Das Couver-Syndrom, die Parallelschwangerschaft beim werdenden Vater

Väter als Vorbild

Es ist tatsächlich mehr als ein Klischee, dass oftmals auch werdenden Papas ein Babybauch wächst. Dieses Phänomen lässt sich recht häufig beobachten: Ist die Partnerin schwanger, vergrößert sich mit ihren Rundungen auch der Bauch des baldigen Papas.

Bisher wurde dieses Phänomen als Wohlstandsbauch abgetan. Der Mann würde sich nun ausruhen, hätte er sein evolutionstechnisch vorgegebenes Ziel, eine Frau zu finden und einen Nachkommen zu zeugen, ja erfüllt und müsse nun vorerst nicht attraktiv wirken. Dass dieses Phänomen gerade in der Schwangerschaft auftritt, wurde bisher damit erklärt, dass Männer häufig den vielen Essenseinheiten ihrer Partnerin Folge leisten und demzufolge mehr als nötig und noch dazu zu ungewohnten Uhrzeiten, beispielsweise nachts, essen. Vermehrte Essenszufuhr und unregelmäßige Essenszeiten würden zur vermehrten Fetteinlagerung führen, die besonders am Bauch sichtbar wird.

Das Phänomen „Babybauch beim Vater“ wurde inzwischen von Wissenschaftlern untersucht. Insbesondere Psychologen vermuteten einen Zusammenhang zwischen den Erlebnissen der Partnerin in der Schwangerschaft und den Bäuchen der Männer. Demnach würden werdende Papas eine Art Parallelschwangerschaft erleben.

Ausgehend von dieser These wurden viele Männer, insbesondere die Väter mit Babybauch, untersucht und immer wieder hinsichtlich Ihres Befindens während der Schwangerschaft ihrer Partnerin befragt. Das Ergebnis der Studie zeigte, dass viele künftige Väter mit Babybauch auch andere Schwangerschaftssymptome aufwiesen. Dies begann in den ersten Monaten der Schwangerschaft mit Heißhungerattacken, Übelkeit, leichter Reizbarkeit und extremen Stimmungsschwankungen. Besonders die werdenden Väter, die ausgeprägte Schwangerschaftssymptome aufwiesen, setzten im Verlauf der Schwangerschaft ihrer Partnerin einen Babybauch an. Die Erlebnisse der Parallelschwangerschaft gehen bei einigen Männern so weit, dass sie die Geburt intensiv erleben: Auch Sie erleiden Wehen beziehungsweise Schmerzen.

Von den Wissenschaftlern wird diese Parallelschwangerschaft als „Couvade-Syndrom“ bezeichnet. Der Begriff basiert auf dem französischen Wort für ausbrüten, „couver“.

Warum bekommen Männer einen Babybauch?

Das Couvade-Syndrom ist noch nicht eindeutig erforscht. So liegen beispielsweise die Gründe, warum Männer einen Babybauch bekommen und all die Symptome einer Schwangerschaft so unmittelbar und körperlich erfahren im Dunkeln.

Das Forschungsgebiet rings um das Thema der Parallelschwangerschaft wurde bisher nur von Psychologen und Psychoanalytikern betrachtet. Deren Annahme ist, dass es eine Schwangerschaft Männern zu suspekt ist, um sie begreifen zu können. Sie nutzen daher, unbewusst und nicht aktiv gesteuert, das Mittel des Rollenspiels, um sich in den Körper ihrer Partnerin hineinzuversetzen.

Eine andere Annahme der Psychologen ist, dass Männer ein Problem mit ihrer sich verändernden Rolle als werdender Vater haben. Während für eine schwangere Frau die gesellschaftliche Rolle klar vorgegeben ist, fühlen sich Männer oft verloren. Frauen genießen die Aufmerksamkeit als werdende Mutter und Väter sind nur als solche erkennbar, wenn sie im Zusammenhang mit der schwangeren Partnerin gesehen werden. Diese Annahme geht also davon aus, dass der Babybauch beim Vater aus Neid erwächst.

Interessant ist, dass es das Couvade-Syndrom auch im Tierreich gibt. Beobachtet wurde es bei den Weißbüschelaffen. Die Männchen dieser Tierart bekommen ebenfalls einen Babybauch, wenn die Partnerin trächtig ist. Diese Beobachtung bei den Äffchen widerlegt die frühere Annahme, dass Vätern ein Babybauch wächst, weil sie zusammen mit der schwangeren Partnerin viel essen. Tatsächlich konnten Forscher nachweisen, dass die Pheromone des Weibchens dafür verantwortlich sind, dass sich der Stoffwechsel beim Affenmännchen verändert und sich ebenfalls der Hormonhaushalt anpasst, der schließlich ein Bäuchlein wachsen lässt.

Die Forscher haben inzwischen herausgefunden, dass auch bei den Menschen ein ähnlicher Mechanismus in Gang kommt: Ist die Partnerin schwanger, verändert sich auch der Hormonhaushalt der Männer. Gesteuert wird dies offenbar von biochemischen Stoffen. Die genaue Wirkweise ist jedoch noch nicht geklärt.

Der Babybauch beim Vater bleibt

Bei der Frau setzt mit der Geburt und dem anschließenden ersten Stillen die Rückbildung ein. Das beim Stillen erzeigte Hormon bewirkt, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht, bis sie einige Tage nach der Geburt ihre ursprüngliche Größe erreicht hat. Der Bauch und das gedehnte Gewebe bilden sich allmählich zurück, auch die Haut strafft sich wieder.

Väter mit Babybauch haben diese hormonellen Vorteile nicht. Forscher konnten beobachten, dass bei Vätern mit Babybauch der Bauch auch nach der Geburt oftmals bestehen bleibt. Interessant ist, dass überwiegend Männer betroffen sind, die erstmalig Vater werden. Forschern zufolge liegt der Anteil bei knapp zwei Drittel aller Männer. Bei folgenden Schwangerschaften würde nur noch etwa 10 Prozent aller Väter die Parallelschwangerschaft mit extrem ausgeprägten Symptomen erleben.

Übrigens gibt es auch das Phänomen der Ritualschwangerschaft, der rituellen Couvade, besonders häufig in Südamerika und Indonesien.

Männer, deren Partnerin schwanger ist, werden sorgsamer behandelt als in Europa die Schwangere selbst. Die Männer sind beispielsweise angehalten sich zu schonen, besonders in den Wochen vor der anstehenden Geburt. Die Männer genießen in dieser Zeit die besondere Aufmerksamkeit älterer Verwandter, bekommen besonders reichhaltige und gesunde Kost. Demgegenüber müssen die schwangeren Frauen bis zur Niederkunft arbeiten.

Wenn der eigene Mann beginnt, unter dem Couvade-Syndrom zu leiden, sollte das ernst genommen werden. Väter mit Babybauch mögen kurios anmuten, dennoch sind die gemischten Emotionen in Bezug auf die Schwangerschaft, Ängste vor der Geburt und besonders der ersten Zeit mit Kind ernst zu nehmen und sollten partnerschaftlich besprochen werden.

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