Babys „sehen“ mit dem Mund

Mit etwa 4 Monaten kann Ihr Baby greifen – und nutzt diese Fähigkeit intensiv, um alles, was es zu fassen kriegt, in den Mund zu stecken. Egal, ob das Ihr Finger oder die Quietschente ist: Alles wird eingesabbert. Vergessen Sie Ihre erwachsenen Vorstellungen von Sauberkeit und Hygiene: Ihr Kind erobert seine Umwelt – das macht fit fürs Leben. Wenn Sie diesen Reflex beim Essen nutzen, bringt es am Ende allen Spaß!

Herzlichst
Ihre Dagmar von Cramm

Was bedeutet die „orale Phase“?

Oral kommt vom lateinischen "os", der Mund, und bezeichnet alles, was ihn betrifft. Beim Baby also das Ertasten von Gegenständen mit dem Mund. Diese Phase beginnt im 4. oder 5. Monat und kann sich bis ins Kleinkindalter hinziehen. Mit dem Mund kann es Gegenstände viel besser erfühlen als mit der Hand und besser "verstehen" als durch den bloßen Anblick. Sobald es zugreifen kann und mobiler wird, geht es aktiv auf "Entschleckungsreise". Es fängt Wollmäuse, schreckt nicht vor Hundefutter zurück, schleckt an Steinen, Plüschtieren, Spielzeug und schlürft sein Badewasser. Sollen wir unser Baby dabei gewähren lassen?

Die Immunabwehr trainieren

Tatsächlich sind alle genannten Dinge ungefährlich: Die Keimwelt der eigenen Familie ist Ihrem Kind vertraut - sein Immunsystem hat sich damit auseinandergesetzt. Gefährlich kann Wasserspielzeug sein, in dessen feuchtem Inneren sich laut einer Untersuchung der Stiftung Warentest oft Schimmel bildet. Badeenten also öfter austauschen und zwischendurch gründlich trocknen lassen. Plüschtiere und Spielzeug sollten ab und zu in der Waschmaschine landen. Zu Hause reicht als hygienische Maßnahme regelmäßiges Saugen und feuchtes Wischen.

Vorsicht, Fremdkörper!

Größer ist die Gefahr, wenn sich Ihr Baby krabbelnd selbstständig macht: Bunte Pillen, Zigarettenkippen, Zimmerpflanzen oder Schnaps-Pralinen sind Gift fürs Kind. Auch scheinbar unbedenkliche Lebensmittel wie Nüsse, Weintrauben oder rohe Hülsenfrüchte können gefährlich werden: Ihr Kind stopft sich wirklich alles in den Mund - manchmal auch in die Nase - und könnte dabei ersticken. Sandkastensand oder Erde ist hingegen weniger riskant. Es reicht, den Mund gründlich auszuspülen und mit einem Taschentuch nachzuwischen.

Tipps für Fingerfood

Lassen Sie Ihr Baby auch einmal mit den Fingern essen, um seinen Entdeckungstrieb auszuleben. Aber bitte keine salzigen Laugenbretzeln, Pommes, Wurst- oder Käsescheiben, Riegel oder süße Kekse: Fingerfood sollte salz- sowie zuckerarm und nicht zu hart sein.

  • Vorgedünstetes Gemüse wie Möhren, Ofenkartoffeln, Kürbisspalten oder Süßkartoffelpommes aus dem Ofen sind prima.
  • Weiches Obst wie Beeren, Pfirsich- oder Aprikosenspalten, Bananen- und Mangostückchen sind ebenfalls gut geeignet.
  • Auch gekochte Vollkornnudeln oder altbackene Brotscheiben sind okay. Nur Reiscracker ohne Zusatz von Salz und Zucker nehmen.