Allergien von Anfang an vorbeugen – geht das?

Allergien nehmen zu: Etwa 30 Prozent der Kinder und 50 Prozent der Jugendlichen haben eine „allergische Bereitschaft“. Bereits wenn ein Familienmitglied – also Eltern oder Geschwister – eine Allergie hat, steigt das Risiko fürs Baby ebenfalls, davon betroffen zu sein. Erst recht, wenn beide Eltern Allergiker sind. Insgesamt reagieren Babys besonders häufig allergisch auf Grundlebensmittel. Die gute Botschaft: Sie können tatsächlich etwas tun, das Risiko zu senken. In diesem Newsletter erfahren Sie, wie Sie Allergien bei Ihrem Baby vorbeugen können. Aber machen Sie sich keine Sorgen, wenn es trotzdem eine Unverträglichkeit entwickelt: Die meisten verlieren sich bis zum Schulalter.

Herzlichst
Ihre Dagmar von Cramm

Eine natürliche Geburt stärkt das Immunsystem

Eine natürliche Geburt ist der erste Schritt, um Allergien vorzubeugen. Durch den Kontakt mit der Darmflora der Mutter wird die des Kindes mit den Darmbakterien der Mutter quasi geimpft und nachhaltig geprägt. Das senkt bereits das Risiko für allergische Erkrankungen. Kein Wunder: Im Magen-Darm-Trakt entwickelt sich das Immunsystem. Dort setzt sich der kindliche Körper mit der Umwelt auseinander. Und wenn’s ein Kaiserschnitt war? Dann gibt es noch weitere Möglichkeiten, Ihr Kind zu stärken.

Eine natürliche Ernährung schützt

Stillen ist laut allen Studien der wichtigste Schutzfaktor gegen Unverträglichkeiten. Die Zusammensetzung der Muttermilch ist ideal auf die Bedürfnisse des Säuglings abgestimmt. Sie enthält ganz individuelle Abwehrstoffe, die das Baby in seiner Umgebung schützt. Wenn möglich, sollten Sie Ihr Baby in den ersten 4 Monaten ausschließlich stillen. Sogar bis zum 6. Monat wird Ihr Kind durch die Muttermilch mit allem versorgt, was es braucht. Doch es spricht einiges dafür, schon ab dem 5. Monat mit kleinen Mengen Beikost zu beginnen. Die beste Alternative zu Muttermilch ist im ganzen ersten Lebensjahr hypoallergene HA-Säuglingsmilchnahrung.

Beikost: bunt gemischt in kleinen Mengen

Früher hieß es: möglichst spät und möglichst wenig Abwechslung beim Zufüttern – also bei der Beikost. Das hat sich grundlegend geändert: Alle Studien der letzten Jahre zeigen, dass kleine Mengen von Beikost von Beginn des 5. Monats an parallel zum Stillen das Risiko für Allergien senkt. Dabei spielen kleine Mengen und ein bunter Wechsel eine große Rolle. Das wirkt letzten Endes wie eine Impfung. Am besten Löffel für Löffel beginnen. Gehen Sie dabei schrittweise vor, indem Sie mit püriertem mildem Gemüse wie Möhren, Süßkartoffeln oder Pastinaken beginnen. Nach und nach kommen dann weitere Zutaten für den Mittagsbrei dazu: Fisch, Fleisch, Ei oder Nüsse als Eiweißträger. Und natürlich Fett. Mit der schrittweisen Einführung können Sie feststellen, ob Ihr Kind das jeweils neu eingeführte Lebensmittel verträgt.

Allergenkontakt statt Vermeidung

Es gibt Lebensmittel, die besonders positiv bei Unverträglichkeiten wirken. Auch wenn Ihr Kind kein Allergie-Risiko hat – die folgenden Tipps sind für alle Babys geeignet:

  • Fisch, vor allem fetter Seefisch wie Lachs, Hering und Makrele, senkt das Allergierisiko! Und zwar schon vor der Geburt: wenn die Mutter davon isst. Das sollte sie auch in der Stillzeit tun – die Omega-3-Fettsäuren gehen nämlich in die Muttermilch über und scheinen Unverträglichkeiten vorzubeugen. Wenn ab dem 5. oder 6. Monat das Baby seinen ersten Gemüsebrei bekommt, sollte mindestens ein- bis zweimal in der Woche Fisch dabei sein. Wichtig: Haifisch, Thunfisch oder Schwertfisch aufgrund der hohen Schadstoffbelastung nicht verwenden!
  • Kuhmilch verträgt Ihr Kind im 2. Lebenshalbjahr – aber nur in begrenzten Mengen. Mehr als 200 ml am Tag sollten es nicht sein. Das ist genau die Menge, die im Abendbrei enthalten ist. Auf Rohmilch lieber ganz verzichten, obwohl auch sie einen schützenden Effekt zu haben scheint. Das Risiko einer Infektion mit schädlichen Bakterien ist zu groß! Wichtig: Verwenden Sie Vollmilch mit 3,5 % Fett. Das Fett scheint nämlich vor allem für die schützende Wirkung verantwortlich zu sein. 
  • Butter ist deshalb auch eine wichtige Zutat. Rapsöl tut Ihrem Kind durch seine Omega-3-Fettsäuren gut. Butter dagegen hilft Allergien vorzubeugen. Nehmen Sie am besten Weidebutter. Sie enthält besonders viel gesunde Fette. Und wechseln Sie zwischen Rapsöl und Butter ab.
  • Getreide wie Weizen, Dinkel, Gerste, Roggen und in Spuren Hafer enthalten Gluten, ein wertvolles Eiweiß. Etwa 1 Prozent der Weltbevölkerung vertragen Gluten nicht. Sie haben Zöliakie und müssen Gluten ihr Leben lang meiden. Die beste Vorbeugung gegen Zöliakie sind Muttermilch und zwischen dem 4. und 6. Monat kleine Mengen glutenhaltige Beikost. Im Wechsel sind unterschiedliche Getreideflocken im Babybrei ideal.