmenge passt sich auch an, wenn der Bedarf Ihres Babys steigt. So vergrößern sich mit der Zeit die Abstände zwischen den Stillphasen. Es wächst quasi auf ganz natürlichem Wege aus dem Clusterfeeding heraus. 

Ob Ihr Baby genügend zunimmt, wird vom Arzt bei den Vorsorgeuntersuchungen kontrolliert. Es ist normal, dass Ihr Baby in den ersten Tagen etwas abnimmt, bis es nach zwei Wochen dann wieder sein Geburtsgewicht erreicht. Im ersten Vierteljahr nimmt Ihr Baby in der Regel 150 bis 200 g pro Woche zu. Sie müssen Ihr Kind jedoch nicht jeden Tag wiegen, das bedeutet nur unnötigen Stress für Sie und Ihr Baby. Sprechen Sie im Zweifelsfall mit Ihrer Hebamme, dem Kinderarzt oder der Stillgruppe und halten Sie sich nach der Geburt an die Schwester oder Hebamme, zu der Sie den besten Draht haben.

Dagmar von Cramm

Unsere Ernährungs-Expertin
hat bereits zahlreiche Bücher
und Zeitschriften über gesunde
Ernährung und Kochen veröffentlicht.
Ihr Spezialgebiet? Essen mit Kindern – schließlich ist sie nicht nur Food-Journalistin und Ernährungs-Wissenschaftlerin, sondern auch dreifache Mutter!

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