Babys hören im Mutterleib anders als nach der Geburt

Babys hören im Mutterleib anders

Dass die Geburt zu den extremsten Situationen eines menschlichen Lebens gehört, ist unbestritten. Wohl auch deshalb sind Psychologen und Forscher immer wieder fasziniert von der Frage, was ein Kind im Mutterleib bereits erfährt, wie es die Außenwelt wahrnimmt und wie sich diese Wahrnehmung nach der Geburt verändert. Doch nicht nur für Experten sind diese Fragen interessant, sondern offensichtlich auch für Filmemacher. Der Erfolg des Filmes „Kuck mal, wer da spricht“ aus dem Jahre 1989 spricht für sich. Egal, ob es um das Hören von Babys geht, um Geräusche, Berührungen oder das Erlernen der Atemtechnik – für ein Baby ist nach der Geburt plötzlich einfach alles anders.

Ab wann können Babys im Mutterleib hören?

Bereits in den späten 1990er Jahren konnten verschiedene wissenschaftliche Studien nachweisen, dass das Hören bei Babys bereits in einer sehr frühen Phase ausgeprägt ist. Bereits im Mutterleib können Babys hören und reagieren auf akustische Reize. Die Anlagen für das Gehör entwickeln sich in der 24. Schwangerschaftswoche, und bereits acht Wochen vor der Geburt können Babys alles hören, was von der Mutter ausgeht. In dieser Phase hören Babys also nicht nur die Stimme der Mutter, sondern auch das Rauschen des Blutkreislaufes oder das Gurgeln im Bauch der Mutter. Ab der 35. Woche hören Babys dann auch unterschiedliche Tonhöhen und erkennen sogar den Rhythmus unterschiedlicher Sprachen; eine Eigenschaft, die für den späteren Spracherwerb sehr wichtig ist. Geräusche von außen hören Babys natürlich auch, doch diese Außengeräusche werden vom „Klangteppich im Bauch“ immer wieder überlagert.

Einmal auf der Welt werden die Geräusche viel lauter

Nach der Geburt hören Babys ausschließlich mit dem Trommelfell, während im Mutterleib zusätzlich noch verschiedene Hautrezeptoren auf Töne reagieren. Die Folge: Babys hören die Welt nach der Geburt plötzlich viel lauter, da alle Geräusche – von der Stimme der Mutter bis zum Türenknallen – ungefiltert an das Ohr dringen und der vertraute Klangteppich fehlt. Sind neugeborene Kinder unruhig, sollte man sie deshalb am besten auf Mamas oder Papas Bauch schlafen lassen. So hören die Babys wieder den aus dem Mutterleib gewohnten Klangmix und beruhigen sich schnell wieder.

Wie Babys auf Berührungen reagieren

Was für das Hören von Babys gilt, das gilt auch für andere Sinneswahrnehmungen wie Berührungen. Direkte Berührungen sind bei Ungeborenen natürlich noch nicht möglich, trotzdem können sie bereits etwa fünfeinhalb Wochen nach der Zeugung bestimmte Dinge fühlen. Sie merken, wenn sie mit ihren Händen die Fruchtblase berühren oder mit den Knien an die Wand der Gebärmutter stoßen. Psychologen sind davon überzeugt, dass die ersten Berührungen für einen Menschen von entscheidender Bedeutung sind. Aus diesem Grund gehen viele Hebammen und Ärzte mittlerweile dazu über, die notwendigen Untersuchungen nach der Geburt auf ein Minimum zu beschränken, damit das Neugeborene sich zunächst die zarten Berührungen von Mutter und Vater einprägen kann, bevor es mit fremden Händen in Berührung kommt.

Auch Atmen will gelernt sein

Neben dem Hören und der Empfänglichkeit für äußere Berührungen ändert sich für Babys mit der Geburt aber noch viel mehr. So müssen sie beispielsweise in kurzer Zeit ganz schön viel lernen, zum Beispiel das selbstständige Atmen. Im Mutterleib hat das Ungeborene noch keine eigene Atmung, da es über die Nabelschnur der Mutter mit den notwendigen Nährstoffen und mit Sauerstoff versorgt wird. Aus diesem Grund ist die Sauerstoffsättigung im Blut eines Ungeborenen auch immer nahezu konstant. Wie das Baby hören lernen muss, so muss es nach der Geburt auch das selbstständige Atmen lernen. Und das beginnt nicht erst mit dem Durchtrennen der Nabelschnur, sondern schon zu dem Zeitpunkt, da das Köpfchen geboren und Nase und Mund frei sind. Dies ist auch der Augenblick, in dem im Organismus des Babys sozusagen ein Schalter umgelegt wird. Genauso, wie sich nach der Geburt das Hören des Babys ganz auf das Trommelfell umstellt, entfalten sich nach der Geburt des Babys die Lungen. Dies geschieht langsam und die Schritte können für Eltern manchmal beängstigend sein:

  1. Der Kreislauf sorgt dafür, dass der benötigte Sauerstoff gepumpt wird. In den ersten Tagen und Wochen ist das Atmen für Babys noch eine sehr schwierige Kunst, und so atmen Babys vor allem im Schlaf nur sehr flach und schnaufen dabei.
  2. Sinkt der Sauerstoffgehalt des Blutes daraufhin, japsen Babys oft nach Luft, um die Sauerstoffsättigung wieder zu erhöhen. Auch wenn sich dieses Japsen für Eltern bedrohlich anhört, besteht kein Grund zur Beunruhigung.
  3. Sobald sich das neugeborene Kind an das selbstständige Atmen gewöhnt hat, verliert sich auch die „Schnappatmung“ mehr und mehr und ein normaler Atemrhythmus setzt ein.

Für Babys gilt es, nach der Geburt also unglaublich viel zu lernen und neue Eindrücke zu verarbeiten. Denn die Welt „draußen“ unterscheidet sich gewaltig von der Welt „drinnen“. Eltern sollten ihr neugeborenes Baby deswegen auch nicht mit Fördermaßnahmen überfordern, sondern ihr Kind ganz in Ruhe die Welt entdecken lassen. Die vertrauten Stimmen der Eltern und bekannte Gerüche sind die beste Unterstützung für Ihr Kind.