Baby, was schmeckt dir?

Das sogenannte „Baby-led weaning“ – das Sich-selber-Abstillen des Babys – kommt aus Großbritannien und beschreibt eine neue Art, Beikost einzuführen. So führt der Weg zur festen Nahrung nicht mehr klassisch über Brei und Löffel, sondern wird mit Fingerfood gelöst. Die Kleinen dürfen vom Tisch der Großen essen, nur eben als mundgerechte, weiche Stückchen statt püriert. So soll das Baby selbstbestimmt seinen Geschmack entdecken und Lebensmittel kennenlernen. Kann das klappen? Hier erfahren Sie etwas über die Vor- und Nachteile des neuen Trends.

Herzlichst
Ihre Dagmar von Cramm

Fingerfood statt Babybrei

Mit etwa 6 Monaten ist Ihr Baby reif für die erste „Beikost“ – also feste Nahrung zusätzlich zur (Mutter-)Milch. Aber wann ist es fit für Fingerfood? Wichtig ist, dass das Baby aufrecht sitzen und die Arme frei bewegen kann. Teller und Löffelchen bleiben im Schrank, das Baby schnappt sich die Nahrungsmittel direkt vom Tisch oder Hochstuhltablett. Voraussetzung für das gemeinsame Familienessen ist eine gesunde und vollwertige Ernährung, bei der sparsam gesalzen wird. Die Kleinen bekommen von Anfang an dasselbe zu essen wie die Großen, nur eben als mundgerechte Stückchen statt püriert. Gefuttert wird dann eigenständig mit den Händchen. Bei jeder Mahlzeit gibt es eine Auswahl an Lebensmitteln: Obst und Gemüse, Kartoffeln und Nudeln eignen sich gut. Nun heißt es geduldig sein: Oft betastet oder spielt das Baby erst mit dem Essen, bevor es verspeist wird. Oder es landet auf dem Küchenboden. Kein Grund zur Sorge, meint die englische Hebamme und Begründerin Gill Rapley, denn durch das Stillen wird das Baby wie gewohnt mit allen Nährstoffen versorgt, die es zum Wachsen braucht.

Klappt Beikost ohne Brei?

Kann ein Baby schon die Verantwortung für seine eigene Ernährung übernehmen? Wenn nur an der Nudel gelutscht wird, bekommt das Baby zu wenig Nährstoffe. Die Gefahr, dass es zu früh stark gewürzte oder gezuckerte Fertigprodukte futtert wie Kekse, Kuchen, Laugengebäck, Fleischbällchen, Wurst- oder Käsestückchen, ist groß. Und: Selber essen ist anstrengend. Das Baby wird schnell müde, isst nicht genug und das Falsche und braucht mehr zusätzliche Stillmahlzeiten, um satt zu werden. Außerdem besteht immer die Gefahr des Verschluckens: Sie müssen Ihr Kind im Auge behalten. Im besten Fall ist das Fingerfood eine Ergänzung zum Stillen oder zur Breifütterung. Dann aber bringt Baby-led weaning frischen Wind in festgefahrene Beikostpläne und gibt neue Denkanstöße.

Patentlösung Quetschies?

Für Eltern ist Baby-led weaning mit viel Arbeit verbunden: Sie müssen das Fingerfood präparieren und danach sind Essplatz und Baby von oben bis unten bekleckert. Da scheinen „Quetschies“ eine super Alternative: Entweder kauft man sie fertig gefüllt mit Obst-Gemüse-Kompott. Oder man füllt sie selbst mit Kostproben vom Familientisch. Im Prinzip ähnelt das dem Breifläschchen früherer Zeiten: kein Kleckern, kein Ärger, es wird gesaugt. Eine Alternative zu Fingerfood ist es dadurch aber nicht. Das ständige Saugen und Nuckeln begünstigt zudem Zahnkaries. Außerdem gehört das Löffelnlernen zu unserer Esskultur, bedeutet einen weiteren Schritt in der Entwicklung und erleichtert langfristig das gemeinsame Essen. Der Brei spielt nach wie vor die Hauptrolle in der Säuglingsernährung nach dem 6. Monat. Aber bieten Sie zusätzlich auch weich gegarte, kindgerechte Lebensmittel oder natürlich zartes Obst als Fingerfood an. Das fördert die Geschmacksentwicklung und die Akzeptanz neuer Nahrungsmittel. Und letzten Endes die gemeinsame Familienmahlzeit!