Berufstätige Mütter: schwerer Stand in der Gesellschaft

Berufstätige Mütter

Der Vater bringt das Geld nach Hause und die Mutter kümmert sich um Haushalt und Kinder – dieses Modell war vor allem in Deutschland jahrzehntelang vorherrschend. Seit einiger Zeit beginnt sich das Blatt zu wenden, denn immer mehr Frauen möchten ihre gute Ausbildung auch nach der Geburt eines Kindes nutzen und weiter arbeiten. Und so sind berufstätige Mütter heute auch in Deutschland keine Seltenheit mehr. Weit über die Hälfte aller Mütter übt mittlerweile einen Beruf aus, wie die offiziellen Statistiken zeigen. Obwohl sich das traditionelle Familienbild auch in Deutschland langsam wandelt, haben es berufstätige Mütter hierzulande immer noch schwerer als in anderen europäischen Ländern. Das liegt zum Teil an den fehlenden Betreuungsmöglichkeiten für Kinder, die in anderen europäischen Ländern längst selbstverständlich sind, aber auch an der mangelnden gesellschaftlichen Akzeptanz für berufstätige Mütter. Nicht selten geraten diese Mütter auch heute noch in den Ruf, „Rabenmütter“ zu sein, denen die Karriere im Zweifelsfalle wichtiger ist als ihr Kind.

Das führt unter anderem dazu, dass Frauen immer später Kinder bekommen. Anders als in früheren Jahrzehnten, in denen viele Frauen bereits mit Mitte 20 Mutter wurden, ist es heute immer häufiger die Altersklasse zwischen 35 und 39 Jahren, die sich für ein Kind entscheidet. Die Logik dahinter: Wer es im Beruf schon zu etwas gebracht hat, für den ist es leichter, für eine Weile aus dem Beruf auszusteigen und sich der Familie zu widmen. Der zweite Grund liegt vor allem im finanziellen Bereich. Mütter, die wieder in den Beruf einsteigen möchten, müssen sich auch um eine gute Unterbringung für ihr Kind kümmern. Und da Betriebskindergärten in Deutschland noch eher die Ausnahme sind, ist diese Kinderbetreuung oft teuer.

Berufstätige Mütter: Wie bekommt man Karriere und Familie unter einen Hut?

Das größte Problem, vor dem berufstätige Mütter stehen, ist die Frage nach der optimalen Kinderbetreuung. Vor allem, wer unmittelbar nach der Geburt wieder in den Beruf zurückkehren möchte, muss oft viel Zeit und Energie investieren, um eine gute Betreuungseinrichtung zu finden, denn nicht überall werden bereits Säuglinge aufgenommen. Am einfachsten ist es natürlich, wenn Verwandte wie beispielsweise Oma und Opa bei der Kinderbetreuung einspringen können. Wird das Kind dagegen in einer Kita oder von einer Tagesmutter betreut, weil Verwandte nicht zur Verfügung stehen wollen oder können, müssen berufstätige Mütter bei einer Krankheit ihrer Kinder oft Urlaub nehmen, um das Kind zu Hause zu betreuen. Dieser Urlaub steht ihnen bei Kindern unter 12 Jahren zwar gesetzlich zu, doch nicht jeder Arbeitgeber hat für eine solche Notlage auch Verständnis. Trotzdem sind Kita oder Tagesmutter gute Alternativen, wenn die Betreuung durch nahe Verwandte nicht möglich ist.

Wer auf eine Kita, eine Tagesmutter oder andere öffentliche Betreuungseinrichtungen zurückgreift, der sollte sich bereits frühzeitig Gedanken über die optimale Unterbringung machen und das Kind frühzeitig anmelden. Denn berufstätige Mütter können nur dann entspannt und gut arbeiten, wenn sie ihr Kind in guten Händen wissen. Ein persönlicher Besuch bei der Tagesmutter oder der Kita sowie ein Gespräch mit anderen Eltern kann viel zur Beruhigung der werdenden Eltern beitragen.

Rechte berufstätiger Mütter

Auch wenn in Deutschland das traditionelle Familienbild nach wie vor eine große Rolle spielt: Berufstätige Mütter wurden auch vom Gesetzgeber mittlerweile als Realität anerkannt, sodass es genau definierte Rechte und Pflichten für berufstätige Mütter gibt. So haben Mütter und Väter das Recht, sich für die Pflege eines Kindes unter 12 Jahren freistellen zu lassen. Pro Elternteil, Kind und Jahr gilt eine Freistellung von maximal 10 Tagen, bei mehreren Kindern erhöht sich die maximale Freistellung auf 25 Tage. Besondere Rücksicht wird auch bei den Arbeitszeiten genommen. So haben berufstätige Mütter unter anderem einen gesetzlichen Anspruch auf eine reduzierte Wochenarbeitszeit, sofern ein Unternehmen mehr als 15 Arbeitnehmer beschäftigt und keine innerbetrieblichen Gründe gegen eine solche Teilzeitstelle sprechen.

Vor allem für berufstätige Mütter, die unmittelbar nach der Geburt wieder in den Beruf einsteigen, bieten sich Teilzeitstellen an. Je älter die Kinder werden, desto mehr können die berufstätigen Mütter ihre Stunden dann aufstocken. Wer sein gesamtes Arbeitsleben in Teilzeit arbeitet, wie es viele berufstätige Mütter nach wie vor tun, der läuft am Ende seines Arbeitslebens Gefahr, zu wenig Rente für einen gesicherten Lebensabend zu erhalten. Genaues Rechnen lohnt sich für berufstätige Mütter also.

Für berufstätige Mütter ist nach der Arbeit oft vor der Arbeit, wenn der Haushalt nach einem anstrengenden Arbeitstag auf Sie wartet. Damit man als berufstätige Mutter nicht irgendwann mit einem Burn-out zum Totalausfall wird, ist es sinnvoll, sich Hilfe zu organisieren. Das gilt besonders dann, wenn das Kind noch sehr klein ist und viel Aufmerksamkeit und Pflege braucht. Besonders, wenn beide Elternteile berufstätig sind, ist es sinnvoll, eine Haushaltshilfe einzustellen. Auch hier lohnt sich ein genauer Blick auf die Finanzen. Eltern sollten genau durchrechnen, ob sich eine Putzhilfe für ein paar Stunden in der Woche lohnt oder eine Haushaltshilfe finanziert werden kann, die jeden Tag ins Haus kommt.